„Wissenschaft gedeiht in Gemeinschaft“
Seit September 2025 leitet Geoffrey Andama die Max-Planck-Humboldt-Forschungsgruppe an der
Muni University in Uganda. Die neue Gruppe widmet sich dem Aufbau der Astrophysik und
Astronomie auf dem afrikanischen Kontinent. Im Gespräch erzählt Andama von seinem
ungewöhnlichen Weg in die Wissenschaft, der Bedeutung von Mentoring und seiner Vision
für die Astronomie in Afrika.
Geoffrey Andama setzte früh auf internationale Vernetzung – und knüpfte von Uganda aus enge Kontakte mit dem Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.
Wie begann Ihre Faszination für Astronomie und Planetenforschung?
Geoffrey Andama: Das begann schon in meiner Kindheit, lange bevor ich wusste, dass Astronomie überhaupt ein Forschungsfeld ist. Ich wuchs unter dem weiten Nachthimmel im ländlichen Uganda auf. Die zahllosen Sterne, die wie Diamanten funkelten, zogen mich schon früh in den Bann. Wie sind diese Himmelskörper entstanden? Gibt es dort draussen andere Welten, die Leben beherbergen könnten und um ihre Sonnen kreisen? Welche Kräfte halten diese Objekte an ihrem Platz? Dieses frühe Staunen legte das Fundament für meine spätere Leidenschaft.
Wie gelang Ihnen trotz begrenzter Ressourcen in Uganda eine wissenschaftliche Laufbahn?
Ich habe schon sehr früh begonnen, gezielt nach Kooperationen zu suchen und Forschende im Ausland zu kontaktieren. Ermöglicht wurde das durch Initiativen wie das East African Astronomical Research Network (EAARN), das vom International Science Programme der Universität Uppsala in Schweden unterstützt wird. Später halfen mir Programme wie ARTEMIS dabei, meine Verbindungen zum Max-Planck-Institut für Astronomie und zum Zentrum für Stern- und Planetenentstehung in Kopenhagen zu vertiefen. Diese Netzwerke waren entscheidend dafür, meine Forschung international anschlussfähig zu machen.
Was waren bislang die grössten Herausforderungen auf Ihrem akademischen Weg?
Dass mein Weg alles andere als geradlinig verlief. Ich bin eigentlich Ingenieur und habe jahrelang in der Dienstleistungsbranche gearbeitet, bevor ich den Schritt in die Wissenschaft wagte. Der Wechsel in die Astrophysik bedeutete, dass ich enorme Wissenslücken schliessen und gleichzeitig den hohen Anforderungen des Fachs gerechtwerden musste. Hinzu kamen fehlende Ressourcen und Infrastruktur vor Ort. Und es kann sehr isolierend sein, wenn man in einem Umfeld arbeitet, in dem kaum jemand die eigenen Forschungsinteressen teilt.
Sie waren einer von 25 Mentees in der ersten ARTEMIS-Runde der Max-Planck-Gesellschaft. Was hat Sie motiviert, sich zu bewerben?
Ich hatte bereits Kontakte nach Heidelberg. Kolleginnen und Kollegen am Max-Planck-Institut für Astronomie erzählten mir von dem Programm und ermutigten mich, mich zu bewerben.
Sie waren überzeugt, dass es eine wertvolle Gelegenheit wäre, die Forschungswelt in Heidelberg kennenzulernen – und sie hatten absolut recht.
Haben Sie nie darüber nachgedacht, dauerhaft in einem anderen Land zu forschen?
Trotz meiner internationalen Vernetzung bin ich bewusst in Uganda geblieben, aus der festen Überzeugung heraus, dass Spitzenforschung in Afrika auch mit begrenzten Ressourcen und Infrastruktur möglich ist. Natürlich träumen viele Studierende davon, ins Ausland zu gehen. Doch mir wurde klar, dass echter wissenschaftlicher Fortschritt aus dem eigenen gesellschaftlichen und kulturellen Kontext heraus entstehen muss.
Welchen Einfluss hatte das Mentoring konkret auf Ihre wissenschaftliche Laufbahn?
ARTEMIS hat mir geholfen, mein Potenzial nicht nur als Forscher, sondern auch als Führungspersönlichkeit zu erkennen. Als dann die Ausschreibung für die Leitung einer Max-Planck-Humboldt-Forschungsgruppe in Afrika veröffentlicht wurde, fühlte ich mich bereit. ARTEMIS hatte sowohl meine wissenschaftlichen als auch meine professionellen Kompetenzen gestärkt. Also beschloss ich, mich um die Förderung zu bewerben – und einfach zu sehen, was passiert.
Und Sie waren erfolgreich …
Ja. Seit September 2025 baue ich an der Muni University in Uganda meine Max-Planck-Humboldt-Forschungsgruppe auf. Mein Ziel ist es, wissenschaftliche Exzellenz und Forschungskapazitäten in Afrika zu etablieren – auf einem Kontinent, auf dem die Astronomie noch am Anfang steht. Wir wollen den Zugang zu Spitzenforschung direkt aus Afrika heraus ermöglichen. Über fünf Jahre hinweg steht uns ein jährliches Budget von 150.000 Euro zur Verfügung, um Postdocs und Promovierende zu gewinnen.
Das ist eine grosse Chance. Wo sehen Sie die grösste Herausforderung?
Vor allem die Rekrutierung wird schwierig. Wir fangen praktisch bei null an, denn in Afrika gibt es bislang nur wenige Fachleute auf diesem Gebiet. Deshalb werde wir auch international rekrutieren – um Expertise aufzubauen und gleichzeitig lokale Studierende zu begeistern. Sie sollen sehen, dass Astronomie eine echte Perspektive bietet. Durch unsere enge Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Astronomie können unsere Studierenden zudem Teile ihrer Forschung in Heidelberg durchführen. Der Zugang zu dieser Infrastruktur wird ihnen helfen, den Anforderungen moderner Forschung gerecht zu werden.
Was muss sich ändern, damit mehr junge Menschen in Afrika eine Karriere in der Astronomie einschlagen?
Viele talentierte Studierende ziehen Astronomie gar nicht erst in Betracht, weil sie das Fach nicht als reale Option kennen. Eine frühere Verankerung im Bildungssystem könnte viel bewirken. Ebenso wichtig ist physische Infrastruktur: Zugang zu Teleskopen, Forschungseinrichtungen und wissenschaftlichen Netzwerken. Und wir brauchen personelle Ressourcen – Mentorinnen und Mentoren, die junge Forschende fördern und sie in die globale Wissenschaftsgemeinschaft einbinden.
Was nehmen Sie aus Ihrer Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Astronomie mit?
Wissenschaftlich war die Zusammenarbeit sehr bereichernd und transformativ. Sie eröffnete mir neue Dimensionen der Forschung und zeigte das Wechselspiel zwischen Theorie, Beobachtung und Modellierung auf. Die Arbeit mit herausragenden Forschenden hat meinen Anspruch an mich selbst erhöht und mich ermutigt, weiter über meine eigenen Grenzen hinauszuwachsen.
Und auf persönlicher Ebene?
Bei Max-Planck habe ich die menschliche Seite wissenschaftlicher Exzellenz erlebt – eine Kultur der offenen Zusammenarbeit und des hohen wissenschaftlichen Anspruchs, in der Ideen unabhängig von Hierarchien geschätzt werden. Ich weiss nun, dass Wissenschaft am besten in Gemeinschaft gedeiht. Und genau diesen Geist möchte ich nun in meine eigene Gruppe tragen: eine Forschung, die kompromisslos in der Qualität, kreativ und zutiefst gemeinschaftlich ist. Denn am Ende ist herausragende Wissenschaft nicht nur eine Frage der Brillanz, sondern vor allem des Miteinanders.
Das Interview führte Petra Maaß












