Max-Planck-Ausgründung lockt Epic Games nach Tübingen

Der US-amerikanische Spieleentwickler übernimmt das KI-Startup Meshcapade und etabliert einen Standort im Technologie-Hub Cyber Valley

18. Februar 2026

Meshcapade, das im Cyber Valley in Tübingen ansässige Max-Planck-Startup, wird von Epic Games übernommen – einem US-amerikanischen Spieleentwickler und Schöpfer der Unreal Engine, einer der weltweit führenden Plattformen für 3D-Entwicklung. Im Zuge der Akquisition wird Epic Games eine Präsenz im Cyber Valley etablieren. Das Meshcapade-Team schließt sich der KI-Forschungsabteilung des Unternehmens an und wird künftig Technologien für Unreal Engine und MetaHuman mitentwickeln.

Meshcapade ist ein Spin-off des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Tübingen und entwickelt Lösungen für die realistische Erstellung und Animation digitaler Menschen. Gegründet wurde das Unternehmen 2018; 2022 erhielt es den ersten Max-Planck-Startup-Preis des Stifterverbandes. Die Technologie basiert auf dem am Institut entwickelten SMPL-Körpermodell (Skinned Multi-Person Linear) – einer hochrealistischen 3D-Repräsentation des menschlichen Körpers, trainiert auf Tausenden von 3D-Scans. Lizenziert durch Max-Planck-Innovation (MI), die Technologie-Organisation der Max-Planck-Gesellschaft, hat sich das SMPL-Modell zum faktischen Standard für die 3D-Modellierung von Menschen in Forschung und Industrie entwickelt.

„Das ist wirklich bemerkenswert“, sagt Max-Planck-Präsident Patrick Cramer über die Entwicklung eines der führenden KI-Start-ups der MPG. „Es zeigt, wie schnell Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in konkrete Anwendungen mit weltweiter Wirkung überführt werden können.“ Europa müsse künftig sicherstellen, so Cramer weiter, dass nicht nur die Gründung, sondern auch die vollständige wirtschaftliche Verwertung solcher Schlüsseltechnologien wie SMPL weiterhin hier vor Ort stattfinde.

Mit der Übernahme wird das Meshcapade-Team Teil von Epic Games, das zugleich ein neues Büro in Tübingen eröffnet. Damit ist Epic Games künftig im Cyber Valley präsent – einem der führenden KI-Ökosysteme Europas. „Diese Übernahme ist ein klares Signal, dass 'KI made in Germany' lokal skalieren und international konkurrenzfähig sein kann“, sagt Bram Wijlands, Geschäftsführer von Max-Planck-Innovation. Die Max-Planck-Kerntechnologie bleibt dabei für bestehende wie neue Kundinnen und Kunden verfügbar: „MI übernimmt künftig direkt die Lizenzierung der SMPL-Technologie, die in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Lizenzeinnahmen für die Max-Planck-Gesellschaft erzielt hat.“

Die Technologie von Meshcapade ermöglicht es, digitale Figuren mit einer Bewegungsflüssigkeit und Präzision darzustellen, wie man sie sonst nur aus hochwertigen Animationsfilmen kennt – nur dass diese Figuren dank künstlicher Intelligenz (KI) vollständig in 3D entstehen und lediglich eine Videoaufnahme als Grundlage benötigen.

Menschliche Bewegungen – einschließlich Mimik und Gestik – sind für die meisten KI-Systeme zu komplex, um sie überzeugend nachzubilden. Doch gerade diese nonverbale Ausdruckskraft über die physische Bewegung hinaus macht KI-generierte Figuren glaubwürdig. Naureen Mahmood und Talha Zaman, Mitgründerin bzw. Mitgründer von Meshcapade, entwickelten die Technologie gemeinsam mit Michael J. Black, Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, um genau diese Nuancen einzufangen.

„Von Anfang an war es unser Ziel, die Entwicklung digitaler Menschen einfacher, ausdrucksstärker und zugänglicher zu machen“, sagt Mahmood. Durch den Einsatz von maschinellem Lernen und fortschrittlicher Grafik gelang es dem Team, menschliches Aussehen und Bewegungen differenzierter zu modellieren als konventionelle KI-Anwendungen. 3D-Bewegungen lassen sich nicht nur mit aufwendiger Motion-Capture-Technik erfassen, sondern direkt aus Standardvideos rekonstruieren. Diese Fähigkeit, hochwertige Avatare schnell und kosteneffizient zu produzieren, sprach sich rasch in der Branche herum – schon bald klopften Interessenten von selbst an, ganz ohne formelles Marketing. „Unser Kundenportfolio wuchs nahezu ausschließlich durch Mundpropaganda“, berichtet Zaman, „und auf Branchenmessen war der Meshcapade-Stand regelmäßig ein Anziehungspunkt für Animatoren führender Spiel- und Filmstudios.“

„Ein Großteil der generativen KI konzentriert sich derzeit auf Text, Bilder oder Video“, erklärt Michael J. Black. „Doch die physische Welt ist dreidimensional. Moderne Spiele entstehen in 3D, Roboter agieren in 3D – und glaubwürdige digitale Menschen müssen sich ebenfalls in einer dreidimensionalen Welt bewegen. Meshcapade entwickelt deshalb Grundlagenmodelle, die Struktur, Bewegung und Physik dieser 3D-Welt verstehen und dieses Wissen in unmittelbar nutzbare Werkzeuge für Entwicklerinnen und Entwickler sowie Kreative übersetzen.“

„Wir wollen die Hürden für glaubwürdige, ausdrucksstarke digitale Charaktere senken und sie in Echtzeit für unterschiedlichste Anwendungen verfügbar machen“, so Kim Libreri, Chief Technology Officer bei Epic Games Epic. „Mit dem Meshcapade-Team und seinen branchenführenden Technologien erweitern wir unser Portfolio um leistungsfähige Spezialwerkzeuge für die Generierung digitaler Menschen in Gaming, Film und virtueller Produktion.“

„Meshcapade hat zentrale Aspekte der Entwicklung digitaler Charaktere standardisiert und automatisiert – mit unmittelbarem Mehrwert für Kreative weltweit“, betont Vladimir Mastilović, VP Digital Humans Technology bei Epic Games. „Noch entscheidender: Ihre langfristige Forschungs- und Entwicklungsstrategie ergänzt unsere bestehenden Ziele und Strategien in idealer Weise. Wir freuen uns darauf, unsere Kräfte in diesem komplexen, multidisziplinären Feld zu bündeln.“

Seit seiner Gründung wird Meshcapade von Max-Planck-Innovation (MI) begleitet, der zentralen Technologietransfer-Einheit der Max-Planck-Gesellschaft. Als hundertprozentige Tochter der MPG unterstützt MI Forschende dabei, ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in marktfähige Anwendungen zu überführen. „Das Gründungsteam von Meshcapade hat uns von Beginn an beeindruckt“, sagt Florian Kirschenhofer, Start-up- und Investment-Manager bei Max-Planck-Innovation. „Wir sind stolz darauf, unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim Aufbau und der Skalierung eines Unternehmens mit der Wirkungskraft von Meshcapade zu unterstützen.“

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