Leibniz-Preise für drei Max-Planck-Wissenschaftler

Klaus Blaum, Christian Doeller und Johannes Krause werden mit dem wichtigsten deutschen Forschungspreis geehrt

11. Dezember 2025

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, der mit je 2,5 Millionen Euro Preisgeld verbunden ist, wird seit 1986 jährlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verliehen. Insgesamt haben bislang 465 Nominierte den Preis erhalten, darunter 384 Wissenschaftler und 81 Wissenschaftlerinnen. Die Verleihung findet am 18. März 2026 in Berlin statt.

Physiker aus Leidenschaft

Die Forschung von Klaus Blaum ist gekennzeichnet durch seine Leidenschaft für Präzision. Der Physiker, der am Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg forscht, möchte fundamentale physikalische Konstanten genauer bestimmen, Symmetrien und Kräfte der Natur präziser verstehen und das Standardmodell der Teilchenphysik experimentell auf den Prüfstand stellen. Dazu sperrt er einzelne Ionen in einer Überlagerung aus elektrischen und magnetischen Feldern ein und vermisst ihre Eigenschaften, zum Beispiel ihre Massen und magnetischen Momente.  Dabei erzielte er bahnbrechende Ergebnisse bei der Untersuchung der Unterschiede von Materie und Antimaterie. So gelang ihm unter anderem der genaueste Vergleich des Ladungs-zu-Masse-Verhältnisses von Protonen und Antiprotonen.

Auch in der Atomphysik hat Blaum Wichtiges erreicht: Beispielsweise konnte er theoretische Vorhersagen für das magnetische Moment eines Elektrons in einem wasserstoffähnlichen Zinn-Ion mit noch nicht erreichter Genauigkeit testen und bestätigen. In einem solchen Ion erfährt ein Elektron ein extrem starkes elektrisches Feld. Zudem führte er die weltweit genaueste Messung der maximalen frei werdenden Energie im radioaktiven Zerfall von Holmium 163 durch – ein bedeutendes Ergebnis für die weltweiten Versuche, die Masse von Neutrinos absolut zu bestimmen.

Wie funktionieren menschliches Denken und das Gehirn?

An der Beantwortung dieser Frage arbeitet der Psychologe Christian Doeller, der am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig forscht, seit Jahrzehnten. Als einer der führenden Gedächtnisforscher erzielte er mit seinen Arbeiten bahnbrechende Durchbrüche in der Erforschung der neuronalen Raumkognition, also den Fähigkeiten eines Menschen, sich zu orientieren, einen Raum wahrzunehmen und darin zu handeln. Doeller zeigte: Räumliche Zusammenhänge können auch in abstrakte Kategorien umkodiert werden und bilden somit die neuronale Grundlage logischen Denkens, Schlussfolgerns und Entscheidens.

Unter anderem entwickelte Doeller Analysemethoden der Bildgebung, mit denen er zum ersten Mal Signale im menschlichen Gehirn entdecken konnte, die den Gitterzellen entsprechen – Zellen, die zuvor bei Ratten gefunden worden waren und den Tieren ein Koordinatensystem liefern, mit der die eigene Position ermittelt werden kann. Doellers Erkenntnisse helfen auch, zu verstehen, wie und warum Erkrankungen des menschlichen Gehirns zu bestimmten kognitiven Beeinträchtigungen führen.

Wo sind die Ursprünge historischer Infektionserreger und -krankheiten?

Wie haben sich diese ausgebreitet und evolutionär weiterentwickelt? Der Biochemiker Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie schafft es, einen Teil dieser Vergangenheit zu rekonstruieren. Ein Meilenstein war, als er das Bakterium Yersinia pestis als Erreger des Schwarzen Todes identifizierte und so das Feld der Alte-Pathogen-Genomik wesentlich mitbegründete, das natur- und kulturwissenschaftliche Fragestellungen miteinander verzahnt. Seither hat Krause die genetischen Signaturen einer Reihe historischer Erreger aus menschlichen Skeletten untersucht. Dazu zählen Bakterien und Parasiten, die Krankheiten wie Pest, Tuberkulose, Malaria oder Hepatitis verursachen. Unter anderem schaffte er es, anhand alter DNA in Kombination mit historischen Quellen aus dem Tianshan-Gebiet den Beginn der zweiten Pestpandemie auf 1338 bis 1339 zu datieren und in Zentralasien zu verorten.

Weitere Meilensteine stellen Krauses Studien zur Rekonstruktion der (prä-) historischen Besiedlungsgeschichte auf verschiedenen Kontinenten dar. Seine Arbeiten geben uns Einblicke, wie Infektionskrankheiten die Geschichte der Menschheit begleitet haben. Sie helfen, eine eurozentrische Perspektive zu korrigieren und globale Mechanismen in den Blick zu rücken.

„Ich freue mich außerordentlich über diese Auszeichnung. Sie würdigt die gemeinsame Arbeit unseres Teams, das mithilfe der Archäogenetik neue Einblicke in die genetische Geschichte vergangener Kulturen gewinnt und die Evolution von Pathogenen rekonstruiert. Diese Ehrung bestärkt uns darin, die Geschichte menschlicher Gesellschaften und ihrer Krankheitserreger weiter aus neuen Perspektiven zu erschließen“, so Krause.

Viele Nobelpreise

Zwei Leibniz-Preisträgerinnen und zehn Leibniz-Preisträger haben nach der Auszeichnung mit dem wichtigsten Forschungsförderpreis in Deutschland auch den Nobelpreis erhalten : 1988 Hartmut Michel (Chemie), 1991 Erwin Neher und Bert Sakmann (beide Medizin), 1995 Christiane Nüsslein-Volhard (Medizin), 2005 Theodor W. Hänsch (Physik), 2007 Gerhard Ertl (Chemie), 2014 Stefan W. Hell (Chemie), 2020 Emmanuelle Charpentier (Chemie) und Reinhard Genzel (Physik), 2021 Benjamin List (Chemie), 2022 Svante Pääbo (Medizin) sowie 2023 Ferenc Krausz (Physik). Alle Ausgezeichneten sind auch Max-Planck-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler.

DFG / BA
 

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