Hier entsteht Zukunft: Neue Technologien und Materialien für Mikrochips 

Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte das Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik in Halle im Rahmen seines Antrittsbesuchs bei Ministerpräsident Reiner Haseloff

18. November 2025

Grundlagenforschung ist eine essentielle Quelle für Innovationen und technologischen Fortschritt. Wie das funktionieren kann, darüber informierte sich Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Besuch am Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik am 18. November in Halle. Dort wird an neuartigen Materialien und Verfahren geforscht, die geeignet sind, bisherige Grenzen im Bereich der Datenspeicherung und -verarbeitung zu überwinden. 

Der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in Anwendungen für die Industrie ist unverzichtbar, um wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen. Und auch wenn die Max-Planck-Gesellschaft für ihre exzellente Grundlagenforschung bekannt ist, gibt es zahlreiche Beispiele wie diese zu anwendbaren Ergebnissen führte. Erkenntnisse aus der Max-Planck-Gesellschaft haben Technologien geprägt, die heute weltweit genutzt werden – vom Softwareprogramm FLASH, welches die Magnetresonanztomographie (MRT) überhaupt erst praxistauglich gemacht hat, über eine vollkommen neue Generation von Lichtmikroskopen, die Moleküle auf Nanoebene sichtbar machen, bis hin zur Genschere CRISPR-Cas, die inzwischen zur ersten zugelassenen Gentherapie gegen Sichelzellanämie geführt hat. Grundlagenforschung schafft Lösungen für medizinische, gesellschaftliche, ökonomische und technologische Herausforderungen.

„Die Max-Planck-Gesellschaft betreibt Spitzenforschung, aber sie baut auch ihr Engagement beim Techtransfer weiter aus. In diesem Jahr haben wir bereits zwölf Ausgründungen an den Start gebracht“, so Max-Planck-Präsident Patrick Cramer. „Das Kernfusions-Start-up Proxima Fusion aus dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik konnte dabei eine Rekordfinanzierung von über 130 Millionen Euro einwerben. Darüber hinaus gehört die MPG zu den Top Ten der europäischen Forschungseinrichtungen, die an den meisten akademischen Patentanmeldungen in Europa beteiligt sind.“

Bundeskanzler Friedrich Merz sagte mit Blick auf den Transfer: „Wir müssen dringend dafür sorgen, dass wir das, was wir hier in Forschung und Entwicklung erreichen, zu dem Zeitpunkt, wenn es in die Praxis geht, wenn es in die Umsetzung geht, wenn es in die Skalierung geht, dass wir dafür die Finanzierung aus Europa bekommen, und nicht aus den USA oder anders woher.“

Stuart Parkin, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik und international renommierter Spitzenforscher, vereint in seiner Arbeit Grundlagenforschung und Anwendung wie kein anderer: Der britische Physiker hat 129 erteilte Patente und erhielt 2014 u.a. den mit einer Million Euro dotierten Millennium-Technologiepreis (der erste Preisträger 2004 war Tim Berners-Lee für die Entwicklung des World Wide Web). Viele von Parkins patentierten Arbeiten beziehen sich auf Spintronik. Dank seiner Erfindungen ließ sich die Datendichte auf Festplatten um das 1000-fache erhöhen und Computer Clouds können heute riesige Datenmengen speichern. Parkins exploratorisches Forschungsprogramm zielt darauf ab, hochinnovative und bahnbrechende Technologien in Deutschland zu entwickeln und die technologische Souveränität Deutschlands und der EU in diesem Bereich zu stärken.

Ohne Grundlagenforschung keine Anwendertechnologien

Im Rahmen des Kanzler-Besuchs, sicherte die Max-Planck-Gesellschaft ihre Engagement bei der Umsetzung der Hightech-Agenda Deutschland zu. Beispiel Mikroelektronik: Stuart Parkin ist federführend beim Konzept für die Initiative Spintronics+, die Max-Planck im Zuge der Hightech-Agenda vorgeschlagen hat. Diese Initiative soll an neuen Verfahren und Technologien für deutlich leistungsfähigere Chips forschen. Denn die Miniaturisierung konventioneller CMOS-Technologie ist weitgehend ausgereizt. Dies eröffnet Chancen für alternative Architekturen auf Basis neuartiger physikalischer Prinzipien. 

Und genau solche Zukunftstechnologien sollen mit der Initiative Spintronics+ erforscht werden: Spintronik, 3D-Racetrack-Speicher als ultraschnelle, energiearme Hochdichtespeicher, neuromorphe Architekturen auf Spin- und Ionenbasis, 2D-Quantenmaterialien mit neuen spintronischen und optoelektronischen Funktionen sowie hybride Spin-Photonen-Plattformen für Quantencomputing. Diese Technologien werden in einem integrierten Forschungs- und Entwicklungsansatz vorangetrieben. 

Robotergesteuerte Labore in Halle sollen Forschung und industrielle Anwendung beschleunigen. Hier werden atomar präzise Dünnschichtabscheidung, fortgeschrittene Charakterisierungsmethoden und maschinelles Lernen kombiniert, um Entwicklungszyklen zu verkürzen und Prototypen von neuromorphen und 3D-Speichersystemen im Wafermaßstab zu entwickeln.

Durch starke nationale Partnerschaften soll technologische Souveränität und Unabhängigkeit von anderen geopolitischen Akteuren geschaffen und die Produktion innerhalb Deutschlands gestärkt werden.

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