Sprachen besitzen konstante Muster

Untersuchung findet Belege für ein Drittel aller postulierten grammatikalischen „Universalien“

17. November 2025

Auf den Punkt gebracht

  • Sprachuniversalien: Von 191 postulierten Sprachuniversalien, die allen menschlichen Sprachen gemein sein sollen, kann nun etwa ein Drittel statistisch in mehr als 1.700 Sprachen nachgewiesen werden.
  • Eine Fülle von Daten und modernste statistische Methoden: Mithilfe von Grambank und Bayes‘schen statistischen Modellen, die genealogische und geografische Einflüsse berücksichtigen, lassen sich die stichhaltigsten Belege für Universalien bei Wortstellungsmustern und hierarchischer Kongruenz ermitteln.
  • Evolutionärer Rahmen: Die wiederholte Evolution dieser Muster deutet auf das Vorhandensein allgemeiner kognitiver und kommunikativer Rahmenbedingungen hin. Diese schränken die Suche nach tatsächlich universellen Merkmalen menschlicher Sprache ein.

Trotz der großen Vielfalt menschlicher Sprachen tauchen bestimmte grammatikalische Muster immer wieder auf. Eine neue Studie zeigt, dass etwa ein Drittel der von Sprachwissenschaftlern postulierten „linguistischen Universalien“ – also Muster, von denen angenommen wird, dass sie in allen Sprachen auftreten – mithilfe neuester evolutionärer Methoden statistisch belegt werden kann.

Mithilfe von Grambank, der weltweit umfassendsten Datenbank für grammatikalische Merkmale, untersuchte ein internationales Team unter der Leitung von Annemarie Verkerk von der Universität des Saarlandes und Russell D. Gray vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie nun insgesamt 191 potenzielle Sprachuniversalien in mehr als 1.700 Sprachen. Um das Problem genealogischer und geografischer Einflüsse zwischen Sprachen zu umgehen, hatten Linguisten bisher Sprachen untersucht, die geografisch weit voneinander entfernt sind.

Allerdings kann die Stichprobenwahl nicht alle bestehenden Abhängigkeiten auflösen. Zudem verringert sie die statistische Aussagekraft und erkennt historische Entwicklungspfade nicht. Die von den Autoren verwendeten Bayes‘schen geografisch-phylogenetischen Analysen hingegen berücksichtigen sowohl die genealogische als auch die geografische Abhängigkeit von Sprachen. Dadurch wird ein Maß an statistischer Genauigkeit erreicht, welches in früheren Arbeiten nur selten erzielt werden konnte.

Die Evolution von Sprachen verläuft nicht zufällig

„Angesichts der enormen linguistischen Vielfalt ist es faszinierend zu sehen, dass die Evolution von Sprachen nicht zufällig verläuft“, sagt Verkerk. „Es freut mich, dass unsere verschiedenen Analysen zu sehr ähnlichen Ergebnissen geführt haben. Dies deutet darauf hin, dass Sprachwandel bei der Erklärung von Universalien eine zentrale Rolle spielen muss.“

Die Studie erbrachte klare Belege für Muster bezüglich der Wortreihenfolge im Satz (zum Beispiel, ob Verben vor oder nach Objekten stehen) sowie für hierarchische Universalien (zum Beispiel, wenn hierarchische Abhängigkeiten im Satz durch grammatikalische Markierungen angezeigt werden). Die nun bestätigten Universalien haben sich in den Sprachen der Welt immer wieder herausgebildet. Dies deutet auf fest verankerte Strukturen hin, nach denen Menschen ihre Kommunikation organisieren.

„Wir haben überlegt, ob wir die Ergebnisse der Studie als ‚halb leeres Glas‘ oder ‚halb volles Glas‘ formulieren sollten. Sollten wir den Fokus darauf legen, wie viele vorgeschlagene Universalien nicht statistisch belegbar sind, oder darauf, dass es solide statistische Belege für etwa ein Drittel von ihnen gibt“, so der leitende Autor Russell Gray. „Letztendlich haben wir uns dafür entschieden, die sich wiederholt entwickelnden Muster herauszustellen und zu zeigen, dass Sprachen aufgrund gemeinsamer kognitiver und kommunikativer Bedingungen zu einer begrenzten Anzahl bevorzugter grammatikalischer Lösungen tendieren.“

Die Studie zeigt, welche Universalien einer Überprüfung unter evolutionären Gesichtspunkten tatsächlich standhalten - und definiert somit den Rahmen für zukünftige Forschungsarbeiten zu den kognitiven und kommunikativen Grundlagen der menschlichen Sprache genauer.

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