Forschung zu Ungleichheit, Konflikten und Stabilität von Demokratie

Die Politikwissenschaftlerin Ursula Daxecker und der Soziologe Steffen Mau wurden an das Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen berufen. Die Neuausrichtung des Instituts startet

Es ist ein Forschungsfeld, das aktueller nicht sein könnte. Nachdem am Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen gleich drei Direktorenpositionen neu zu besetzen sind, hat sich die Max-Planck-Gesellschaft mit der Frage befasst, wie sie im Zuge einer Neuausrichtung auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen eingehen kann. Seit 2007 wurden am Göttinger Institut mit einem multidisziplinären Ansatz vielfältige Formen gesellschaftlicher Diversität in der heutigen globalisierten Welt erforscht. Das Institut hat dabei zahlreiche Impulse für ein besseres Verständnis gegeben.

Mit der Berufung der Politikwissenschaftlerin Ursula Daxecker und des Soziologen Steffen Mau sollen zukünftig Themen wie soziale Ungleichheit, Konflikte und demokratische Stabilität in den Mittelpunkt der Forschung gerückt werden. Die Max-Planck-Gesellschaft will die Neuausrichtung des Instituts nutzen, um einen international sichtbaren sozialwissenschaftlichen Wissenschaftsschwerpunkt zu etablieren: „Die Berufung von Ursula Daxecker und Steffen Mau ist für uns von großer Bedeutung, um sozialwissenschaftliche Forschung zu Gesellschaft und Politik in unseren Reihen zu stärken und auszubauen“, so Max-Planck-Präsident Patrick Cramer. „Ich freue mich außerordentlich, dass diese international anerkannten Forscherpersönlichkeiten den Ruf angenommen haben.“   

Analyse des sozialen Wandels

Steffen Mau hat sein Amt bereits zum 1. Oktober 2025 angenommen (bis 1.4.2026 im Nebenamt) und wird seinen inhaltlichen Fokus auf die Themenfelder Ungleichheit, Transformation und Konflikt legen. Es geht ihm um einen übergreifenden makrosoziologischen Ansatz zur Analyse des sozialen Wandels, in dem er sich zur Interdisziplinarität bekennt und bewusst Erkenntnisse aus der Soziologie, Politikwissenschaft, Ethnologie und Geographie mit einbezieht, um ganzheitliche Perspektiven auf die Dynamik gesellschaftlicher Veränderungen zu ermöglichen. Die höchst originelle, inspirierende und methodisch integrative Forschungsperspektive soll die Relevanz des Instituts sowohl im akademischen als auch im gesellschaftspolitischen Raum sicherstellen. Mau ist seit 2015 Professor für Makrosoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin und wird im Rahmen einer S-Professur auch in Zukunft mit der Humboldt-Universität verbunden bleiben. Er ist als politischer Berater in zahlreichen Räten und Ausschüssen vertreten.

Mau ist einer der sichtbarsten und einflussreichsten Soziologen in Deutschland und unter anderem durch sein jüngstes Buch „Triggerpunkte“ sehr bekannt. Seine Forschungsthemen reichen über die moralischen Ökonomien europäischer Wohlfahrtsstaaten über vergleichende Arbeiten zur Sozialstruktur bis hin  zu Grenzen, Mobilität und die transnationale Integration zwischen europäischen Gesellschaften. Er forschte zu sich verändernden politischen Ökonomien der Mittelschicht in Europa sowie in jüngerer Zeit zu gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung, zu sich wandelnden soziopolitischen Spaltungen und zum Fortbestehen der Ost-West-Spaltung auch mehr als eine Generation nach dem Fall der Mauer.

Die Erosion von Demokratien

Ursula Daxecker hat ihre Stelle zum 1. Januar 2026 angetreten (bis 1.9.2026 im Nebenamt). Ihre Abteilung wird die Beziehung zwischen politischen Institutionen und Konflikten im weitesten Sinne untersuchen. Konflikte sind ein fester Bestandteil von Politik. Mit ihrer Abteilung will Daxecker erforschen, wie Institutionen beeinflussen, ob solche Konflikte friedlich gelöst werden oder nicht, und wie Konflikte Institutionen stärken oder untergraben können. Die Abteilung wird untersuchen, wie Missstände und deren konfliktträchtigen Auswirkungen in heutigen Demokratien entstehen, beispielsweise das Aufkommen extremer und gewalttätiger Strategien von politischen Parteien und ihren Anhängern. Die kurz- und langfristigen Auswirkungen von Konflikten und politischer Gewalt auf aktuelle Ereignisse bilden ein weiteres Forschungsthema. All diese Themen stehen im Zusammenhang mit drängenden sozialwissenschaftlichen Problemen, darunter die Erosion der Demokratie in Ländern auf der ganzen Welt – im Globalen Norden und im Globalen Süden – sowie bewaffnete Konflikte und politische Gewalt in vielen Ländern.

Daxecker ist derzeit ordentliche Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Amsterdam und wird im Rahmen einer Nebenamtsprofessur weiterhin an die Universität Amsterdam verbunden bleiben. Sie ist eine der weltweit führenden Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der politischen Gewalt in Demokratien und konzentriert sich in ihrer Forschung auf hochaktuelle, bedeutende und komplementäre Themen wie politische Gewalt, organisierte Kriminalität und demokratischen Rückschritt im Globalen Süden. In ihrer Forschung kombiniert sie fortgeschrittene quantitative Methoden, wie umfragebasierte und beobachtungsbasierte kausale Inferenzdesigns, mit qualitativen Ansätzen, wie Feldforschung und Interviews. Ihre Arbeit stützt sich auf modernste Methoden und große Datensätze, die mit computergestützten Methoden extrahiert wurden. Dieser Ansatz liefert neue, evidenzbasierte Erkenntnisse, die für die Politik und die heutige Gesellschaft relevant sind.

Die Berufung für die dritte Direktorenstelle soll zeitnah abgeschlossen werden. Man sei im Austausch mit einem ebenfalls sehr renommierten Kandidaten, so der Präsident.

Anmerkung: Die Meldung vom 1. Oktober 2025 wurde am 14. Januar 2026 aktualisiert.

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