Max Planck Center in Taiwan eröffnet

Forschende aus Deutschland, Taiwan und den USA bündeln ihre Kompetenz, um Geheimnisse rund um Ursprung und Aufbau des Universums zu entschlüsseln

Auf den Punkt gebracht

  • Start: Das Max Planck–IAS–NTU Center wurde am 1. September 2025 offiziell in Taipeh, Taiwan eröffnet. Höhepunkt der Veranstaltung war die feierliche Übergabe des von MPG-Vizepräsidentin Claudia Felser und dem NTU-Präsidenten Wen-Chang Chen unterzeichneten Abkommens.
  • Partner: Es handelt sich um eine gemeinsame Initiative des Max-Planck-Instituts für Physik (MPP) am Forschungszentrum Garching, des Institute for Advanced Study (IAS) in Princeton, USA, und der National Taiwan University (NTU) in Taipeh, Taiwan.
  • Internationalisierung: Es ist das zweite Max Planck Center, das institutionelle Brücken zu führenden akademischen Einrichtungen in Princeton und Taiwan schlägt.

Die Theorien, mit denen Forschende das Universum auf den kleinsten (Teilchenphysik) und größten Skalen (Kosmologie) beschreiben – vom Standardmodell bis zur Allgemeinen Relativitätstheorie – gelten jeweils als äußerst erfolgreich. Doch sie sind untereinander nicht vereinbar. Um ein tieferes Verständnis für das Universum in all seinen Dimensionen zu erlangen, wurde nun das Max Planck-IAS-NTU Center for Particle Physics, Cosmology and Geometry gegründet. Die Zusammenarbeit ist auf langfristigen Austausch, Nachwuchsförderung und offene Wissenschaft angelegt.

„Durch die Vereinigung des Fachwissens und des wissenschaftlichen Potenzials unserer drei Partnerinstitute entsteht ein globaler Knotenpunkt für Exzellenz und Wissenstransfer in der theoretischen Physik“, sagt Johannes Henn vom MPP. „Das Center fördert die Zusammenarbeit über institutionelle und disziplinäre Grenzen hinweg. So entstehen Synergien – etwa in der Entwicklung neuer mathematischer Werkzeuge für die Quantenfeldtheorie, in der Beschreibung von Elementarteilchenwechselwirkungen oder beim Verständnis der Physik des frühen Universums.“

Teilchenphysik befasst sich mit den fundamentalen Bausteinen der Materie auf subatomarer Ebene, während die Kosmologie die Struktur und Entwicklung des Universums als Ganzes untersucht. In den letzten Jahren wurden überraschende Verbindungen zwischen Teilchenphysik, Kosmologie und Geometrie entdeckt, welche neue Wege zur Beschreibung von Teilchenstreuung und zur Erforschung der Anfangsbedingungen des Universums nach dem Urknall eröffnen könnten. Durch die Integration dieser drei Disziplinen verspricht das neue Center Erkenntnisse, die aus der Perspektive einzelner Fachgebiete nicht zugänglich wären.

„Eine der bemerkenswertesten Entdeckungen der modernen Kosmologie ist die Tatsache, dass der heiße Urknall nicht der Beginn der Zeit war. Eine faszinierende Frage ist, was vor dem heißen Big Bang geschah und wie er die Ausgangsbedingungen für die Strukturen schuf, die wir im späten Universum sehen“, erklärt Daniel Baumann, Chee-Chun Leung Professor für Kosmologie an der NTU. „Mit diesem Center bringen wir Fachleute aus Teilchenphysik, Kosmologie und Geometrie zusammen, um neue Antworten auf die fundamentalen Fragen zur Entstehung und Entwicklung des Universums zu finden.“

„Noch vor zehn Jahren hätten es Teilchenphysiker:innen und Kosmolog:innen für absurd gehalten, dass die Beschreibung kollidierender Elementarteilchen etwas mit Kombinatorik, Algebra oder Geometrie zu tun haben könnte. Und umgekehrt ging es Mathematiker:innen genauso“, sagt Nima Arkani-Hamed, Gopal Prasad-Professor an der Schule für Naturwissenschaften am IAS. „Dass sich diese Verbindungen heute als real erweisen, ist eine stimulierende Überraschung – und eine Chance. Dieses Zentrum wird dabei helfen, diese bahnbrechende Entdeckung besser zu verstehen.“

Die offizielle Eröffnungssymposium fand vom 1. bis 3. September 2025 an der NTU statt. Der Forschungsbetrieb begann bereits einige Monate vor der feierlichen Eröffnung im Juli 2025.  Eine Auftaktkonferenz ist vom 16. bis 20. März 2026 am IAS geplant. Die erste Förderperiode umfasst fünf Jahre. Die Co-Direktoren des Zentrums sind Johannes Henn (MPP), Nima Arkani-Hamed (IAS) und Daniel Baumann (NTU). Stellvertretende Co-Direktoren sind Matias Zaldarriaga (IAS), Bernd Sturmfels (MPI-MiS) und Yu-Tin Huang (NTU). 

Über die Partnerinstitutionen

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ist Deutschlands führende Forschungsorganisation für Grundlagenforschung. Sie wurde 1948 als Nachfolgerin der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gegründet und zählt 31 Nobelpreisträger zu ihren Mitgliedern. Das Max-Planck-Institut für Physik (MPP) forscht schwerpunktmäßig in der Teilchenphysik und beherbergt heute sieben Abteilungen. Es bezog 2023 eine neue hochmoderne Einrichtung.

Das Institute for Advanced Study (IAS) in Princeton ist eine weltweit renommierte Einrichtung für theoretische Forschung. Seit seiner Gründung 1930 war es Wirkungsstätte herausragender Wissenschaftler wie Albert Einstein und J. Robert Oppenheimer.  Jährlich forschen rund 250 ausgewählte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Campus in interdisziplinärer Umgebung.

Die  National Taiwan University (NTU) ist Taiwans führende Hochschule. Ihre Physikfakultät verfügt über starke Gruppen in theoretischer Teilchenphysik und Kosmologie. Das MPC ist am dortigen „Leung Center for Cosmology and Particle Astrophysics“ (LeCosPA) angesiedelt, das durch eine großzügige Spende von Chee-Chun Leung, Präsident von Quanta Computer, unterstützt wird.

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