Forschungsbericht 2024 - Tech-News – aus Wissenschaft und Technologie

Von der Idee zur Innovation – Max-Planck-Innovation bringt bahnbrechende Entdeckungen aus dem Labor in die Welt 

Autoren
Berninger, Markus
Abteilungen

Max-Planck-Innovation, München

Zusammenfassung
Als Technologietransfer-Organisation der Max-Planck-Gesellschaft vernetzen wir brillante Forschung mit der Wirtschaft. Ob patentierte Verfahren, wegweisende Technologien oder Start-ups – wir sorgen dafür, dass Spitzenforschung den Weg in Produkte, Dienstleistungen und Märkte findet.

Pro Jahr evaluiert Max-Planck-Innovation (MI) durchschnittlich 140 Erfindungen, von denen etwas mehr als 64 % zu einer Patentanmeldung führen. Seit 1979 wurden über 5.100 Erfindungen begleitet und über 3.100 Verträge abgeschlossen. Seit Anfang der 1990er-Jahre sind 200 Firmenausgründungen aus der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hervorgegangen, von denen die weit überwiegende Mehrzahl von MI aktiv betreut wurde. In diesen Ausgründungen wurden seither ca. 9.500 Arbeitsplätze geschaffen. Seit 1979 wurde ein Gesamtumsatz aus Lizenzen und Beteiligungsverkäufen von über 570 Mio. Euro erzielt.

Im Jahr 2024 wurden MI 134 Erfindungen gemeldet, 90 Patente angemeldet und 79 Verträge abgeschlossen, darunter 54 Verwertungsverträge. Die Verwertungserlöse aus Lizenzen und Beteiligungsverkäufen belaufen sich voraussichtlich auf rund 11,5 Mio. Euro. Die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2024 liegen aufgrund nachgelagerter Abrechnungen verschiedener Lizenznehmer erst ab Mitte 2025 vor.

Die Erfolgsbilanz bei Ausgründungen der MPG war auch im Jahr 2024 positiv: Insgesamt wurden acht Unternehmen ausgegründet, von denen die meisten in unterschiedlichen Phasen der Unternehmensgründung von MI begleitet wurden. Das Jahr 2024 war jedoch von schwierigen Rahmenbedingungen geprägt. Das Finanzierungsumfeld für Venture-Capital- und Wachstumsfinanzierungen war aufgrund von Inflation sowie der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Lage weiterhin sehr herausfordernd. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen konnten mehrere Ausgründungen der MPG 2024 insgesamt ca. 93 Mio. Euro an Finanzierung einwerben. Der Erlös der MPG aus Dividendenzahlungen, Liquidationserlösen sowie Unternehmens- und Anteilsverkäufen betrug insgesamt über 2,4 Mio. Euro.

Lizenzverträge 

Das MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften und die Georg-August-Universität Göttingen haben eine innovative Elektronenstrahltechnologie an Jeol-Ides lizenziert, ein führendes japanisches Unternehmen in der Entwicklung wissenschaftlicher Instrumente. Die von der Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Claus Ropers entwickelte Technologie revolutioniert die ultraschnelle Transmissions-Elektronenmikroskopie und bietet beispiellose Präzision für fortschrittliche Bildgebungsanwendungen. Die Technologie findet Anwendung in den Bereichen Materialwissenschaft, Biologie und Nanotechnologie und ermöglicht es Forschenden sowie Anwendern und Anwenderinnen, die innere Struktur von Zellen, Nanomaterialien und anderen Substanzen mit extrem hoher Auflösung zu visualisieren.

Das US-Biotech-Unternehmen Nanoscope Therapeutics hat eine Lizenz für die CatCh-Technologie erworben. Basierend auf Forschungsergebnissen des MPI für Biophysik und der Pionierarbeit von Prof. Ernst Bamberg im Bereich der Optogenetik verbessert diese patentierte Technologie die Lichtempfindlichkeit eines Opsin-Proteins (MCO-010). Dieses besteht aus einem Komplex von drei Proteinen einschließlich CatCh. Nanoscope hat es als Gentherapie zur Wiederherstellung des Sehvermögens bei genetisch bedingten Sehbehinderungen entwickelt. Die MCO-Plattform ist der erste optogenetische Ansatz, der mehrere lichtempfindliche Komponenten kombiniert. Das daraus entstehende Fusionsprotein ist für Umgebungslicht aller sichtbaren Wellenlängen mit hoher Geschwindigkeit empfindlich. Nanoscope hat bereits mehrere klinische Studien zu MCO-010 für die beiden häufigsten vererbbaren degenerativen Netzhauterkrankungen Retinitis pigmentosa (RP) und Morbus Stargardt erfolgreich abgeschlossen. Das Unternehmen strebt nun die Zulassung der Therapie sowie eine Ausweitung auf weitere Indikationen an.

Die 2018 in den USA gegründete Dewpoint Therapeutics Inc. basiert auf Technologien des Whitehead Institute/MIT in Boston und des MPI für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden. Im Oktober 2024 gab Dewpoint die Nominierung seines ersten Entwicklungskandidaten DPTX3186 bekannt – ein oral verabreichter niedermolekularer Kondensatmodulator (c-mod), der die onkogene Funktion von Beta-Catenin hemmt. Er dient als potenzielles Therapeutikum zur Behandlung von Wnt-gesteuerten Krebserkrankungen. Der Wirkstoff wurde mithilfe der KI/ML-fähigen, vollautomatisierten Plattform und firmeneigenen chemischen Bibliothek von Dewpoint entdeckt.

Ausgründungen 

Unter den acht Neugründungen im Jahr 2024 befindet sich die NeurCG GmbH, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme. Das Start-up revolutioniert mehrsprachige Kommunikation durch fortschrittliche Computergrafik und KI-Technologie.

Die ebenfalls neu gegründete Lucid Genomics GmbH ist eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Molekulare Genetik sowie des Instituts für Medizinische Genetik und Humangenetik der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Das Team entwickelt KI-Modelle zur Erforschung des „dunklen Genoms“, eines bislang weitgehend unerforschten Bereichs der menschlichen DNA. Zudem konnte das Unternehmen 2024 als erstes MAX!mize Start-up 1,3 Millionen Euro an Pre-Seed-Finanzierung einwerben. 

Ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Finanzierung ist die in Garching bei München ansässige planqc GmbH, ein führendes Unternehmen im digitalen Quantencomputing mit neutralen Atomen. In einer Serie-A-Finanzierungsrunde konnte planqc 50 Millionen Euro einwerben. Die Investition wird von der europäischen CATRON Holding und dem DeepTech & Climate Fonds (DTCF) angeführt, mit zusätzlicher Unterstützung durch Bayern Kapital, die Max-Planck-Stiftung, weitere private Investoren sowie die Bestandsinvestoren UVC Partners und Speedinvest.

Proxima Fusion, das erste Spin-out des MPI für Plasmaphysik (IPP), hat eine Seed-Finanzierung in Höhe von 20 Millionen Euro erhalten sowie eine zusätzliche Option über 15 Millionen Euro durch den EIC Accelerator, um den Bau der ersten Generation an Fusionskraftwerken zu beschleunigen. Das Münchner Start-up hat sich das Ziel gesetzt, eine neue Ära skalierbarer, emissionsfreier Energie einzuleiten

Ein herausragendes Beispiel für eine erfolgreiche Ausgründung ist die Cardior Pharmaceuticals GmbH, die 2016 aus dem MPI für Biophysikalische Chemie und der Medizinischen Hochschule Hannover hervorging. Im Jahr 2024 wurde das Unternehmen an Novo Nordisk verkauft. Der Kaufpreis beträgt – abhängig von Meilenstein-Erreichungen – bis zu 1,025 Mrd. Euro. Hauptproduktkandidat CDR132L besitzt eine einzigartige Wirkungsweise und das Potenzial, ein völlig neuartiger therapeutischer Ansatz zu werden, der darauf abzielt, den Verlauf der Krankheit bei Menschen mit Herzinsuffizienz zu stoppen oder teilweise umzukehren. Der Wirkstoff blockiert gezielt abnormale Spiegel des MikroRNA-Moleküls miR-132, was potenziell zu langanhaltenden Verbesserungen der Herzfunktion führen könnte.

Das Inkubationsprogramm MAX!mize hat 2024 insgesamt 15 Teams der Batches #3 und #4 in Phase 1 bei ihren Gründungsvorhaben unterstützt. Während jeweils sechs Monaten wurden die angehenden Gründer und Gründerinnen in zahlreichen Workshops zu gründungsrelevanten Themen weitergebildet und individuell durch die MI Start-up- & Portfolio-Manager gecoacht. Insgesamt neun Teams erhielten darüber hinaus Unterstützung in Phase 2 und bereiten sich im Rahmen des Market Challenge Tracks oder Development Challenge Tracks auf den Start ihrer Unternehmen vor. Besonders erfreulich ist, dass nun bereits sechs Teams, die das MAX!mize-Programm durchlaufen haben, ein Start-up gegründet haben. Weitere Gründungen werden in der ersten Jahreshälfte 2025 erwartet.

Inkubatoren

MI hat verschiedene Inkubatoren ins Leben gerufen, um Erfindungen und Know-how gemäß den Anforderungen von Industrie und Investoren zu validieren und damit näher an Markt und Anwendung zu bringen.

Auch 2024 konnte das Lead Discovery Center GmbH (LDC) bedeutende Fortschritte erzielen. Besonders hervorzuheben sind fünf neue Leitstrukturnominierungen, die den Proof-of-Concept für proprietäre Substanzen lieferten und großes Potenzial für weitere Optimierungen zeigen. Dazu zählen Projekte wie ALPK1-Inhibitoren, die in einem Rattenmodell getestet wurden, sowie GSDM-Inhibitoren für Schlaganfall-Therapien – beide basierend auf Forschung des MPI für Infektionsbiologie in Berlin. Weitere erfolgreiche Projekte entstanden in Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen, darunter ein COVID-19-Inhibitor und GRK5-Inhibitoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die IT-Inkubator GmbH hat 2024 das Projekt „Sesame“ realisiert. Darüber hinaus wurde die Tochtergesellschaft The Bridge Incubator GmbH gegründet, in der künftig die Aktivitäten des IT-Inkubators weitergeführt werden. The Bridge hat eine Förderung der saarländischen Landesregierung über 10 Mio. Euro für die kommenden acht Jahre erhalten. Neben der Universität des Saarlandes und der Max-Planck-Innovation GmbH sind auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) beteiligt. The Bridge wird neben Informatik auch andere Technologiefelder aufgreifen und legt besonderen Fokus auf internationale Gründerpersönlichkeiten.

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