Covid-19 beeinflusst Lebenserwartung

Sterberisiko steigt durch die Pandemie deutlich

30. September 2021

Die Perioden-Lebenserwartung in europäischen Ländern und den USA ist durch die Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 um mehrere Monate oder sogar Jahre gesunken, wie Jonas Schöley, Forscher am Max-Planck-Institut für demografische Forschung, und ein internationales Forschungsteam berechnet haben. Dabei büßten Männer in den USA mit 2,2 Jahren im Durchschnitt am meisten ein. In Deutschland ist die Perioden-Lebenserwartung für Männer und Frauen dagegen nur um einige Monate gesunken.

Im Jahr 2020 sank die Perioden-Lebenserwartung in europäischen Ländern und den USA durch die Corona-Pandemie deutlich. Das ergab eine Studie unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung.

In Europa sind wir es seit Jahrzehnten gewohnt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Jahr zu Jahr um einige Wochen oder wenige Monate steigt. Nun hat die Covid-19 Pandemie diese Entwicklung vorerst gestoppt. In 27 der 29 untersuchten Länder in Europa und Amerika sank die sogenannte Perioden-Lebenserwartung von 2019 auf 2020. Das heißt, die Bevölkerungen war innerhalb des Jahres einem höheren Sterberisiko ausgesetzt als im Vorjahr.

Nach der Studie haben Männer in den USA und in Litauen am meisten eingebüßt: Die Perioden-Lebenserwartung der US-amerikanischen Männer fiel um 2,2, die der litauischen um 1,7 Jahre. Insgesamt fiel für Männer in elf der 27 untersuchten Länder die Perioden-Lebenserwartung um mehr als ein Jahr. Für Frauen sank sie in 8 Ländern um mehr als ein Jahr. „Diese Zahlen unterstreichen das historische Ausmaß der Pandemie“, sagt Jonas Schöley, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock.

Dreieinhalb Lebensmonate weniger in Deutschland

Nur in Dänemark und Norwegen ist die Perioden-Lebenserwartung von Männern und Frauen nicht gesunken. Dort waren die Zahlen der Covid-19-Toten im internationalen Vergleich niedrig. Gleichzeitig ging die Sterblichkeit durch andere Todesursachen weiter zurück, sodass in Dänemark und Norwegen die Perioden-Lebenserwartung sogar leicht anstieg.

Auch Deutschland verzeichnet einen Rückgang anderer Todesursachen. Nur war dieser geringer als in Dänemark und Norwegen, die Zahl der Covid-19-Todesfälle dagegen höher. Dadurch sank in Deutschland die Perioden-Lebenserwartung 2020 für Männer um etwas mehr als vier Monate und für Frauen um mehr als zweieinhalb Monate.

In den meisten Ländern ist die Perioden-Lebenserwartung stärker gesunken, als sie in den fünf Jahren vor der Pandemie gestiegen ist. „In vielen westeuropäischen Ländern wie Spanien, England, Italien, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Schweden gab es seit dem Zweiten Weltkrieg keine Verluste in dieser Größenordnung mehr“, sagt Jonas Schöley.

Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Oxford und der University of Southern Denmark berechnete er die Perioden-Lebenserwartung für das Jahr 2020. Grundlage dafür war die zeitnahe Veröffentlichung wöchentlicher Sterbefalldaten in zahlreichen Ländern. Schöley und das Team nutzten dabei Datensätze, die von MPIDR-Forschenden in der STMF-Datenbank und der COVerAGE-Datenbank zusammengestellt wurden.

Perioden-Lebenserwartung sagt nichts über Lebensspanne von 2020 Geborenen

Die Periodenlebenserwartung reflektiert das Sterberisiko, dem eine Bevölkerung innerhalb eines Jahres ausgesetzt war. Steigt das Risiko in einem Jahr zu sterben, etwa durch eine Hitzewelle oder eben durch eine Pandemie, sinkt die Lebenserwartung. Wenn das Sterberisiko dagegen sinkt, steigt die Lebenserwartung.

„Die Periodenlebenserwartung ist als Maß in der Pandemie besonders geeignet um Länder miteinander zu vergleichen“, sagt Jonas Schöley. Denn sie werde nicht von der Altersstruktur und der Größe der Bevölkerung beeinflusst. Entscheidend seien während der Pandemie dagegen das Infektionsgeschehen und die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems.

„Trotz der Bezeichnung Lebenserwartung lassen sich aus den Werten aber keine Schlussfolgerungen über den Einfluss der Pandemie auf die durchschnittliche Lebensspanne von Kindern ziehen, die 2020 geboren wurden“, sagt Jonas Schöley.

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