Effelsberger Radioschüssel wird 50

Die 100-Meter-Antenne hat ein Stück Wissenschaftsgeschichte geschrieben und zählt noch heute zu den Spitzenteleskopen

12. Mai 2021
Die 100-Meter-Anntenne des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie feiert 50. Geburtstag. Nach dreijähriger Bauzeit wurde am 12. Mai 1971 das Richtfest und gleichzeitig die Eröffnung gefeiert. Der volle wissenschaftliche Messbetrieb startete dann ein gutes Jahr später, am 1. August 1972. Das Teleskop liegt in einem Eifeltal rund 40 Kilometer südwestlich von Bonn, nicht weit entfernt von den beiden Dörfern Effelsberg und Lethert. In den vergangenen fünf Jahrzehnten wurde die „Effelsberger Radioschüssel" stetig aufgerüstet und zählt noch heute zu den leistungsfähigsten Teleskopen der Erde.
Markante Schüssel: Das Foto zeigt das 100-Meter-Radioteleskop Effelsberg im Mai 1971. Die erste wissenschaftliche Beobachtung („First Light“) fand bereits am 23. April 1971 statt, der volle wissenschaftliche Messbetrieb wurde am 1. August 1972 aufgenommen.

Seit ihren Anfängen in den 1930er-Jahren hat sich die Radioastronomie zu einer bedeutenden Methode für die Erforschung des Weltalls entwickelt, dringt sie doch in Tiefen des Universums ein, die dem sichtbaren Licht versperrt bleiben. So entdeckten die Forschenden mit Radiotelekopen neue Himmelskörper wie Quasare und Pulsare sowie weit entfernte Galaxien. Mindestens vier Physik-Nobelpreise gehen auf radioastronomische Erkenntnisse zurück. Zur Beobachtung von Radiowellen werden spezielle Teleskope eingesetzt. Die 100-Meter-Antenne in Effelsberg ist auch 50 Jahre nach ihrer Fertigstellung das größte voll bewegliche Radioteleskop Europas und das zweitgrößte der Erde.

Die Liste der wissenschaftlichen und technischen Meilensteine ist lang. Sie reicht von der Entdeckung der Moleküle Wasser und Ammoniak außerhalb der Grenzen unserer Milchstraße in den Jahren 1977/79 bis zu einem Weltrekord: So erreichte die sogenannte Very Long Baseline Interferometry (VLBI) unter Beteiligung des 100-Meter-Teleskops eine Winkelauflösung von nur 11 Mikrobogensekunden - entsprechend dem Durchmesser einer 1-Cent-Münze auf dem Mond. Weitere Wegmarken sind etwa der Einbau eines neuen Subreflektors mit aktiver Oberfläche im Jahr 2006 oder die Inbetriebnahme eines zweiten Radioteleskops vor Ort, der Effelsberg-Station des europäischen LOFAR-Teleskopnetzwerks.

Das historische Foto oben zeigt das Radioteleskop kurz vor der Eröffnung im Jahr 1971. Auf diesem Bild ist zu erkennen, dass die unteren Elemente der Tragekonstruktion nicht weiß, sondern eher dunkel erscheinen. Tatsächlich war dieser Teil des Teleskops zunächst für kurze Zeit in Blau angestrichen. Das daraus resultierende Temperaturverhalten führte allerdings sehr schnell zu einem Anstrich in weißer Farbe auch für diesen Teleskopteil, und dabei ist es dann auch geblieben. Nach wie vor sind Malerarbeiten ein regulärer Bestandteil der jährlichen Wartungsarbeiten am Teleskop. Jeden Sommer finden jeweils acht Wochen lang tagsüber Anstricharbeiten statt, während nachts das Teleskop auch in dieser Phase für ein astronomisches Messprogramm zur Verfügung steht.

Das Radioteleskop Effelsberg

Die ersten 1318 Tage in 17280 Bildern. Ein Baufilm aus dem Jahr 1971

Aktuell und wie zu dieser Jahreszeit üblich, wird die 100-Meter-Antenne im internationalen Verbund der Very Long Baseline Interferometry eingesetzt und dabei mit anderen Radioteleskopen weltweit vernetzt. Durch das Überlagern der von den unterschiedlichen Observatorien empfangenen Wellen gelingen über Kontinente und Ozeane hinweg Messungen mit höchster Winkelauflösung. Damit wird ein virtuelles Radioteleskop von bis zu Erdgröße simuliert. Die Effelsberger Antenne ist wegen ihrer großen Sammelfläche nach wie vor ein begehrter Partner für diese Beobachtungen.

Das Teleskop des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie spielt auch eine Rolle bei der Untersuchung der elliptischen Riesengalaxie Messier 87. Im Herzen dieses rund 55 Millionen Lichtjahre entfernten Milchstraßensystems sitzt ein gigantisches schwarzes Loch. Dessen Schatten zeigt eines der berühmtesten Bilder der Astronomie, das am 10. April 2019 veröffentlicht wurde. Ein weiterer Schwerpunkt des Beobachtungsprogramms liegt bei Pulsaren und schnellen Radiostrahlungsausbrüchen (Fast Radio Bursts, FRBs), also Beobachtungen mit sehr hoher Zeitauflösung im Bereich von Mikrosekunden.

Flug über das 100-Meter-Radioteleskop Effelsberg

Mit 100 Metern Durchmesser gehört das am 12. Mai 1971 eingeweihte Radioteleskop Effelsberg zu den beiden größten vollbeweglichen Radioteleskopen der Erde.

„Auch nach 50 Jahren ist das Teleskop ein astronomisches Instrument der Spitzenklasse. In den vergangenen Jahrzehnten wurden - abgesehen von der Grundstruktur - nahezu alle Komponenten beständig erneuert und verbessert. Nach wie vor ist die Nachfrage nach Messzeit hoch und es kommen Beobachtungsanträge von Wissenschaftlern aus aller Welt“, sagt Alex Kraus, der Leiter des Radioobservatoriums Effelsberg.

„Effelsberg hat in der Vergangenheit wiederholt seine Vielseitigkeit gezeigt. Die Möglichkeit, immer wieder neue, speziell entwickelte Spitzentechnologie für die Empfangssysteme einzusetzen, wird unser Teleskop noch auf absehbarer Zukunft an der Weltspitze halten”, meint denn auch Michael Kramer, der am Max-Planck-Institut verantwortliche Direktor für das Teleskop.

NJ / HOR

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Als Rückschau auf bisher 50 Jahre Forschungsarbeit wird in diesen Tagen ein neuer Wanderweg, der Zeitreiseweg, rund um das Teleskop eröffnet, der auf insgesamt 20 Stationen eine Reihe von besonderen Ereignissen aus diesen fünf Jahrzehnten beschreibt - von der Eröffnung des Radioteleskops im Jahr 1971 bis zum diesjährigen Jubiläum.

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