Klimawandel gefährdet den europäischen Wald

Mehr als die Hälfte der europäischen Wälder ist durch Windwurf, Waldbrand und Insektenplagen gefährdet

25. Februar 2021

In den letzten Jahren haben die europäischen Wälder stark unter den extremen Klimabedingungen und deren Folgen gelitten. Ein Großteil der europäischen Walder ist potenziell durch verschiedene schädigende Ereignisse wie etwa Insektenbefall gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie eines internationalen Teams, an dem Henrik Hartmann, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Biogeochemie, beteiligt war. Die Ergebnisse könnten helfen, den Wald robuster gegen den fortschreitenden Klimawandel zu machen.

Der Klimawandel schädigt inzwischen viele Baumarten, auch solche, die wie etwa Kiefern (hier in einem Wald bei Jena) als ziemlich resistent gegenüber Hitze und Trockenheit gelten.

Ein gutes Drittel der europäischen Landmasse ist von Wäldern bedeckt. Wälder spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Klimas und des Wasserhaushalts. Sie liefern Holz, beherbergen zahlreiche Arten und bieten Menschen einen Erholungssraum. Seit einigen Jahren diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sogar, ob sich durch massive Aufforstung der menschengemachte Klimawandel abschwächen ließe, weil ein Wald der Atmosphäre in seiner Wachstumsphase viel CO2 entzieht. Doch derzeit ist es eher umgekehrt: Der Klimawandel der letzten Jahrzehnte schwächt die Wälder, denn er macht sie anfälliger für Störungen. Wie verletzbar ein Wald etwa durch Insektenbefall oder Windwurf ist, bestimmen vor allem seine Struktur und das vorherrschende Klima. Dabei zählen die borealen Nadelwälder der kalten Klimazonen und die warm-trockenen Wälder der iberischen Halbinsel zu den besonders empfindlichen Ökosystemen.

Insektenplagen gefährden die Wälder zunehmend

Forscher aus Italien, Spanien, Finnland und Deutschland haben nun festgestellt, dass weit mehr als die Hälfte der europäischen Wälder potenziell durch Windwurf, Waldbrände, Insektenplagen oder eine Kombination aus mehreren dieser Faktoren gefährdet ist. Zu diesem Ergebnis kamen die Wissenschaftler, indem sie auf Basis von Satellitendaten und mithilfe künstlicher Intelligenz die Anfälligkeit gegenüber Störungen im Zeitraum zwischen 1979 und 2018 analysierten.

Henrik Hartmann, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Biogeochemie, beobachtet dabei aus ökophysiologischer Sicht wiederkehrende Muster und resümiert: „Die Erfahrung der letzten Jahre, vor allem seit 2018, hat uns deutlich gezeigt, dass die von Schadinsekten ausgehende Gefahr für Wälder durch die Klimaveränderungen besonders angestiegen ist. Daher befürchten wir, dass eine fortschreitende Erwärmung des Klimas diese Tendenz weiter verstärken wird”.

Wie wird der Wald in Zukunft aussehen?

Extreme Witterungsbedingungen wie Hitze und Dürre schwächen die Bäume und machen sie anfällig gegenüber Schadinsekten. „Diese Erkenntnis ist nicht neu, und Wälder sind normalerweise gut gegen gelegentliche Klimaextreme gewappnet. Dass diese Extreme nun so häufig und wiederholt auftreten, macht die Ausnahme zur Norm und damit kommt der Wald nicht klar”, erklärt der Experte.

Alte Bäume trifft es härter

Die Daten der aktuellen Studie zeigen zudem, dass gerade große und alte Bäume besonders stark durch klimatische Extreme gefährdet sind. Beobachten konnte man dies in den letzten Dürrejahren auch bei den mitteleuropäischen Buchenwäldern, wo verstärkt alte Bäume plötzlich abstarben. „Das liegt daran, dass ihr Leitsystem für den Wassertransport unter größerer Last arbeiten muss, um Wasser über die Wurzeln aus dem Boden bis hinauf in die Krone zu transportieren. Dadurch leiden große Bäume stärker unter Trockenheit und sind dann anfälliger gegenüber Krankheiten“, erklärt Henrik Hartmann. Zudem bevorzugen Schadinsekten große und ältere Bäume als Wirte. So fliegt beispielsweise der Buchdrucker, der hauptsächlich ausgewachsene Fichten attackiert, vor allem Individuen an. Hinzu kommt auch, dass große Bäume bei Sturmereignissen dem Wind eine größere Angriffsfläche bieten. „Die Ergebnisse der Studie sind also sowohl aus ökologischer und auch aus ökophysiologischer Sicht schlüssig”, fasst Henrik Hartmann zusammen.

Die Studie ist vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels wichtig für die Verbesserung von Anpassungsstrategien und die Forstwirtschaft, um die europäischen Wälder langfristig widerstandsfähiger zu gestalten. Die bestehenden europäischen Wälder werden zwar nicht zwangsläufig verschwinden, aber bei einem Großteil könnten durch gehäuft auftretende Störungen starke Schäden auftreten. So könnten durch den Verlust besonders von großen und alten Bäumen auch wichtige Ökosystemleistungen beeinträchtigt werden.

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