Virusalarm in Bleibhausen

27. Oktober 2020

Wie breitet sich ein Virus während einer Pandemie aus und was kann man dagegen tun? Das Brettspiel „Virusalarm in Bleibhausen“ wurde von Wissenschaftlerinnen des IST Austria und des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön entwickelt, um Lehrern ein Werkzeug zu geben, genau diese Frage mit den Schülern zu diskutieren.

„Es ist ein schöner Frühlingstag, als im 100-Einwohner-Städtchen Bleibhausen zwei Leute vom Skiurlaub zurückkommen. Was die beiden nicht wissen: Sie haben sich im Urlaub mit dem neuen NOSO-Virus (NOch SO ein Virus) angesteckt!...“  So beginnt die Spielanleitung für ein Brettspiel, das am Institute of Science and Technology Austria (Klosterneuburg bei Wien) in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen des Max-Planck-Instituts in Plön entwickelt wurde. Es soll Lehrern für den Unterricht etwa ab der fünften Klasse zur Verfügung gestellt werden. Die Schüler schlüpfen dabei entweder in die Rolle von Wissenschaftlern, die den Verlauf der Pandemie simulieren und analysieren, oder sie nehmen die Position von Politikern ein, die dafür sorgen müssen, die Pandemie einzudämmen, ohne das öffentliche Leben komplett lahmzulegen (denn dafür gibt es Strafpunkte).

„Das zeitaufwändigere Spielen mit Chips und einem Stadtplan hat – gegenüber schnellen Onlinesimulationen oder Computerspielen ähnlicher Art – den Vorteil , dass während des Auflegens und Zählens von Chips mehr Zeit besteht, Beobachtungen zu verinnerlichen“, sagt Magdalena Steinrück, am IST Austria verantwortlich für die Umsetzung des Spiels.

Spiel soll zu Diskussionen anregen

Die Chips symbolisieren Menschen, gelbe sind krank, weiße noch gesund. Sie werden in verschiedene Gebäude auf einem Spielplan verteilt, der die fiktive Stadt Bleibhausen darstellt. Befinden sich weiße Chips mit gelben in einem Gebäude, z.B. dem Restaurant, stecken sie sich an und werden zu gelben.

Wie Steinrück berichtet, stellen Kinder beim Spielen oft schnell fest, dass einige Aspekte des Spiels unrealistisch sind oder machen direkt Vorschläge, wie man durch weitere Regeln das Spiel realitätsnäher machen kann. Dies wird auch durch Fragekarten unterstützt, wie z.B. „In der Realität stecken sich Menschen in der Nähe eines Infizierten leichter an als welche, die sich im gleichen Gebäude weiter weg befinden. Wie könntet Ihr das nachspielen?“ oder auch „Wie würde der Ausbruch verlaufen, wenn die Hälfte aller Menschen geimpft wäre?“

 Auf diese Weise eignet sich das Spiel hervorragend dazu, im Unterricht die aktuelle Lage zu diskutieren und Verständnis für bestimmte Maßnahmen zu wecken. Gleichzeitig werden die Grenzen solcher Simulations-Modelle sehr transparent gemacht. Ganz nebenbei lernen die Kinder außerdem, wie man mit Tabellen und Datenblättern umgeht und Diagramme erstellt.

Persönliche Motivation

Die Gründe dafür, sich neben der eigentlichen Forschungstätigkeit der Entwicklung dieses Simulationsspiels zu widmen, waren bei den Macherinnen teilweise sehr persönlich. Silvia De Monte, ebenfalls Forschungsgruppenleiterin in Plön, sagt: „Ich habe selbst zwei Kinder im Schulalter und habe dadurch gemerkt, wie wenig die Kinder im Unterricht auf den Ablauf und das Vorgehen bei einer Pandemie vorbereitet werden konnten. Mit dem Spiel wollen wir einen Beitrag zum besseren Verständnis der aktuellen Geschehnisse leisten.“

Nähere Infos und eine Download-Version des Spiels gibt es auf der Website des IST Austria: https://ist.ac.at/de/ausbildung/ist-fuer-kinder/virusalarm/. Hier kann man auch das Brettspiel selbst kostenlos bestellen.

Die Herstellung des Spiels wurde gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung.

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