Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung

Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung

Das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung ist eines der weltweit führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Ethnologie. Es hat seine Arbeit 1999 mit den Gründungsdirektoren Chris Hann (Resilienz und Transformation in Eurasien) und Günther Schlee (Integration und Konflikt) in Halle (Saale) aufgenommen. Im Jahr 2012 wurde Marie-Claire Foblets (Recht & Ethnologie) zur dritten Direktorin ernannt. Forschungsleitend ist die vergleichende Untersuchung gegenwärtiger sozialer Wandlungsprozesse. Auf diesem Gebiet leisten die Wissenschaftler des Institutes einen wichtigen Beitrag zur ethnologischen Theoriebildung, befassen sich aber oft auch mit Fragestellungen und Themen, die im Mittelpunkt aktueller politischer Debatten stehen. Feldforschungsaufenthalte sind ein fester Bestandteil fast aller Projekte.

Kontakt

Advokatenweg 36
06114 Halle (Saale)
Telefon: +49 345 2927-0
Fax: +49 345 2927-502

Promotionsmöglichkeiten

Dieses Institut hat mehrere International Max Planck Research Schools (IMPRS):
IMPRS on Retaliation, Mediation and Punishment
IMPRS for the Anthropology, Archaeology and History of Eurasia

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit zur individuellen Promotion bei den Direktoren und Forschungsgruppenleitern.

Abteilung Resilienz und Transformation in Eurasien mehr
Abteilung Integration und Konflikt mehr
Die Kehrseite der Medaille

Die Kehrseite der Medaille

Forschungsmeldung 11. Juli 2017
Der UNESCO-Welterbe-Titel bringt außer Prestige auch manchen Nachteil. Christoph Brumann vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle hinterfragt das Vergabeverfahren und untersucht die unterschiedlichen Folgen des Welterbe-Titels für die Bewohner vor Ort. mehr
Gespaltenes Königreich – gespaltenes Europa
Der „Brexit“ aus einer walisisch-eurasischen Perspektive. Ein Meinungsbeitrag von Chris Hann, Direktor am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle mehr
„Wir tappen immer noch im Dunkeln“
Carolin Görzig baut seit August 2015 eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle auf. Sie will besser verstehen, wie Terrororganisationen aus ihren Fehlern und Erfolgen lernen und welche Auswirkungen dies auf deren taktische, operative und strategische Entscheidungen hat. mehr
Wie Terroristen gemacht werden

Wie Terroristen gemacht werden

Forschungsmeldung 21. Januar 2016
Terroristische Anschläge wie die Attentate von Paris lassen uns mit Angst und Abscheu, aber vor allem mit Unverständnis zurück. Was Menschen dazu bewegt, wahllos andere umzubringen, können wir nicht nachvollziehen und wollen es meist auch gar nicht. Wir sollten jedoch versuchen, Terroristen zu verstehen, meint unser Autor Günther Schlee. mehr
Im Sediment der Integrationskultur
Als vor 23 Jahren in Moskau die erste McDonald's Filiale im Land eröffnete, feierten das viele als Schritt in die freie Welt des Konsums. Andere jedoch sahen in der Bulettenbraterei sogleich ein Indiz für die Verwestlichung des Landes. Dabei ist Kulturtransfer nicht neu: Dittmar Schorkowitz untersucht am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, wie er sich zu Zeiten mittelalterlicher Völkerbegegnung in Eurasien vollzog. mehr

Schiffe waren lange Zeit die schnellsten Verkehrsmittel, und sie konnten Menschen und Güter in großer Zahl transportieren. So wurden Meere zu einem Kontakt- und Handelsraum für unterschiedliche Nationen. Hafenstädte dienen noch heute als Knotenpunkte und bilden Schmelztiegel verschiedener Kulturen. Am Beispiel des Indischen Ozeans erforschen Burkhard Schnepel und sein Team am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, wie sich über das Wasser hinweg vielfältige Netzwerke entwickelt haben.

Schiffe waren lange Zeit die schnellsten Verkehrsmittel, und sie konnten Menschen und Güter in großer Zahl transportieren. So wurden Meere zu einem Kontakt- und Handelsraum für unterschiedliche Nationen. Hafenstädte dienen noch heute als Knotenpunkte und bilden Schmelztiegel verschiedener Kulturen. Am Beispiel des Indischen Ozeans erforschen Burkhard Schnepel und sein Team am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, wie sich über das Wasser hinweg vielfältige Netzwerke entwickelt haben.

Terroristische Anschläge wie die Attentate von Paris lassen uns mit Angst und Abscheu, aber vor allem mit Unverständnis zurück. Was Menschen dazu bewegt, wahllos andere umzubringen, können wir nicht nachvollziehen und wollen es meist auch gar nicht. Wir sollten jedoch versuchen, Terroristen zu verstehen, meint unser Autor. Nur so können wir die Ursachen der Gewalt bekämpfen.
Staaten entstehen keineswegs aus dem Nichts, sondern sind immer das Ergebnis von Prozessen politischer Willensbildung der Menschen, die in ihnen leben. Konfliktfrei laufen solche Vorgänge in den seltensten Fällen ab, wie das Beispiel von Südsudan als jüngstem Mitglied in der Gemeinschaft souveräner Staaten zeigt. Katrin Seidel und Timm Sureau vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle kommen viele Muster der Entwicklung sehr bekannt vor.
Für Touristen tragen sie viel bei zum Flair asiatischer Länder – die Markt- und Straßenhändler, deren mit bunten Konsumgütern oder frischem Obst und Gemüse bestückte Stände und Umschlagplätze tausendfach fotografiert werden. Dass die Märkte in Vietnam nicht nur Orte des Warenaustauschs sind, sondern ein komplexes Geflecht sozialer Beziehungen und politischer Strukturen darstellen, in dem auch Machtkämpfe ausgetragen werden, beobachten Kirsten Endres und ihre Forschungsgruppe vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle.
Wie stark halten Familien in Europa zusammen? Um diese Frage zu klären, zogen rund 30 Wissenschaftler in acht europäische Länder zu Feldforschungen aus. Koordiniert hat das Großprojekt Patrick Heady vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle.
In multikulturellen Gesellschaften existieren viele Rechtsvorstellungen nebeneinander. Diese Realität ist viel zu lange vom formalen Recht ignoriert worden, sagt Marie-Claire Foblets. Als Direktorin der neuen Abteilung für Recht und Ethnologie am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung will sie dazu beitragen, dass sich das ändert.
Wie stark halten Familien in Europa zusammen? Um diese Frage
zu klären, zogen rund 30 Wissenschaftler in acht europäische Länder zu Feldforschungen aus. Koordiniert hat das Großprojekt Patrick Heady vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle.
Im Dezember 2004 hat eine Riesenwelle an den Küsten im Golf von Bengalen katastrophale Schäden angerichtet. Doch dieser Tsunami hat nicht nur Natur zerstört, sondern auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung durcheinandergebracht.
In Kirgistan untersuchen Ethnologen Hochzeitsrituale und Familientraditionen.
Momentan sind keine Angebote vorhanden.

Konnektivität in Bewegung: Der Indische Ozean als maritime Kontakt- und Austauschzone

2017 Schnepel, Burkhard
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften Sozialwissenschaften
Der Indische Ozean ist mit 69 Millionen Quadratkilometern der drittgrößte Ozean der Welt. Er verbindet Afrika, Westasien, den Indischen Subkontinent und die malaiische Inselwelt; schon früh führte er zudem Seefahrer über das Südchinesische Meer bis nach China. Seit gut 5.000 Jahren wird der Indik, zunächst in Teilgebieten, befahren. War der Monsun-Code (südwestliche Winde im Sommer, nordöstliche im Winter) um die Zeitenwende erst einmal entziffert, konnte der Ozean schon im Zeitalter der Segelschifffahrt vollständig durchfahren werden. mehr

Märkte in Bewegung. Vietnams Kleinhändler auf dem Weg der Marktwirtschaft

2016 Endres, Kirsten W.
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften Sozialwissenschaften
Eine Gruppe von Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung untersucht die vielfältigen Facetten des Kleinhandels im heutigen Vietnam. Ihre Arbeiten zeigen, dass sich Märkte auf uneinheitliche Weise konstituieren und transformieren. Dies geschieht maßgeblich im Zusammenspiel von globalen Prozessen, nationalen Entwicklungsvisionen und alltäglichen Interaktionen zwischen Händlern, Lieferanten, Kunden und Amtsträgern. mehr

Die normativ-technologische Konstruktion einer Wertschöpfungskette: Arganöl aus Marokko

2015 Turner, Bertram
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften Sozialwissenschaften
Die weltweite Vermarktung von Arganöl zeigt beispielhaft, wie transnationale Netzwerke durch das Zusammenwirken von technologischer Innovation und transnationalen Rechtsfiguren ein lokales Grundnahrungsmittel als Nischenprodukt, gastronomische Spezialität und industriellen Rohstoff auf dem Weltmarkt platzieren. Dabei werden lokale Wissensbestände als Ressource durch Bioprospektion, Recht und Marktregulierung in kapitalisierbares intellektuelles Eigentum überführt. Dies hat Auswirkungen auf lokale Rechtsverhältnisse und die Lebensbedingungen der Bevölkerung. mehr
Abhängig von sozialen und politischen Bedingungen innerhalb einer Gesellschaft dienen Sprachen und bestimmte Sprachgebräuche und -stile der sozialen Inklusion und Exklusion. Sie können gemeinsame Identität stiften, Grenzen zwischen Gruppen schaffen und abbauen. Das Verhältnis von Sprache und Identität in postkolonialen Gesellschaften wird bis heute auch von den politischen Herrschaftsstrukturen der einstigen Kolonialmächte geprägt, die sich auch mit Blick auf Sprachideologien voneinander unterschieden. mehr

Das UNESCO-Welterbe als globale Institution und lokale Wirklichkeit

2013 Brumann, Christoph
Kulturwissenschaften Sozialwissenschaften
Auch in einer erfolgreichen globalen Institution, die sich dem universalen Menschheitsinteresse verschrieben hat, zeigt sich die Bedeutung der Nationalstaaten und ihrer Bedürfnisse, die sich in den letzten Jahren vor allem in Form eines Nord-Süd-Konflikts äußern. Eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung untersucht die Entscheidungsabläufe der UNESCO-Welterbe-Institutionen und die lokalen Auswirkungen des Welterbetitels in den gefeierten historischen Städten Kyoto, Istanbul, Malakka und Xiʼan. mehr

Rechtspluralismus als Kulturkampf

2012 Benda-Beckmann, Franz von; Benda-Beckmann, Keebet von
Kulturwissenschaften Sozialwissenschaften
In West-Sumatra hat die politische Freiheit nach dem Fall des Suharto-Regimes 1998 zu drei widersprüchlichen Revitalisierungen der politischen, ideologischen und rechtlichen Ordnungsprinzipien geführt. Debattiert wird die Rückgewinnung von demokratischen Verfassungsprinzipien, die Intensivierung des Islam sowie des auf Tradition (Adat) beruhenden ethnischen Rechts. Dies führt zu Diskussionen über die „wahre“ Kultur und ethnische Identität der Minangkabau, in deren Zentrum die Frage nach der Balance zwischen den gleichzeitig um ihre Anerkennung ringenden rechtlichen Ordnungssystemen steht. mehr

Nationaler Zusammenhalt in schwachen Staaten

2011 Knörr, Jacqueline
Kulturwissenschaften
Gemeinhin werden sogenannte schwache Staaten insbesondere in der postkolonialen Welt mit schwachem nationalen Zusammenhalt in Verbindung gebracht. Eine Forschergruppe am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung hat belegt, dass nationale Identitäten in schwachen Staaten oft stärker ausgeprägt sind, als gemeinhin suggeriert wird. Sie können dort maßgeblich dazu beitragen, Konflikte zu regulieren sowie den Prozessen sozialer Reintegration und Versöhnung in postkonfliktären Situationen zum gesellschaftlichen Durchbruch zu verhelfen. mehr

Kaukasische Grenzen und Staatsbürgerschaft

2010 PD Dr. Lale Yalç¿n-Heckmann
Sozialwissenschaften
Der Kaukasus wird häufig als eine Region von ethnonationalen Konflikten gesehen. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung gehen von einer anderen Perspektive aus. Sie zeigen, wie zivile, politische und soziale Komponenten interagieren und wie Formen der Staatsbürgerschaft im Spannungsfeld historischer und gegenwärtiger Bedeutungen und Praktiken ausgehandelt werden. Die soziale Komponente der Staatsbürgerschaft scheint weiterhin relevant zu sein – besonders für Flüchtlinge und Migranten. mehr
Kulturhäuser sind in den Städten und Dörfern Russlands so alltäglich, dass alle, die dort gelebt haben oder längere Zeit zu Besuch waren, zu wissen glauben, wozu diese Institution dient. So überrascht es, wie wenig die Geschichte und Gegenwart der Kulturhäuser erforscht worden ist. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung haben in fünf Orten Sibiriens vergleichend untersucht, welche Rolle das Kulturhaus im heutigen Kulturbetrieb spielt und wie sich die Bereiche Bildung und Freizeit gewandelt haben. mehr

Biomedizin in Afrika

2008 Rottenburg, Richard
Kulturwissenschaften Medizin Sozialwissenschaften
Eine Forschergruppe am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung untersucht, wie die Biomedizin durch ihre Aktivitäten in Afrika geprägt wird. Biomedizin wird als ein Ensemble von Ideen, Technologien und Praktiken verstanden, das der Krankheitsvorsorge und Heilung dient, gleichzeitig aber die menschlichen Körper an eine politische Ordnung bindet. Afrika ist mehr als jede andere Region weltwirtschaftlich marginalisiert und ist deshalb zu einem Ort der Konflikte, der Ausnahmezustände und damit auch zu einem Laboratorium für soziale, politische und juridische Lösungsmodelle geworden. mehr

Recht und die Konstruktion von Kulturerbe: Das Fallbeispiel Kurische Nehrung (Litauen)

2007 Peleikis, Anja
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften
In der Ethnologie wird Kulturerbe vor allem als kulturelle Produktion verstanden, die sich aus Gegenwartsinteressen heraus auf die Vergangenheit bezieht. Am Beispiel des UNESCO-Weltkulturerbes „Kurische Nehrung“ lassen sich Kulturerbe-Konstruktionen vor dem Hintergrund wandelnder nationalstaatlicher Zugehörigkeiten beschreiben. Das Handeln der daran beteiligten Akteure wird von rechtlichen Vorstellungen geprägt, die ihren Ursprung in Rechtsordnungen aus unterschiedlichen Epochen & Gegenden haben. Diese Vorstellungen wirken aber bis in die Gegenwart nach & können neu ins Leben gerufen werden. mehr
In den Jahren nach dem Auseinandergehen der Sowjetunion hatten viele Beobachter das Ausbrechen gewaltsamer Konflikte in der Region erwartet, hervorgerufen durch die dramatische Verschlechterung von Lebensbedingungen und von häufig willkürlichen politischen Grenzziehungen. Forschungsergebnisse des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung stellen diese Sichtweise zum Teil in Frage. Am Beispiel der Konstruktion von ethnischer und nationaler Identität zweier ethnischer Gruppen in Zentralasien, der Usbeken und Kasachen, zeigt sich, dass das wechselseitige Verhältnis von vorgegebenen Identitäten und deren Alltagsdeutung besser als ein dialektisches verstanden werden sollte, bei dem ein Bezug zu historischen Parametern und sozialen Konfigurationen vorhanden sein muss, um Plausibilität und Legitimität zu erreichen. mehr
Nach Jahrzehnten des militanten sowjetischen Säkularismus beobachtet man ein Wiedererstarken der Religion in Zentralasien. Es wird häufig angenommen, dass dies eine Folge des spirituellen und ideologischen Vakuums war, das mit dem Zusammenbruch des Sowjetreiches einherging. Forschungsarbeiten am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung legen aber nahe, dass der Erfolg des „religiösen Nationalismus“ in den 1990er Jahren in vielerlei Hinsicht eine Fortführung sowjetischer Ideen darstellte. Doch die Fehlschläge des Übergangs machten diese „nationalen“ Religionen zunehmend verwundbar gegenüber supranational orientierten religiösen Gruppen. Die Erfolge dieser Gruppen stellen eine Herausforderung für lokale Vorstellungen über die Beziehung zwischen Religion und Kultur dar. mehr
Weltweit sehen sich neu gegründete wie auch etablierte Staaten mit der Aufgabe konfrontiert, Rechts- und Regierungssysteme sowie Systeme der sozialen Kontrolle zu entwickeln, die die Eingliederung von Minderheiten ermöglichen. Ein Forschungsprojekt am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung untersucht die gegensätzlichen Erfahrungen tibetischer Gruppen in Indien und China mit der staatlichen Kontrolle. Dabei zeigt sich, dass die jeweils eigenen Ordnungskonzepte die Reaktionen und Antworten dieser Gruppen auf die Rechtsregime der sie integrierenden Staaten bedeutsam beeinflussen. mehr

Kulturlandschaft Sibirien

2005 Habeck, Joachim Otto
Kulturwissenschaften
Dieser Forschungsbericht skizziert ein Projekt über die verschiedenen Bedeutungen und Dimensionen des Begriffes „Kultur“ am Beispiel Sibiriens, einer Region, die im Ruf steht, wenig oder gar nicht „kultiviert“ zu sein und dennoch einer erstaunlich großen Zahl verschiedener „Kulturen“ ein Zuhause bietet. mehr

Besitz und Eigentum: Offener Zugang zu Land, Wissen und Kultur?

2004 Hann, Christopher
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften Sozialwissenschaften
Die Forschungsgruppe "Besitz und Eigentum" des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung richtet ihr Hauptaugenmerk vor allem auf die sowohl in ökonomischer als auch sozialer Hinsicht enttäuschenden Ergebnisse des Dekollektivierungsprozesses auf dem Land in den postsozialistischen Staaten. Auf theoretischer Ebene überwindet die Arbeit der Gruppe die Zweiteilung in privates und kollektives Eigentum, welche traditionell europäische Auffassungen von Besitz und Eigentum gekennzeichnet hat und auch weiterhin eine ideologische Rolle spielt. Stattdessen macht die Gruppe Gebrauch von einem analytischen Modell, das von Kollegen in der Rechtsethnologie entwickelt wurde und das die Pluralität von Besitzvereinbarungen sowie deren Multifunktionalität betont. Dieses Modell erweist sich als nützlich bei der Untersuchung von Eigentumsverhältnissen in allen menschlichen Gesellschaften, einschließlich derer mit "einfacheren" Technologien. Es kann auch auf dem Gebiet des geistigen Eigentums angewendet werden, zum Beispiel wenn indigene Gruppen Ansprüche auf einzigartiges "kulturelles Eigentum" erheben. Jüngste Aufrufe, Wissen frei zugänglich zu machen, verweisen auf ähnliche Problemstellungen: Die Aufstellung kategorischer Eigentumsprinzipien muss immer auch durch eine genaue Beachtung von Institutionen und Praktiken ergänzt werden. mehr

Integration durch Konflikt: Interethnische Beziehungen und Ressourcenmanagement im westlichen Afrika

2004 Dafinger, Andreas
Kulturwissenschaften Sozialwissenschaften
Das hohe Konfliktpotenzial sich ethnisch und ökonomisch abgrenzender Gruppen ist für weite Teile des subsaharischen Afrika bestimmend. Auch die Auseinandersetzungen der 1990er-Jahre in Ruanda und die gegenwärtigen Konflikte in Nigeria instrumentalisierten nicht zuletzt die Spannungen zwischen den Viehzucht betreibenden (pastoralen) und den bäuerlichen Gruppen. Staatliche und internationale Institutionen versuchen oft, diesem Problem mit einer Vermeidungspolitik zu begegnen, die die Abgrenzung der beteiligten Parteien propagiert und gleichzeitig die wirtschaftliche Produktivität durch Landrechtsreformen und die Vergabe von Landtiteln abzusichern sucht. Wie die vergleichenden Untersuchungen zeigen, können Konflikte bis zu einem bestimmen Maße auch integrativ wirken und die Koexistenz der Gruppen sowie die wirtschaftliche Arbeitsteilung oft erst ermöglichen. Die räumliche und soziale Trennung kann, wie das Beispiel des Kameruner Graslandes zeigt, durchaus gegenläufige Konsequenzen haben und bestehende Auseinandersetzungen verschärfen. mehr