„Es ist vom ersten Tag an eine Teamleistung!“

Asifa Akhtar, die neue Vizepräsidentin der Max-Planck-Gesellschaft, im Interview

9. Juli 2020

Asifa Akhtar ist die erste internationale Vizepräsidentin der Biologisch-Medizinischen Sektion der Max-Planck-Gesellschaft. Sie wurde in Karatschi geboren und promovierte 1997 am Imperial Cancer Research Fund in London, Großbritannien. Danach zog sie nach Deutschland, wo sie von 1998 bis 2001 als Postdoktorandin am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg und am Adolf-Butenand-Institut in München tätig war. Anschließend kehrte sie als Gruppenleiterin an das EMBL Heidelberg zurück, bevor sie 2009 als Max-Planck-Forschungsgruppenleiterin an das MPI in Freiburg wechselte. Seit 2013 ist sie Direktorin am MPI für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg. Asifa Akhtar wurde 2008 mit dem Early Career European Life Science Organization Award, 2013 mit der EMBO-Mitgliedschaft und 2017 mit dem Feldberg-Preis ausgezeichnet. Sie wurde 2019 zum Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt.

Asifa Akhtar ist seit 1. Juli 2020 als Vizepräsidentin der Max-Planck-Gesellschaft und für die Biologisch-Medizinische Sektion zuständig.

Was ist der Schwerpunkt Ihrer Forschung?

Asifa Akhtar: Alle Zellen in unserem Körper tragen die identische genetische Information (das „Genom“). Eine grundlegende Frage in der Biologie lautet, wie aus diesem einen Genom ein ganzer Organismus entstehen kann, der Zellen mit so unterschiedlichen Funktionen enthält. Wir wissen, dass verschiedene Zelltypen nicht das gesamte Genom aktivieren (oder „exprimieren“), sondern stattdessen nur bestimmte Untergruppen aus dem vollständigen Kompendium der verfügbaren Gene exprimieren. Die Epigenetik bezieht sich auf Veränderungen in der Genexpression, die unabhängig von Veränderungen oder Mutationen im Genom auftreten. Die Frage, wie Merkmale über die Generation einer Zelle oder eines Organismus hinweg vererbt werden, ohne dass dabei die DNA-Sequenzen verändert werden, stellt ein faszinierendes Forschungsgebiet dar. Die Koordination eines Genexpressionsprogramms ist wie das Dirigieren eines Orchesters. Um eine Symphonie zu erhalten, müssen alle Instrumente zur richtigen Zeit und am richtigen Ort spielen – wenn nur eines der Instrumente aus dem Takt ist, hören Sie den Unterschied. In dieser Analogie können Sie sagen, dass Epigenetik das Orchester dirigiert.

Insbesondere interessiere ich mich sehr für die Epigenetik des X-Chromosoms. Männer und Frauen haben zwar exakt die gleiche Anzahl von Autosomen, Männer haben aber ein X- und ein Y-Chromosom und Frauen haben zwei X-Chromosomen. Wie wird also das X-Chromosom zwischen den Geschlechtern „ausgeglichen“? Bei Säugetieren inaktivieren die Weibchen eines unserer X-Chromosome - wir haben also in unserem ganzen Körper nur ein aktives X-Chromosom. Bei Fliegen verdoppeln die Männchen die Leistung ihrer einzelnen X-Chromosome, um mit den beiden X-Chromosomen, die von den Weibchen getragen werden, gleichzuziehen. Diese Entscheidungen werden im Embryonalstadium getroffen, und dann während der gesamten Lebenszeit in Erinnerung gerufen. Zu verstehen, wie Chromosomen funktionieren und wie diese Regulierung erreicht wird, ist nach wie vor mein Hauptforschungsschwerpunkt.

Wie sind Sie in Deutschland gelandet?

Nachdem ich in London studiert und promoviert hatte, beschloss ich, Großbritannien zu verlassen, und so kam ich für meine Postdoc-Forschung an das EMBL Heidelberg. Damals dachte ich, dass ich nach meiner Postdoc-Zeit entweder nach Großbritannien zurückkehren oder woanders hinziehen würde. Aber ich fand das Forschungsumfeld in Deutschland so dynamisch, dass ich beschloss zu bleiben, obwohl ich mehrere Möglichkeiten zur Auswahl hatte.

Welchen Rat würden Sie jungen Wissenschaftler*innen geben?​

Manchmal entsteht der Eindruck, dass diejenigen, die Führungspositionen innehaben, vollkommen problemlos dorthin gelangt sind, wo sie sind; das trifft auf mich allerdings überhaupt nicht zu. Aber ich habe aus meinen Rückschlägen gelernt, und das ist das Wichtigste. Für junge Wissenschaftler*innen, die gerade erst anfangen, ist es wichtig, standhaft zu bleiben und durchzuhalten.

Wissenschaftler*in zu sein, ist ein Privileg. Sie entdecken täglich neue Dinge und müssen ihre Hypothesen ständig verfeinern. Das ist zwar aufregend, bringt aber viele Unsicherheiten mit sich, die demotivierend sein können, wenn Sie sich nicht im richtigen Umfeld befinden. Im Allgemeinen ist die Promotionszeit eine fantastische Zeit, um die eigenen Stärken und Grenzen kennen zu lernen. Sie ist aber auch eine wichtige Phase, um darüber nachzudenken, was man erreichen will. Sie stellt zusätzlich eine Herausforderung dar, weil hier die zukünftigen Entwicklung bestimmt wird – ein Prozess der mit viel Verantwortung verbunden ist. Glücklicherweise sind wir heutzutage sehr viel proaktiver mit Programmen, die Promovierende und Postdocs Vertrauen gewinnen lassen, wie verbindliche Betreuungsprogramme während der Promotion (Thesis Advisory Committee) und Mentor*innenprogramme. Diese Programme sollten aktiv genutzt werden, um Menschen zu fördern und auszubilden. Letztlich würde ich genau das meinem jüngeren Ich raten: Sei selbstbewusst, sage deine Meinung und kommuniziere sie!

Wer hat Sie besonders unterstützt? Haben Sie ein Vorbild?

Meine Familie hat mich immer unterstützt, und ist die kontinuierliche Energiequelle, auf die ich mich täglich verlasse. Ich habe kein bestimmtes Vorbild an sich, denn es gab viele hervorragende Wissenschaftlerinnen, die ich auf meinem Weg bewundert habe und immer noch bewundere. Wenn ich aber tatsächlich jemanden nennen soll, dann ist es Fiona Watt. Sie ist eine phänomenale Wissenschaftlerin mit Charisma. Sie ist sympathisch und steht Diskussionen sehr offen gegenüber. Das sind genau die richtigen Zutaten für ein Vorbild!

An welche deutschen Eigenheiten gewöhnen Sie sich nur schwer?

Die deutsche Kultur ist sehr entgegenkommend, deshalb habe ich mich hier immer sehr wohl gefühlt, doch was natürlich sofort bei der Ankunft spürbar wird, ist die Sprachbarriere. Hinzu kommt, dass die deutsche Gesellschaft zwar immer progressiver wird, aber einige Elemente nach wie vor sehr konservativ sind. Dies bezieht sich insbesondere auf die traditionellen Rollen von Männern und Frauen. Um Geschlechtervielfalt in verschiedenen Berufsbereichen zu ermöglichen, müssen wir entgegenkommender und verständnisvoller sein. Wenn wir wollen, dass Frauen in der Wissenschaft vorankommen, müssen wir praktische Lösungen wie Kinderbetreuung und flexible Zeiteinteilung oder Home-Office-Optionen ermöglichen.

Auf welche Bereiche wollen Sie sich während Ihrer Amtszeit als Vizepräsidentin konzentrieren?

Die Max-Planck-Gesellschaft begrüßt den Wandel mit Begeisterung und schreitet an verschiedenen Fronten dynamisch voran. Ich möchte diese äußerst positive Dynamik fortsetzen. Die Übernahme dieser Position ist eine große Ehre. Ich sehe darin eine große Chance aber auch die Verantwortung, zur Gestaltung der Zukunft beizutragen. Da diese Position viele wichtige Facetten aufweist, gibt es definitiv mehrere Bereiche, die ich gerne weiter stärken möchte. Dazu gehören Kommunikation, Internationalität, Diversität, Karriereentwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses und ein Beitrag zur Stärkung der deutschen Wissenschaft insgesamt.

Gute Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg. Indem wir ein Forum für eine offene Diskussion schaffen, können wir viele Probleme und Missverständnisse schon an der Wurzel packen. Gegenseitiger Respekt spielt in diesem Zusammenhang ebenfalls eine grundlegende Rolle. Der Erfolg der Max-Planck-Gesellschaft ist die Summe aller ihrer Mitglieder. Daher ist es wichtig, sich verschiedene Meinungen anzuhören, nachzudenken, das Für und Wider abzuwägen, transparent zu kommunizieren und dann mit Überzeugung voranzuschreiten.

Auch sollten wir unsere Bemühungen um eine hohe Internationalität fortsetzen: Die akademische Wissenschaft ist ein schönes Beispiel für Integration, weil Menschen aus der ganzen Welt Wissen über Grenzen, Kulturen und Vorurteile hinweg austauschen. Gleichzeitig müssen wir aber auch auf die Herausforderungen vorbereitet sein, die mit einer internationalen Belegschaft verbunden sind. Hier sollte beispielsweise die Nutzung einer zweisprachigen Plattform für die gleichzeitige Kommunikation in Deutsch und Englisch zur Norm werden! Es ist nicht hilfreich, wenn wir die Rekrutierung von Spitzenkräften auf internationaler Ebene durchführen, sie dann aber in eine Umgebung bringen, in der sie nicht einmal die Hälfte des Gesprächs verstehen können. Wir sollten uns die Zweisprachigkeit auf so vielen Ebenen wie möglich zu Eigen machen, um zu zeigen, dass wir diesen Unterschied machen können.

Wissenschaftliche Exzellenz ist die Kernaufgabe der MPG. Gleichzeitig liegt es auch in unserer Verantwortung als erstklassige Forschungseinrichtung, die Geschlechterdiversität zu begutachten und zu verbessern. An der Gleichstellung der Geschlechter muss kontinuierlich weiter gearbeitet werden, und wir dürfen keinesfalls die Geisteshaltung einnehmen, die Anstellung von Frauen beeinträchtige die Qualität. Es gibt herausragende Frauen in der Wissenschaft, und wir sollten alle Anstrengungen unternehmen und unsere Ressourcen nutzen, um diese Frauen zu finden. Eines unserer Ziele sollte darin bestehen, die Gesellschaft auf diese Weise reicher zu machen - es wurden bereits viele Veränderungen vorgenommen, aber sie müssen noch weiter gefördert werden.

Mein Herz schlägt für die jungen Wissenschaftler*innen! Ich kann die Probleme, mit denen sie in den verschiedenen Phasen ihrer Karriere konfrontiert sind, die Unsicherheiten und so weiter, voll und ganz nachvollziehen, weshalb ich die neuen Programme, an denen wir arbeiten, um Karrierewege in der Gesellschaft zu etablieren, zielstrebig vorantreiben möchte. Der Erfolg des wissenschaftlichen Nachwuchses steht im Mittelpunkt der Bemühungen der Gesellschaft, um herausragenden Wissenschaftler*innen und Mentor*innen eine wissenschaftliche Heimat zu bieten!

Die Max-Planck-Gesellschaft hat einen fantastischen Ruf und eine fantastische Glaubwürdigkeit in der Welt. Wir sollten großzügig mit unserer Zeit und unseren Bemühungen sein, zum Profil der deutschen Wissenschaftslandschaft als Ganzes beizutragen, indem wir mit lokalen Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten. Ich hoffe, an diesen Fronten etwas positive Energie einbringen zu können.

Welche Ergebnisse der Mitarbeiter*innenbefragung fanden Sie besonders beängstigend?

Es sollte keinerlei Form von Diskriminierung oder Fehlverhalten toleriert werden. Wir tragen die Verantwortung für jede einzelne Person, die unter dem Dach der MPG arbeitet. Obwohl die MPG in der Umfrage global betrachtet gut abschneidet, sind sexuelle Diskriminierung oder Mobbing grundsätzlich nicht akzeptabel. Schon ein einziger Fall ist ein Fall zu viel. In der Biomedizinischen Sektion sind wir in dieser Hinsicht proaktiv. Wir haben in unseren Rekrutierungsprogrammen bereits Maßnahmen zur Beurteilung, Unterstützung und Anleitung von neu eingestellten Mitarbeiter*innen in Führungspositionen eingeführt. Die durch die Max Planck Akademy angebotene Sensibilisierungsschulung ist ebenfalls der richtige Weg, denn der erste Schritt zur Lösung eines Problems besteht darin, sich des Problems bewusst zu sein. Die Öffnung von Kanälen, über die alle Mitglieder der Gesellschaft ihre Anliegen mitteilen können, wird es uns ermöglichen, Probleme zu erkennen und anzugehen, bevor diese eskalieren. Dies ist ein weiterer Aspekt, bei dem die Kommunikation eine entscheidende Rolle spielt. Es sollte immer jemanden geben, an den man sich in Zeiten der Not wenden kann! Wir müssen proaktiv sein und jederzeit ein offenes Ohr bieten, sowohl vor Ort als auch auf der Führungsebene.

Können Sie sich erklären, warum sich viele Mitarbeiter*innen aus dem Ausland nicht integriert fühlen? Was tun Sie in Ihrem Institut, um Mitarbeiter*innen aus dem Ausland zu integrieren?

Der erste Schritt zur Integration ist definitiv das Erlernen der Sprache. Deutschkurse helfen in dieser Beziehung natürlich. Andererseits sollte Integration aber nicht nur ein Kästchen sein, das man auf einem Formular ankreuzt. Unser Institut ist sehr international zusammengesetzt und hat Englisch als Arbeitssprache, was die berufliche Integration von Menschen aus dem Ausland erleichtert. Integration ist jedoch mehr als nur die Sprache. So begannen wir beispielsweise mit Begrüßungsleitfäden, um Doktorand*innen und Postdoktorand*innen während ihres Aufenthalts durch bürokratische Hürden zu begleiten.

Und wir haben gelernt, dass es oft scheinbar simple Dinge sind, die sehr anspruchsvoll sein können, wenn man in einem neuen Land ankommt. Das reicht von der Eröffnung eines Bankkontos über die Wohnungssuche bis hin zur Begegnung mit Vermieter*innen, die nur Deutsch sprechen. Daher brauchen Sie jemanden vor Ort, mit dem Sie über Ihre Herausforderungen sprechen können. An unserem Institut haben wir jetzt eine Internationale Beauftragte, die die Mitarbeiter bei solchen ersten Schritten in Freiburg unterstützt.

Wir sollten an einzelnen Instituten daran arbeiten, internationale Mitarbeiter*innen und Student*innen in der MPG zu integrieren. Ich weiß, dass dies ein Bereich ist, an dem wir auch innerhalb der Gesellschaft weiter arbeiten müssen, denn die Integration hört nicht nach den ersten Wochen auf. Ich bin auf jeden Fall daran interessiert, mehr über zusätzliche Ideen zur Verbesserung der Integration in der MPG zu erfahren und praktische und maßgeschneiderte Lösungen zu ermöglichen, während wir bei diesem Thema voranschreiten.

Was tun Sie in Ihrer eigenen Forschungsabteilung, um Frauen zu fördern?

Ich bin sehr stolz darauf, dass sowohl Forscher als auch Forscherinnen aus meinem Labor akademische und nicht-akademische Wege beschritten haben. Ich verstehe, dass der Wettbewerb da draußen hart ist und dass sich viele junge Wissenschaftler*innen um ihre Zukunft sorgen. Auch die lange Zeit, die es dauert, bis eine akademische Karriere „gesichert“ ist, tut ihr Übriges. Das gilt nicht nur für Frauen, aber wenn man sich alle Statistiken ansieht, kommen viel weniger Frauen voran. Wir müssen ernsthaft und aktiv daran arbeiten, die Geschlechterlücke in der Wissenschaft und in anderen Berufen zu verringern.

Jemanden durch eine berufliche Laufbahn zu begleiten, ist nicht mit der bloßen Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit abgeschlossen! Es handelt sich um eine Investition, bei der regelmäßiges Feedback erforderlich ist. Dazu gehört beispielsweise, den/die von Ihnen betreuten Nachwuchswissenschaftler*in gut auf Vorträge bei Konferenzen, Institutsseminaren und Bewerbungsgesprächen vorzubereiten. Ich glaube wirklich daran, dass auch ich brilliere, wenn Menschen aus meinem Labor brillieren. Die beste Belohnung, die Studienleiter*innen haben können, besteht doch darin, zu sehen, wie Menschen, die in ihrem Labor gearbeitet haben, Erfolg haben und sich nach ihrem Ausscheiden entfalten. Natürlich müssen sie selbst motiviert und leidenschaftlich bei dem sein, was sie tun. Glücklicherweise ist dies in meinem Labor tatsächlich der Fall, wofür ich sehr dankbar bin. Meine Aufgabe besteht also darin, sie weiter zu motivieren und ihnen Mut zu machen, wenn sie entmutigt sind. Es ist eine Teamleistung vom ersten Tag an!

Welche Herausforderungen haben Sie selbst als Führungskraft erlebt?

Zunächst einmal: Hierarchie verschafft niemandem automatisch Respekt, Respekt muss durch eigenes Handeln verdient werden. Als Führungskraft finde ich es sehr wichtig, zuzuhören und offen für Diskussionen zu sein. Wenn Probleme mit Mitarbeiter*innen auftauchen, ist es viel einfacher, diese zu verstehen und angemessene Lösungen zu finden, wenn Sie stets einen offenen Austausch mit der betroffenen Person unterhalten haben. Menschen, die sich wertgeschätzt fühlen, stehen einem nach meiner Erfahrung mit Rat und Tat zur Seite! Es ist wichtig, die Motivation unserer Mitarbeiter*innen nicht als selbstverständlich hinzunehmen. In der MPG gibt es so viele Menschen, die mich mit ihrer Hingabe, ihrer harten Arbeit und ihrer Loyalität jeden Tag aufs Neue erstaunen. Genau diese Art positive Energie brauchen wir, um die nächste Generation in der MPG voranzubringen, und ich freue mich sehr darauf, diese Teamarbeit mit voranzutreiben.

Ist die Wissenschaft frauenfeindlich?

Nein. Wenn überhaupt, dann ist die Wissenschaft sehr offen für neue Ideen und Veränderungen, denn genau dafür leben wir. Aber auf kultureller und gesellschaftlicher Ebene brauchen wir mehr Bewusstsein für die Geschlechterdiversität. Aus der unterschiedlichen Wahrnehmung der Rollen von Männern und Frauen in der Gesellschaft als Ganzes ergeben sich zahlreiche Fragen, und einige dieser Ansichten sickern in das wissenschaftliche Establishment ein. Als Wissenschaftler*innen liegt es in unserer Verantwortung, zu zeigen, dass es möglich ist, dass die Dinge auch anders sein können! Es ist Zeit für einen Wandel, und ich bin hier, um diesen Wandel zu fördern.

Wie könnten Forscher*innen mit Familien in Zeiten einer Pandemie besser unterstützt werden, um die Produktivität zu erhalten?

Die Pandemie war ja ganz offensichtlich nicht geplant, und deshalb durchlaufen alle zunächst einen Lernprozess. Eine Sache ist jedoch klar: Wir müssen die Flexibilität fördern. Dies sind schwierige Zeiten für alle und insbesondere für Familien – ich habe das selbst erlebt – und deshalb müssen wir bei dem, was wir anbieten, tolerant und großzügig sein. Ich habe mich über die Erklärungen des Präsidenten hinsichtlich Flexibilität und Großzügigkeit gefreut. Auf der Ebene der lokalen Institute ist dies jedoch immer noch ein langsamer Prozess. Wir sollten nicht vergessen, dass glückliche Mitarbeiter*innen produktive Mitarbeiter*innen sind.

​Das Interview führte Birgit Adam.

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