Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte

Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte

Das Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte widmet sich seit seiner Gründung 1964 rechtswissenschaftlicher Grundlagenforschung in historischer Perspektive. Es konzentriert in einmaliger Weise an einem Ort Fachkompetenz zur spätantiken und frühmittelalterlichen Rechtsgeschichte im byzantinischen und lateinischen Europa, zum hoch- und spätmittelalterlichen ius commune, zur Geschichte von Privat-, Straf-, Öffentlichem und Kirchlichem Recht in Früher Neuzeit und Moderne. Die historische Analyse von Rechtstransferprozessen, die Interaktion von Recht mit anderen normativen Ordnungen im geschichtlichen Kontext sowie Selbstorganisation und Recht nehmen einen immer breiteren Raum ein. In Kooperation mit anderen Instituten der Max-Planck-Gesellschaft sieht es eine besondere Herausforderung darin, historisch-empirische Grundlagen für die kritische Reflexion der rechtlichen Ordnung in einer globalen Welt zu schaffen. Das Institut widmet sich deswegen in steigendem Maße den Verflechtungen zwischen europäischen und außereuropäischen Rechtsordnungen, insbesondere im Rahmen der Imperienforschung. Auch die komparative Dimension rechtshistorischer Forschung gewinnt weiter an Bedeutung.

Kontakt

Hansaallee 41
60323 Frankfurt am Main
Telefon: +49 69 78978-0
Fax: +49 69 78978-169

Promotionsmöglichkeiten

Dieses Institut hat keine International Max Planck Research School (IMPRS).

Es besteht die Möglichkeit zur individuellen Promotion bei den Direktoren und Forschungsgruppenleitern.

Abteilung Rechtsgeschichte in Früher Neuzeit und Moderne mehr
Abteilung Rechtstransfer zwischen den Rechtsordnungen des common law, der Rechtsgeschichte der Europäischen Union und der vergleichenden Geschichte der Methodenlehre mehr

Die Eroberung der Neuen Welt fiel den spanischen Konquistadoren überraschend leicht. Mit Gewalt und Grausamkeit allein ließen sich jedoch die Gebiete nicht regieren. Ein Forscherteam unter der Leitung von Thomas Duve am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte untersucht, mit welchen Medien die spanische Krone ihre Herrschaft festigte. Wie bedeutsam Bilder für die Konsolidierung von Recht – auch im alten Europa – waren, ergründet eine Gruppe unter Carolin Behrmann am Kunsthistorischen Institut in Florenz.

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Das Nachspiel von Westminster: Dekolonialisierung und Staatenbildung in Asien am Ende des British Empire

2017 Kumarasingham, Harshan; Vogenauer, Stefan
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften
Staatenbildung und Verfassungsgebung in Südasien sind eng verknüpft mit dem kolonialen Erbe der Region und dem Rechtstransfer des parlamentarischen Systems Großbritanniens. Das britische Recht traf auf lokale oder regionale Traditionen. In welchem Maße unterschieden sich diese Begegnungen voneinander? Wer waren die Hauptakteure? Im Prozess der Verfassungsgebung, etwa in Indien und Malaysia, kam Sir Ivor Jennings eine zentrale Rolle zu. Im Projekt „Nachspiel von Westminster“ am MPI für europäische Rechtsgeschichte wird untersucht, wie dieser Prozess sich an verschiedenen Orten abspielte. mehr

Regulierte Selbstregulierung in rechtshistorischer Perspektive

2016 Collin, Peter; Duve, Thomas
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften

„Regulierte Selbstregulierung“ – dieser Begriff ist aus der verwaltungsrechtlichen Diskussion der letzten Jahre vertraut, hat sich aber auch in politikwissenschaftlichen und soziologischen Debatten etabliert. Gleichermaßen gewinnbringend lässt er sich als rechtshistorischer Analysebegriff einsetzen, mit dem Formen gesellschaftlicher Selbstorganisation oder Partizipation erfasst werden, die (auch) der Erfüllung öffentlicher Zwecke dienen und in einen staatlichen Rechtsrahmen eingebettet sind.

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Gesetzgebung im frühneuzeitlichen Hispanoamerika: Das Dritte Mexikanische Provinzialkonzil (1585)

2015 Moutin, Osvaldo R.; Birr, Christiane
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften

Das Dritte Mexikanische Provinzialkonzil schuf einen Normkomplex mit außergewöhnlicher zeitlicher und geografischer Reichweite, indem europäische Normmodelle bewusst und kreativ an die lokalen sozialen, kulturellen und religiösen Besonderheiten angepasst wurden. Neue Forschungsinitiativen am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte untersuchen bislang wenig beachtete Quellen, um die Einflüsse juridischer, kultureller und geografischer Faktoren auf die (Re-)Produktion normativer Ordnungen auf beiden Seiten des Atlantiks angemessen zu verstehen.

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Was die mittelalterliche juristische Literatur und Buchproduktion betrifft, steht das Werk von Baldus de Ubaldis (1327–1400), der berühmteste Jurist seiner Zeit, im Mittelpunkt der Forschungen am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte. Die europaweite Verbreitung der zahlreichen Handschriften und Druckausgaben seiner Commentaria und Consilia ließ Baldus’ Œuvre zur wichtigen normativen Quelle des ius commune werden. Ein Wissenschaftler des Instituts untersucht die erhaltenen Autorenhandschriften und erarbeitet eine intellektuelle Biografie. mehr

Modernisierung des Privatrechts in Lateinamerika und Europa

2013 Keiser, Thorsten
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften
Die Rechtsgeschichte Lateinamerikas stand immer in enger Verbindung mit Europa. Daher ist es besonders interessant zu beobachten, wie Privatrechtssysteme in beiden Kontinenten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Schritt in die Moderne wagten, um die Herausforderungen eines neuen Jahrhunderts zu bewältigen. In einem Forschungsprojekt am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte wurde dieser Aufbruch aus rechtshistorischer Sicht analysiert. mehr

Die Schule von Salamanca und die Neue Welt

2012 Birr, Christiane
Rechtswissenschaften
Politik, Recht und Ethik in einer historischen Schwellensituation: Wie bewegt man sich in einer Welt, in der Verflechtungen unüberschaubar geworden sind, sich politisch gute Absichten in schwer zu rechtfertigende Taten umsetzen und bewährte Muster politischen und rechtlichen Handelns inadäquat erscheinen angesichts neuer, globaler Problemkonstellationen? Ein Projekt am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte untersucht die Schule von Salamanca und den spanischen Diskurs über das europäisch-westliche Verhältnis zur außereuropäischen Welt in einer frühen Phase der Globalisierung. mehr

Buchdruck und europäische Rechtsgeschichte 1500 bis 1800

2011 Osler, Douglas J.
Rechtswissenschaften
Ein Projekt am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte inventarisiert den juristischen Druck von 1500 bis 1800 und bietet damit eine bibliografische Ressource für Rechtshistoriker. Außerdem erforscht es Formen der Produktion und Verbreitung juristischer Texte in der Moderne. Die Ergebnisse zeigen, dass sich durch die Auflösung der juristischen Einheit des Mittelalters nach der Reformation drei Rechtskreise gebildet haben: Deutschland und die protestantischen Niederlande, das zentralisierte Königreich Frankreich und die gegenreformatorische juristische Kultur Spaniens und Italiens. mehr
Die historische Großregion Südosteuropa war in der postosmanischen Zeit durch eine Gemengelage aus altem und neuem Recht, aus tradierter, transformierter und transferierter Normativität gekennzeichnet. Diese normativen Schichten überlagerten sich in einer komplexen Weise. Zugleich sahen sie sich eingebettet in den Prozess der Nationalstaatsbildung und deren Legitimitätsprobleme. Das Forschungsprojekt am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte rekonstruiert diese unübersichtliche rechtshistorische Welt des Wandels. mehr

Lebensalter und Recht

2009 Ruppert, Stefan
Rechtswissenschaften Sozialwissenschaften
Die selbstständige wissenschaftliche Nachwuchsgruppe „Lebensalter und Recht“ des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte erforscht die Rechtsgeschichte altersspezifischer Normen und gesetzlicher Altersgrenzen, die seit dem 19. Jahrhundert den Lebenslauf der Menschen bestimmt haben. Themen sind unter anderem die Gesetzgebung zur Schulpflicht und zur Kinderarbeit in Preußen, straf- und fürsorgerechtliche Vorschriften, die Jugendliche betreffen, genauso wie rentenrechtliche Regelungen oder Heimpflege für alte Menschen. mehr

Bilder im Recht

2008 Dölemeyer, Barbara; Härter, Karl; Stolleis, Michael; Vec, Milo¿; Vismann, Cornelia
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften
Bilder können auf ganz unterschiedliche Weise Recht vermitteln. Der Rechtsgeschichte etwa dienen sie als Quelle, im Rechtsunterricht kommen sie als Gedächtnisstütze vor. In der Rechtspraxis helfen sie dabei, Täter zu identifizieren oder Öffentlichkeit herzustellen. Ein Projekt am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte hat die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Bildern in einem juristischen Kontext untersucht. Die Ergebnisse belegen, dass das Recht zu keiner Zeit ausschließlich auf den Text fixiert gewesen ist. mehr

Rechtsprechung in der mittelalterlichen Stadt

2007 Colli, Vincenzo; Lepsius, Susanne; Wetzstein, Thomas
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften
Ein Projekt zur Praxis der Gerichtsbarkeit in ausgewählten europäischen Städten des Mittelalters erforschte schwerpunktmäßig die bislang fast völlig vernachlässigte Zivilrechtsprechung. Ein Vergleich der in großer Zahl erhaltenen Prozessakten förderte dabei zahlreiche europaweite Gemeinsamkeiten zutage. Sie manifestierten sich in Aktenführung und Verfahrensgang ebenso wie im hohen Pazifizierungspotenzial gerichtlicher Konfliktlösungen. mehr
Am 1. Mai 2004 traten Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn der EU bei. Zum selben Zeitpunkt startete das Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte das Projekt „Rechtskulturen des modernen Osteuropa – Traditionen und Transfers“. Das Projekt widmet sich den Rechtstransferprozessen, die seit Beginn des 19. Jahrhunderts in allen Regionen Osteuropas stattfanden. Es zeichnet nach, auf welchen Wegen westliche Kodifikationen und Rechtslehren nach Osten transferiert wurden, welchen Anteil Gesetzgebung, Rechtswissenschaft, Juristenausbildung und Rechtsprechung an diesen Prozessen hatten und welche Wirkungen die Integration westlicher Rechtsmodelle in den je eigenen Traditionen Osteuropas zeitigte. mehr

Recht und Technik im 19. Jahrhundert

2005 Vec, Miloš
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften
Die intensive Auseinandersetzung des Rechts mit den Herausforderungen von Technik und Wirtschaft hat im 19. Jh. einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel ermöglicht, bei dem das Recht nicht nur reaktiv auf mutmaßliche Gefahrenlagen der Industrialisierung einging. Vielmehr gestaltete es die Entstehung moderner Industriegesellschaften aktiv mit, indem es institutionelle Rahmenbedingungen für den Einsatz neuer Technologien und für die Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen in zunehmend internationalisierten Kontexten schuf. Neue Rechtsgebiete und neue Strukturen der Normsetzung entstanden. mehr

Das Alphabet des Rechts

2004 Kiesow, Rainer Maria
Kulturwissenschaften Rechtswissenschaften
Die Vermehrung des Wissens und erkenntnistheoretische Zweifel an seiner Strukturierbarkeit bereiten der zwischen 1750 und etwa 1900 wichtigen Gattung der juristischen "Enzyklopädie" ein Ende. mehr