Das Verschwinden der Zugvögel

Langstreckenzieher leiden besonders unter Veränderungen ihres Lebensraums

28. Februar 2020
Der Kiebitz ist ein Beispiel eines Kurzstreckenziehers mit massiv abnehmenden Bestandszahlen. Die bei uns lebenden Populationen verbringen den Winter in der Regel in Frankreich, Großbritannien oder Spanien.

In vielen Ländern der Erde geht die Zahl der Vögel massiv zurück, zum Beispiel in den USA, Indien und Deutschland. Besonders Zugvögel leiden unter Veränderungen ihrer Lebensräume, sei es durch den Klimawandel oder Zerstörung durch den Menschen.

Als Wiesenbrüter ist der Kiebitz besonders stark von der Intensivierung der Landwirtschaft in Deutschland betroffen.

Eine Langzeitstudie von Wissenschaftlern der Ornithologischen Arbeitsgruppe Bodensee und des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie hat ergeben, dass die Region rund um den Bodensee innerhalb von 30 Jahren 120.000 Brutpaare verloren hat. Dabei verschwinden vor allem die Zugvögel: Während von den Standvögeln – also Arten, die das ganze Jahr über am Bodensee bleiben – nur rund 33 Prozent abnehmen, sind es bei den Langstreckenziehern 63 Prozent. Lag ihr Anteil an den Brutrevieren 1980 noch bei zwölf Prozent, so waren es 2012 nur noch knapp acht Prozent.

Rauchschwalben ziehen im Herbst in den Süden. Die europäischen Populationen verbringen den Winter in Afrika südlich der Sahara. Wie viele andere Langstreckenzieher gehen ihre Bestandszahlen stark zurück.

Die Gründe für die dramatische Lage der Langstreckenzieher unterscheiden sich von Art zu Art. Aber für alle gilt: Zugvögel müssen nicht nur an einem Ort geeignete Lebensbedingungen vorfinden, sondern auch in ihren Brut- und Überwinterungsgebieten. Wenn sie weite Strecken zurücklegen, sind sie während des Zuges auch auf Rastplätze angewiesen. Das macht sie empfindlicher für Veränderungen als Standvögel und Kurzstreckenzieher. Beispiele hierfür sind der große Flächenverbrauch und die Konkurrenz um knappe Ressourcen in vielen Ländern.

Feldlerchen sind Kurzstreckenzieher oder Standvögel. Die bei uns brütenden Vögel überwintern meist in Südeuropa oder Nordafrika. Wie die Kiebitze leiden die Lerchen besonders unter der intensiven Landwirtschaft.

Hinzu kommen Klimaveränderungen mit ihren Folgeerscheinungen. Viele Zugvögel können nicht in dem gleichen Maße auf solche Veränderungen reagieren. So kommen sie mit der Tier- und Pflanzenwelt in ihren Brutgebieten aus dem Takt. Ein weiterer Grund ist die massive Jagd auf Vögel in Südeuropa, Nordafrika und dem Nahen Osten: Millionen Zugvögel werden jährlich auf ihrer Reise geschossen oder in Fallen gefangen.

Auch der Rotmilan ist ein Kurzzieher. Er überwinterst meist in Frankreich, Spanien oder Portugal. Am Bodensee hat er in den letzten Jahren zugenommen. Möglicherweise profitiert er von den milder werdenden Wintern.

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