Standpunkt des Präsidenten zum EU-Kompromiss

Ein guter Tag für Europas Solidarität, ein schlechter Tag für die Europäische Forschungsförderung

21. Juli 2020

Die Max-Planck-Gesellschaft gratuliert den Europäischen Regierungschefs zum gefundenen Kompromiss zum mehrjährigen EU-Haushalt von 2021 bis 2027 und zum Wiederaufbauplan. Das Ergebnis ist ein beindruckendes Bekenntnis europäischer Solidarität. Dennoch: Für die europäische Forschungsförderung ist es ein schlechter Tag. Horizon Europe wird mit 75,9 Milliarden Euro in konstanten Preisen von 2018 weniger stark wachsen als notwendig. Ebenso wenig erbaulich ist der schleichende Abbau der wissensorientierten Forschung in der Breite der EU-Programme. Begrüßenswert ist der Aufwuchs der Mittel durch den „Next Generation EU“-Plan für Gesundheitsforschung, den „Green Deal“ und die digitale Zukunft in Höhe von 5 Milliarden Euro. Davon wird die Forschung in Europa profitieren können. Trotzdem reicht diese Etatsteigerung bei Weitem nicht aus, um die Zukunftsfähigkeit Europas in der Welt sicherzustellen. Ein kräftiger Zuwachs des EU-Forschungsetats wäre notwendig gewesen, um ein Signal zu setzen, da die überwiegende Mehrheit der EU-Staaten weit von dem vereinbarten Ziel entfernt ist, drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Investitionen in F&I zu investieren.

Nach dem EU-Gipfel ist das EU-Parlament gefordert, den Einsatz für einen nachhaltig ausgestalteten Europäischen Forschungsraum, in dem Solidarität und Wettbewerb gelebte europäische Werte sind, über den Ausbau der Förderinstrumente in Horizon Europe weiter zu stärken. Dabei ist insbesondere auch dem schleichenden Abbau der Erkenntnisforschung in der Breite der EU-Programme entgegenzuwirken. Die Erfolge der bisherigen europäischen Forschungsrahmenprogramme gilt es fortzuschreiben über europäische Programme wie den Europäischen Forschungsrat (ERC), die Öffnung europaweiter Karrierepfade, die Vernetzung und Kooperation von Forschungseinrichtungen, eine programmübergreifende Qualitätsorientierung oder die Stärkung vielversprechender Forschungsregionen in Europa.

Die Max-Planck-Gesellschaft unterstützt daher nachdrücklich die Forderung des Europäischen Parlaments, den Etat von Horizon Europe gerade wegen der Corona-Pandemie beträchtlich aufzustocken. Europa kann es sich nicht leisten, auf das Potenzial gut ausgebildeter Forscherinnen und Forscher zu verzichten oder gar in der weltweiten Konkurrenz in der Forschung auf höchstem Niveau zurück zu fallen. Europäische Solidarität ist wichtig. Die Zukunftsfähigkeit Europas zu erhalten aber ebenso. Auch in schwierigen Zeiten muss es daher heißen: Vorfahrt für die Finanzierung von Forschung und Innovation. Wissen ist der Rohstoff Europas und unabdingbare Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Arbeitsplätze!

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