Affenjagd sicherte das Überleben im Regenwald

Neue Studie liefert erstmals direkte Beweise für die frühgeschichtliche Jagd auf Baumaffen und andere Kleinsäuger durch Homo sapiens in Sri Lanka

19. Februar 2019

Die Fähigkeit, auch kleine agile Säugetiere wie Affen zu jagen, gilt als Beispiel für die einzigartige Anpassungsfähigkeit unserer Spezies. Funde in Sri Lanka belegen, dass der moderne Mensch dort bereits vor 45.000 Jahren Kleinsäuger jagte. Das machte es dem modernen Menschen möglich, trotz extremer Bedingungen den tropischen Regenwald dort zu besiedeln.

In der Fa-Hien-Höhle im tropischen Regenwald Sri Lankas fanden sich Stein- und Knochenwerkzeuge, die Menschen vor 45.000 Jahren genutzt haben, sowie Überreste von Kleinsäugetieren. Sie zeigen, wie Homo sapiens in prähistorischer Zeit im Regenwald überleben konnte.

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Jenaer Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte hat neue Erkenntnisse zur einzigartigen Anpassungsfähigkeit von Homo sapiens gewonnen. Die Untersuchungen haben ergeben, dass sich bereits vor 45.000 Jahren die Bewohner des tropischen Regenwaldes in Sri Lanka auf die Jagd von kleinen agilen Säugetieren spezialisiert hatten. Dies ist der bislang älteste und zeitlich umfassendste archäologische Nachweis für die anspruchsvolle aktive Jagd auf diese Beutetiere. Die neue Studie hebt auch die ausgeprägten Fähigkeiten von Homo sapiens im Vergleich zu anderen Menschenarten hervor, sich an unterschiedliche Lebensräume anzupassen.

Jüngste Forschungen haben gezeigt, dass es dem modernen Menschen gelungen ist, weltweit zahlreiche extreme Lebensräume zu besiedeln, einschließlich Wüsten- und Hochgebirgsregionen, der Paläoarktis und tropischer Regenwälder. Bisher konzentrierte sich der wissenschaftliche Diskurs über die globale Ausbreitung jedoch meist auf die gestiegene Effizienz beim Erlegen von mittelgroßem bis großem Wild in offenen Savannen. Zudem wurden Küstengebiete als wichtige Quelle für Proteine angesehen, die die menschliche Evolution und Expansion begünstigten.

Die Herausforderung tropischer Regenwälder

Tropische Regenwälder fanden in der Diskussion dagegen kaum Beachtung. Fachleute sahen diese Lebensräume eher als Hindernis für die Ausbreitung des Menschen: Wegen der dort vorkommenden Tiere und Krankheiten sowie der begrenzten Ressourcen ist das Leben darin mit besonderen Herausforderungen verbunden. So sind etwa agile Baumaffen und Eichhörnchen viel schwieriger zu fangen und liefern geringere Mengen an Protein als große Tiere der offenen Savannen.

„In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Forschung gezeigt, dass die menschliche Besiedlung der tropischen Regenwälder in Südasien, Südostasien und Melanesien vor mindestens 45.000 Jahren begann. Damit ist es wahrscheinlich, dass der Mensch in dieser Umgebung bereits zu diesem frühen Zeitpunkt auf Kleinsäuger als Nahrungsquelle zurückgriff", sagt Co-Autor Patrick Roberts vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte.

Nachhaltige Jagdstrategie 

Der südliche Hanuman-Langur (S. priam) gehört zu den Affenarten, die in prähistorischer Zeit in Sri Lanka durch Menschen gejagt wurden. Dadurch konnten Homo sapiens den Regenwald erfolgreich besiedeln.

Die aktuelle Studie analysierte und datierte mittels Radiokarbonmethode tierische Überreste sowie Stein- und Knochenwerkzeugen der Fa-Hien Lena Höhle, die mitten im tropischen Regenwald Sri Lankas liegt. Sie ist Fundstätte der ältesten archäologischen Belege für die Anwesenheit moderner Menschen auf der Insel im Indischen Ozean.

Die Forschungsergebnisse der neuen Studie belegen, dass die Jagd von Affen und anderen kleinen Säugetieren sorgfältig abgestimmt war. So weisen die Funde auf eine nachhaltige Jagdstrategie des Homo Sapiens hin, bei der nur ausgewachsene Tiere gejagt wurden und somit der tropische Regenwald durch die Anwesenheit und Praktiken des Menschen nicht übermäßig ausgebeutet wurde.

„Affen waren ein Teil der Speisekarte, und die Nutzung dieser schwer erreichbaren Ressource ist ein weiteres Beispiel für die technologische und die Verhaltensflexibilität von Homo sapiens“, sagt Michael Petraglia vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, einer der Studienleiter. Weiterführende Analysen der Werkzeuge und tierischen Überreste, die von den frühen Mitgliedern unserer Spezies hinterlassen wurden, versprechen zudem detailliertere Einblicke in die Vielfalt der Strategien, die es Homo sapiens ermöglichten, die Kontinente der Welt zu kolonisieren und als einzige menschliche Art zu überleben.

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