Hunde wissen, wenn sie etwas nicht wissen

Wenn Hunde nicht über ausreichend Informationen verfügen, um eine sichere Entscheidung zu treffen, suchen sie – ähnlich wie Schimpansen und Menschen – nach weiteren Informationen

19. November 2018

Wissenschaftlerinnen am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte haben Hinweise gefunden, dass Hunde über einige "metakognitive" Fähigkeiten verfügen. Insbesondere wissen Hunde, wenn sie nicht über ausreichend Informationen verfügen, um ein Problem zu lösen. Ähnlich wie Primaten suchen sie in diesem Fall nach weiteren Informationen. Um dies genauer zu untersuchen, entwarfen die Wissenschaftlerinnen einen Versuch, bei dem Hunde hinter einem von zwei Zäunen eine Belohnung finden mussten – entweder ein Spielzeug oder Futter. Dabei zeigte sich, dass die Hunde signifikant häufiger nach zusätzlichen Informationen suchten, wenn sie zuvor nicht hatten sehen können, wo die Belohnung versteckt wurde.

In einer Studie am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte zeigten Hunde Anzeichen von Metakognition. So suchten sie aktiv nach weiteren Informationen, wenn sie nicht gesehen hatten, wo eine Belohnung versteckt worden war.

Die Vergleichende Psychologie untersucht die kognitiven Fähigkeiten von Tieren und stellt sie den kognitiven Fähigkeiten des Menschen gegenüber, um mehr über die Evolution dieser Fähigkeiten zu erfahren. Juliane Bräuer, Leiterin der Hundestudien am Jenaer Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, erforscht dafür die kognitiven Fähigkeiten von Hunden. In ihrer neuen Studie gehen Bräuer und ihre Kollegin Julia Belger (heute am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften) der Frage nach, ob Hunde über "metakognitive Fähigkeiten" verfügen. Diese werden auch als die Fähigkeit des "Wissens über das eigene Wissen" bzw. des "Denkens über das eigene Denken" bezeichnet. Die Wissenschaftlerinnen versuchten insbesondere herausfinden, ob Hunde wissen, über welche Informationen sie bereits verfügen, und ob sie weitere Informationen benötigen, um eine Aufgabe zu lösen.

Um dies zu testen, entwickelten die Wissenschaftlerinnen einen Versuchsaufbau mit zwei V-förmigen Zäunen. Als Belohnung für die Hunde wurde entweder Futter oder ein Spielzeug von einer Person hinter einem der beiden Zäune platziert, während eine andere Person den Hund zurückhielt. In einigen Fällen konnten die Hunde beobachten, wo die Belohnung versteckt wurde, während sie dies in anderen Fällen nicht konnten. Die Wissenschaftlerinnen beobachteten daraufhin, wie häufig die Hunde durch eine kleine Lücke im Zaun schauten, bevor sie sich für eine der beiden Optionen entschieden. Die Frage war, ob Hunde – ähnlich wie bereits bei Schimpansen und Menschen nachgewiesen –"prüfen" würden, wo die Belohnung platziert wurde, wenn sie dies zuvor nicht beobachten konnten. Dieses Verhalten würde bedeuten, dass die Hunde wissen, dass sie nicht wissen, wo die Belohnung versteckt ist - eine metakognitive Fähigkeit - und dass sie versuchen, an weitere Informationen zu gelangen.

Die Wissenschaftlerinnen beobachteten, dass die Hunde signifikant häufiger nach der Belohnung suchten, wenn sie nicht hatten beobachten können, wo diese platziert wurde. "Diese Ergebnisse zeigen, dass Hunde dazu neigen, aktiv nach zusätzlichen Informationen zu suchen, wenn sie nicht gesehen haben, wo die Belohnung versteckt ist", erklärt Belger. "Das könnte darauf hindeuten, dass Hunde metakognitive Fähigkeiten besitzen. Durch ihr Verhalten zeigen sie, dass sie die Voraussetzung des Wissens über das Wissen beziehungsweise Nicht-Wissen erfüllen.

Der Versuchsaufbau: Hinter den beiden V-förmigen Zäunen hat eine Person (jetzt vor dem Eingang sitzend) eine Belohnung platziert. In diesem Fall durfte der Hund zusehen, wurde aber von einer weiteren Person noch einige Minuten lang zurückgehalten, bevor er suchen konnte. In einer Variante des Versuchs durften die Hunde sofort mit der Suche beginnen. In einer weiteren Abwandlung des Tests konnten die Hunde das Platzieren der Belohnung nicht beobachten.

Allerdings reiche die Ergebnisse nicht aus, um abschließend zu beurteilen, ob Hunde metakognitive Fähigkeiten besitzen, obwohl die Studie einige Hinweise dafür liefert. "Für den Menschen ist das Sehen ein wichtiger Sinn für das Sammeln von Informationen. In diesem Fall basierte unser Experiment auf einer Prüfung, die sich auf das Sehen stützte - aber die Hunde nutzten wahrscheinlich auch ihren Geruchssinn während sie durch den Spalt schauten. Wir wissen, dass der Geruchssinn für Hunde sehr wichtig ist und wir konnten sehen, dass sie ihn benutzen", sagt Bräuer. "In Zukunft möchten wir ein Experiment entwickeln, das untersucht, unter welchen Umständen Hunde sich entscheiden, ihren Geruchs- anstatt ihres Sehsinns zu nutzen. Das kann uns zusätzliche Erkenntnisse über ihre Fähigkeiten zur Informationssuche geben."

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