Forschungsbericht 2011 - Max-Planck-Innovation

Max-Planck-Innovation – die Technologietransfer-Organisation der Max-Planck-Gesellschaft

Autoren
Berninger, Markus
Abteilungen
Max-Planck-Innovation, München
Zusammenfassung
Die Max-Planck-Innovation GmbH ist verantwortlich für den Technologietransfer. Unter dem Motto „Connecting Science and Business“ versteht sie sich als Partner für Wissenschaftler ebenso wie für Unternehmen. So bietet sie zukunftsorientierten Unternehmen einen zentralen Zugang zu den schutzrechtlich gesicherten Innovationen der über ganz Deutschland verteilten Forschungsinstitute der MPG. Dabei vermarktet die Max-Planck-Innovation in erster Linie zahlreiche Erfindungen aus dem biologisch-medizinischen Bereich sowie dem chemisch-physikalisch-technischen Bereich.

40 Jahre Max-Planck-Innovation – von Instrumenten zu Innovationen

1970 nahm die Firma als Garching-Instrumente ihre Arbeit mit dem Ziel auf, die wissenschaftlichen Ergebnisse der Institute wirtschaftlich zu verwerten. Garching-Instrumente entwickelte seinerzeit Technologien und Prototypen, die an den Instituten erfunden wurden weiter und fertigte daraus vermarktungsfähige, überwiegend physikalisch-technische, Produkte in Kleinserie. Seit 1980 liegt der entscheidende Mechanismus des Technologietransfers in der Patentierung und Lizenzierung von Technologien, um die Vielfalt der wissenschaftlichen Forschung der zahlreichen Institute aus dem biologisch-medizinischen Bereich sowie dem chemisch-physikalisch-technischen Bereich besser abbilden zu können. Dabei unterstützt und berät die Max-Planck-Innovation die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Max-Planck-Institute bei der Evaluierung von Erfindungen und der Anmeldung von Patenten. Pro Jahr evaluiert Max-Planck-Innovation durchschnittlich 150 Erfindungen, von denen etwa die Hälfte zu einer Patentanmeldung führt. So wurden seither etwa 3.300 Erfindungen begleitet und fast 1.900 Verwertungsverträge abgeschlossen. 1990 schließlich kam die Betreuung von Ausgründungen aus den Instituten als ein wichtiger Bestandteil in der Vermarktung von Erfindungen hinzu. Hier steht die Max-Planck-Innovation den Wissenschaftlern mit ihren Serviceleistungen für den gesamten Ausgründungsprozess, den anschließenden Aufbau des Unternehmens sowie für eine langfristige Unterstützung zur Seite. So sind über 90 erfolgreiche Firmenausgründungen aus der MPG hervorgegangen, von denen die Mehrzahl von Max-Planck-Innovation aktiv betreut wurde. Nach 40 Jahren und zwei Umfirmierungen zu Garching-Innovation und schließlich Max-Planck-Innovation zählt das Unternehmen auch im internationalen Vergleich zu den erfolgreichen Technologietransfer-Einrichtungen und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaft. Damit erfüllt die Max-Planck-Innovation eine wichtige Aufgabe: Sie fördert die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in wirtschaftlich nutzbare Produkte und schafft neue Arbeitsplätze am Wirtschaftsstandort Deutschland. Sie sind direkter Ausdruck des Nutzens grundlagenorientierter Forschung, wie sie in den Max-Planck-Instituten betrieben wird. Mit dem Abschluss zahlreicher Lizenzverträge und der Betreuung von High-Tech-Ausgründungen konnte die Max-Planck-Innovation dies auch in 2010 erneut untermauern.

 

Lizenzverträge

Die Max-Planck-Innovation GmbH vergab 2010 eine exklusive Lizenz für die Analyse-Software TagFinder an die Metabolomic Discoveries GmbH, einen Dienstleistungsanbieter der biochemischen Forschung. Die neue Technologie ist Teil eines innovativen Test-Verfahrens zur Metabolitenanalyse mit dem nahezu alle chemischen Stoffe innerhalb einer biologischen Probe gemessen und interpretiert werden können. Auf diese Weise können Prozesse in der industriellen Biotechnologie oder die Qualität von Lebensmitteln gezielt verbessert werden. Mithilfe von TagFinder, das am Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Golm entwickelt wurde, können im Unterschied zu herkömmlichen Methoden nicht nur einige wenige, sondern mehrere hundert Stoffwechselprodukte in einer Probe identifiziert werden. Die neu gewonnenen Erkenntnisse können u.a. als Grundlage für die gezielte Verbesserung von Lebensmitteln dienen. So kann z.B. die Saatgutindustrie schneller diejenigen Metabolite identifizieren, die für die Widerstandsfähigkeit einer Pflanze verantwortlich sind, und diese durch entsprechende Maßnahmen erhöhen. Mit der neuartigen Metabolitenanalyse können darüber hinaus metabolische Biomarker identifiziert werden. Biomarker können Metabolite oder Metabolitenkombinationen sein, die als Indikator für spezielle Eigenschaften dienen. Im Bereich der Pflanzenzucht wird beispielweise an metabolischen Biomarkern geforscht, die schon im Saatgut den späteren Ertrag vorhersagen. Darüber hinaus findet die Methode Anwendung in der Medizin und kann hier bei der frühen Diagnose von Prostatakrebs oder der Identifizierung von Risikogruppen für Diabetes und Herzinfarkt helfen.

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Original 1302012639
Abb. 1: LifeAct, gekoppelt an grün fluoreszierendes Protein, färbt Aktin-Zytoskelett in einer dendritischen Zelle aus der Maus.
Abb. 1: LifeAct, gekoppelt an grün fluoreszierendes Protein, färbt Aktin-Zytoskelett in einer dendritischen Zelle aus der Maus.

Einen Lizenzvertrag zur Untersuchung des Zellskeletts schloss die Max-Planck-Innovation mit ibidi, einem Anbieter von Zellanalytik-Produkten. Ein neuartiges Peptid namens LifeAct, entwickelt am Max-Planck-Institut für Biochemie, ermöglicht es, das wichtige Protein Aktin in lebenden Zellen sichtbar zu machen, ohne die Aktin-abhängigen Prozesse zu stören. Zellen sowie die Entstehung verschiedener Krankheiten können so besser untersucht werden. Aktin spielt als Komponente des Zytoskeletts u.a. eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Organen und der Bewegung von Zellen. Aktin-Defekte im Zytoskelett werden mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindungen gebracht, darunter der polyzystischen Nierenerkrankung – und auch invasiven Tumoren. Die Untersuchung des Zytoskeletts und besonders des Aktins ist daher ein Schwerpunkt in der biologisch-medizinischen Forschung. In der Vergangenheit standen Marker zur Verfügung, die Aktin zwar sichtbar machten, aber auch dessen Aktivität störten. Der von ibidi einlizenzierte Aktinmarker LifeAct bindet dagegen an das Strukturprotein, ohne dessen Funktion einzuschränken. Das nur 17 Proteinbausteine große LifeAct ist mit einem fluoreszierenden Farbstoff beladen, der es ermöglicht, in lebenden Zellen die Entwicklung und Bewegung von Aktinstrukturen zu verfolgen. Künftig wird das Peptid von der Firma ibidi in verschiedenen Produkten zur biologischen Analytik angeboten werden. Mithilfe des Markers kann nun die Bewegung von Zellen visualisiert und quantifiziert werden. Krankhafte Prozesse, an denen Aktin beteiligt ist, könnten so entschlüsselt werden. Die neue Technologie kann so insbesondere bei Untersuchungen zur Angiogenese, also der Bildung von Blutgefäßen, aber auch in der Onkologie, Neurologie und Immunologie von großem Nutzen sein.

 

Ausgründungen

Mit dem Drug Delivery Spezialisten Thermosome GmbH, der auf psychatrische Erkrankungen fokussierten HolsboerMaschmeyerNeuroChemie GmbH und der über das GoBio-Programm des BMBF geförderten Eupheria GmbH hat Max-Planck-Innovation in 2010 drei Erfolg versprechende Ausgründungen begleitet. Zudem konnten mehrere Ausgründungen mit MPG-Beteiligung neue Finanzmittel einwerben. Das in 2010 eingesammelte Gesamtfinanzierungsvolumen betrug über 30 Mio. EUR. Das Unternehmen SuppreMol GmbH, das innovative Medikamentenkandidaten für Autoimmunerkrankungen entwickelt, konnte erneut mehr als 15 Mio. EUR zur präklinischen und klinischen Entwicklung Ihrer Arzneimittelkandidaten einwerben. Die neue Finanzierung erlaubt es dem Unternehmen zwei klinische Studien Phase IIa zu starten.

Die Lead Discovery Center GmbH (LDC) wurde 2007 von Max-Planck-Innovation und der MPG gegründet, um das Potenzial exzellenter Grundlagenforschung besser zu nutzen. Das Ziel ist es, aussichtsreiche Forschungsprojekte u.a. aus den Max-Planck-Instituten professionell in die Entwicklung neuer Medikamente zu überführen. Ende 2010 hat das LDC ein Kooperationsabkommen mit der Merck KGaA unterzeichnet, um neue Kinase-Inhibitoren zur Behandlung von Krebs zu entwickeln. Grundlage bildet eine innovative Kinase-Technologie, die am Chemical Genomics Centre der Max-Planck-Gesellschaft (CGC, Dortmund) entwickelt wurde. Gemeinsam wollen Merck Serono, ein Sparte der Merck KGaA, und das LDC diese Plattform nutzen, um inhibitorische Wirkstoffe gegen mindestens eine definierte Kinase zu identifizieren und diese über die verschiedenen Stufen der frühen Wirkstoffentwicklung bis zur pharmazeutischen Leitstruktur weiter zu entwickeln. Kinasen spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulation zellulärer Prozesse wie Wachstum, Stoffwechsel und Differenzierung. Für die Entwicklung neuer Medikamente haben sie deshalb eine zentrale Bedeutung gewonnen, insbesondere im Bereich der Onkologie. Mithilfe der neuen Technologie können neuartige, sogenannte allosterische Kinase-Inhibitoren identifiziert werden, die aller Voraussicht nach eine verbesserte Wirksamkeit und Selektivität bei der Behandlung von Krebs zeigen werden.

Die Life Science Inkubator GmbH (LSI) wurde 2007 von Max-Planck-Innovation mit dem Ziel gegründet, Ausgründungen im Bereich der Lebenswissenschaften zu erleichtern. Diese Vorhaben sind oftmals mit langen Entwicklungszeiten sowie hohen Kosten und Risiken behaftet. 2010 befinden sich bereits zwei viel versprechende Ausgründungsprojekte mit innovativen Ansätzen und großem wirtschaftlichen Potential im LSI. Diese haben nun die Möglichkeit, ihre Forschungsergebnisse zu einem Reifegrad weiterzuentwickeln, der das Interesse zukünftiger potenzieller Investoren wecken soll. Möglich ist das durch die umfassenden Leistungen des LSI. Das in Deutschland bislang einzigartige Inkubationskonzept mit Sitz am Forschungszentrum caesar in Bonn nimmt dazu Forschungsprojekte aus den Bereichen Biotechnologie, Pharma und Medizintechnik in seinen Räumlichkeiten auf. Das Projekt VLP (Virus-like-Particles) von Projektleiter Dr. Heiko Manninga beruht auf einer Technologie, mit der es möglich ist, Wirkstoffe gezielt in bestimmte Zellen einzubringen. VLPs könnten so in Zukunft zum Transport verschiedenster Substanzen zur Therapie von Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson eingesetzt werden. Eine neuartige Möglichkeit zur Behandlung und Heilung entzündlicher Magen-Darm-Erkrankungen hat der Projektleiter des zweiten Projektes, Prof. Dr. Götz Nowak, mit dem „Endotoxin-Biokatalysator“ entwickelt. Das Wirkprinzip des Endotoxin-Biokatalysators besteht aus speziellen Polymerpartikeln, die diese Endotoxine deaktivieren und so den Körper entgiften. Die Entwicklungen der Projektgruppe sollen in Zukunft bis zu 1 Mio. Patienten in Europa, die an entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen leiden, helfen.

Besonders erfreulich ist, dass neben der MPG, die gleich von Anfang an eng eingebunden war, im Rahmen einer strukturellen Anpassung in 2010 mit der Fraunhofer Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft gleich zwei weitere international sehr renommierte Forschungseinrichtungen als neue Partner und Gesellschafter für LSI gewonnen werden konnten.

 

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2010 wurden der Max-Planck-Innovation 126 Erfindungen gemeldet (2009: 130) und es wurden 81 Verwertungsverträge (inkl. Vereinbarungen zu Gemeinschaftserfindungen/TT-Vereinbarungen) abgeschlossen (2009: 76). Die Verwertungserlöse betragen voraussichtlich 16,0 Mio. Euro (2009: 16,5). Zu diesem Erlös trugen Beteiligungsverkäufe in Höhe von 0,3 Mio. Euro bei (2009: 0,4). Die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2010 liegen aufgrund der nachgelagerten Abrechnung verschiedener Lizenznehmer erst ab Mitte 2011 vor. Im Gründungsbereich kamen 2010 mit der Eupheria GmbH, der HolsboerMaschmeyerNeuroChemie GmbH und der Thermosome GmbH drei weitere Erfolg versprechende Ausgründungen aus den Max-Planck-Instituten hinzu. Zudem konnten mehrere MPG-Ausgründungen in 2010 erfolgreich weitere Finanzmittel einwerben.

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