Körpergeruch in der Falle

Wissenschaftler können die Duftsignale von Säugetieren nicht invasiv einfangen und untersuchen

19. September 2017

Säugetiere kommunizieren miteinander unter anderem über Gerüche. So erkennen sie verwandte oder befreundete Artgenossen oder finden den passenden Fortpflanzungspartner. Gerüche im Freiland einzufangen, ist jedoch alles andere als einfach. Ein Team von Forschern der Universität Leipzig und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben jetzt eine Methode zur Sammlung von Geruchsproben so angepasst, dass mit ihr zukünftig Geruchsproben von frei lebenden Säugetieren eingefangen werden können.

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Säugetiere, wie zum Beispiel Erdmännchen, kommunizieren mit Artgenossen unter anderem auch über den Geruchssinn.
Säugetiere, wie zum Beispiel Erdmännchen, kommunizieren mit Artgenossen unter anderem auch über den Geruchssinn.

Der Geruchsinn ist für die soziale Kommunikation bei Säugetieren von zentraler Bedeutung und kann Artgenossen Informationen über individuelle Eigenschaften wie Identität, Geschlecht, Gruppenmitgliedschaft oder die Qualität des Erbguts eines potentiellen Fortpflanzungspartners vermitteln. Ein detailliertes Verständnis der Geruchskommunikation wird jedoch dadurch behindert, dass passende Duftproben von Säugetieren vor allem im Freiland nur schwer zu erhalten sind. Wissenschaftlerinnen der Forschungsgruppe für Verwandtschaftsselektion bei Primaten am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und der Forschungsgruppe für Verhaltensökologie an der Universität Leipzig haben daher eine Methode aus der Pflanzenökologie angewendet, um Säugetieren auf eine nicht-invasive Art Körpergeruchsproben zu entnehmen.

Die Forscher fingen die Umgebungsluft um ein Tier in einer so genannten Adsorptionsfalle ein. Die Luft analysierten sie dann mithilfe der Gaschromatografie-Massenspektrometrie auf ihre chemische Zusammensetzung. „Wir sammelten Proben von Erdmännchen, die sich in ihren Gehegen im Zoo Leipzig bzw. an der Universität Zürich frei bewegen können“, sagt Erstautorin Brigitte Schlögl. „Bei der Probennahme haben wir verschiedene Parameter variiert, so zum Beispiel die Entfernung zum Tier oder die Menge der zu prüfenden Luft.“ So konnten die Forscher beurteilen, wie sich verschiedene Parameter auf die chemische Qualität der Probe auswirken.

Anschließend haben die Forscher eine Anleitung zur Probennahme entwickelt, die qualitativ hochwertige chemische Proben liefert und die vor allem auch im Freiland durchführbar ist. Zum Beispiel zur Probennahme aus kurzer Entfernung zum Tier bei an Menschen gewöhnten Tieren oder zur Probennahme aus Nestern und Ruheplätzen, nachdem die Tiere diese verlassen haben. „Mit diesem Protokoll konnten wir Unterschiede bei den chemischen Profilen zwischen verschiedenen Erdmännchen-Gruppen feststellen“, sagt Schlögl. Die Methode ist also für die Beantwortung biologischer Fragestellungen hervorragend geeignet.

„Zukünftig ermöglicht das Verfahren nicht-invasive Studien über eine breite Palette von Fragestellungen zur Kommunikation mit Gerüchen, einschließlich z.B. chemische Signaturen der Verwandtschaft, Ernährungsweise, des individuellen Gesundheitszustandes oder der Fortpflanzungsbereitschaft“, sagt Forschungsgruppenleiterin und Co-Autorin Anja Widdig.

SJ/HR

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