Verbesserte Analysemethoden erleichtern Artenschutz

Forscher entwickeln Analysemethoden weiter, mit denen sie aus der Ferne die Größe von Wildtierpopulationen schätzen können

Kamerafallen kommen häufig zur Erforschung des Verhaltens von Tieren in freier Wildbahn oder der Artenvielfalt in abgelegenen Gebieten zum Einsatz. Wissenschaftler von der University of St. Andrews in Großbritannien, dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig haben jetzt Analysemethoden weiterentwickelt, sodass auch von Kamerafallen aufgezeichnete Daten weiter verarbeitet werden können. So können die Forscher zukünftig mithilfe von Daten aus Kamerafallen die Populationsgröße zahlreicher Wildtierarten in relativ kurzen Zeitabständen schätzen. Diese Informationen sind für den Artenschutz von äußerster Wichtigkeit.

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Standbilder aus einem Video, das 2014 von einer Kamerafalle im Taï Nationalpark an der Elfenbeinküste aufgenommen wurde. Auf dem oberen Bild zeichnet eine Forscherin Referenzvideos auf, die die gemessenen horizontalen Abstände von der Kameralinse zeigen. Ein Maxwell-Ducker, eine Antilopenart, wurde dann von dieser Kamera gefilmt.
Standbilder aus einem Video, das 2014 von einer Kamerafalle im Taï Nationalpark an der Elfenbeinküste aufgenommen wurde. Auf dem oberen Bild zeichnet eine Forscherin Referenzvideos auf, die die gemessenen horizontalen Abstände von der Kameralinse zeigen. Ein Maxwell-Ducker, eine Antilopenart, wurde dann von dieser Kamera gefilmt.

Die mit Hilfe von Bewegungssensoren automatisch gesteuerte Bildaufzeichnung („Kamerafallen“) hat in den letzten Jahren die Erhebung von Populationsdaten von Wildtierarten revolutioniert. Kamerafallen helfen den Forschern beim Aufspüren seltener Tierarten, bei der regelmäßigen Arteninventur und bei Verhaltensbeobachtungen. Bisher konnten Daten aus Kamerafallen auch zur Schätzung der Populationsdichte und -größe herangezogen werden, wenn einzelne Tiere mithilfe der Aufzeichnungen identifiziert werden konnten,– Informationen, die für ein effektives Wildtiermanagement und den Artenschutz äußerst wichtig sind.

Aus diesem Grunde haben sich Wissenschaftler, die Großkatzen und andere Arten mit unverwechselbaren Fellzeichnungen erforschen, Kamerafallen als Erste zunutze gemacht. Seitdem sind Tausende von Kamerafallen in den Lebensräumen von Wildtieren auf der ganzen Welt zum Einsatz gekommen, vor allem auch im tropischen Regenwald, wo es besonders schwierig ist, mit anderen Mitteln Datenerhebungen durchzuführen. Verlässliche Methoden zur Schätzung der Populationsgröße mittels Kamerafallen und von Tierarten, deren Angehörige nicht individuell identifiziert werden können, gab es bisher noch nicht.

Forscher von der University of St. Andrews, dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) haben vorhandene Analysemethoden weiterentwickelt, sodass jetzt auch von Kamerafallen aufgezeichnete Daten verarbeitet werden können. „Mit der "Distance sampling"-Methode schätzen viele Ökologen die Populationsdichte und -größe von Tierarten“, sagt Hjalmar Kühl vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung. “Mit unseren verbesserten Analysemethoden können Wissenschaftler die Häufigkeit und Abundanz zahlreicher Arten mit Kamerafallen in kurzen Zeitabständen erfassen. Sie müssen dazu die Tiere nicht individuell identifizieren, was einen enormen Zeitgewinn bedeutet.“ Kühl ergänzt: „Die Methoden können leicht in laufende Kamerafallen-Erhebungen in einer Vielzahl von Habitaten und für eine Vielzahl von Tierarten integriert werden; wir werden sie auch im Rahmen unserer eigenen Monitoring-Projekte anwenden.“

Bildanalyse erhöht Aussagekraft von Beobachtungsdaten

Diese Weiterentwicklung ist eine wichtige Ergänzung zu den Analysemethoden, die Forschern, die mit Hilfe von Kamerafallen Daten erheben, aktuell zur Verfügung stehen. Die Analysen erhöhen die Menge und die Qualität von Daten über das Vorkommen von Tieren in der Natur und ihre räumlichen und zeitlichen Schwankungen. Bedrohte Arten können so noch wirksamer geschützt werden. Stephen Buckland von der University of St. Andrews sagt: „Aufgrund technologischer Fortschritte können heute viele Tierarten leichter beobachtet werden als früher. Statistiker müssen mit diesen technologischen Fortschritten Schritt halten und sicherstellen, dass die Forscher aus den Beobachtungsdaten so viele Informationen wie möglich entnehmen können. Dafür sind die jetzt vorgestellten Methoden ein wichtiges Hilfsmittel.” Eric Howe von der University of St. Andrews ergänzt: „Besonders im Hinblick auf das rasante Artensterben und den Verlust der Biodiversität freut es mich mit unserer Forschung dazu beizutragen, Wildtier- und Artenschutzmanagern verbesserte Informationen schnell zur Verfügung stellen zu können.“

Die Computermodelle sind in die kostenfreie Windows-basierte Software Distance und in verschiedene Pakete der Statistik-Software R integriert. Ein detailliertes Handbuch sowie Hilfe von Statistikern stehen Nutzern auf der Projektwebsite ebenfalls kostenfrei zur Verfügung.

SJ, HK, HR

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