Peter Reinhardt mit Tierschutzforschungspreis 2014 ausgezeichnet

Forschung an Stammzellen trägt dazu bei, Tierversuche zu vermeiden

25. September 2014

Peter Reinhardt vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster ist einer der beiden Preisträger des Tierschutzforschungspreises 2014. Er wird damit für die Entwicklung eines Modellsystems ausgezeichnet, mit dem Forscher neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson untersuchen können. Durch den Einsatz sogenannter induzierter pluripotenter Stammzellen lässt sich die Zahl von Tierversuchen verringern.  Der Preis wird seit 1980 vom Bundesministerium für Gesundheit und seit 2001 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft für die Entwicklung wissenschaftlicher Alternativmethoden zu Tierversuchen vergeben.

Peter Reinhardt, einer der beiden Preisträger des Tierschutzforschungspreises 2014.

iPS-Zellen sind bereits reife Zellen, die durch spezielle Signalstoffe wieder in ihren entwicklungsbiologischen Ursprungszustand zurückversetzt wurden. Sie können sich fast unendlich vermehren und wieder in unterschiedliche Zelltypen weiterentwickeln. Wissenschaftler können also aus den iPS-Zellen Gewebe und Organe züchten und im Labor untersuchen. Auf diese Weise können sie die Ursachen von Krankheiten quasi in der Petrischale untersuchen. Dadurch tragen die iPS-Zellen dazu bei, Tierversuche für manche Untersuchungen überflüssig zu machen.

Reinhardt hat aus Hautzellen von Parkinson-Patienten, bei denen die Erkrankung durch eine Veränderung im Erbgut ausgelöst wird, iPS-Zellen hergestellt. Diese lassen sich dann zum Beispiel in Nervenzellen umgewandeln, die den Botenstoff Dopamin ausschütten und die bei der Parkinson-Krankheit absterben. Auf diese Weise konnte Reinhardt die Abläufe, die zum Tod der Zellen führen, in der Kulturschale beobachten und mit den Vorgängen in iPS-Zellen vergleichen, in denen er die Parkinson-Mutation gezielt korrigiert hatte. Dabei stellte er fest, dass unter anderem ein Stresssignalweg in den betroffenen Zellen überaktiviert war. Verringerte er die Aktivität dieses Signalwegs, überlebten die Nervenzellen deutlich länger.

Darüber hinaus hat Reinhardt einen neuartigen Nervenvorläuferzelltyp entdeckt, der für seine Vermehrung nicht auf teure Zusätze in der Nährflüssigkeit angewiesen ist und in deutlich kürzerer Zeit in Nervenzellen verwandelt werden kann. Diese Entdeckung könnte die Erzeugung von Nervenzellen in der Kulturschale kosteneffektiver und robuster machen. „Dadurch ist es möglich geworden, menschliche Nervenzellen systematisch nach Substanzen zu durchforsten, die die Zellen vor dem Absterben schützen“, sagt Reinhardt. Versuche an Tieren sind für diese Untersuchungen nicht erforderlich.

Seit Oktober 2014 arbeitet Peter Reinhardt am Zentrum für regenerative Therapien Dresden (CRTD).

HR

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