Showtime für den Seilroboter

Dietmar Bär, bekannt vor allem als Kommissar Freddy Schenk im Kölner "Tatort", hat für eine TV-Show der ARD das Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik besucht

23. Mai 2016

Für die „Große Show der Naturwunder“, die am 26. Mai im Ersten ausgestrahlt wurde, stieg Dietmar Bär in den weltweit einmaligen Seilroboter des Instituts. So erlebte der Schauspieler mit diesem Bewegungssimulator die virtuelle Welt eines Hubschrauberflugs und konnte Einblick in die Forschung gewinnen.

"Tatort"-Kommissar im Spezialeinsatz: Dietmar Bär beweist im Seilroboter sein Geschick.

Eine Gondel aus Kohlefaserstäben, gehalten von acht daumendicken Stahlseilen, die in den Wänden einer großen Halle verankert und mit leistungsstarken Motoren ausgestattet sind. Nimmt man die moderne Rechentechnik und selbst konzipierte Software hinzu, sind das die grundlegenden Bestandteile des neuen Seilroboters, den Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik in Kooperation mit Kollegen des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung entwickelt haben. Erstmals nun kann diese seilbasierte Anlage auch Menschen transportieren.

Und da die Gondel jeden beliebigen Punkt im Raum erreichen kann, wird zweierlei möglich: Sehr komplexe Bewegungsabläufe lassen sich realistisch nachahmen – und mit spezieller Messtechnik kann erfasst werden, wie der Mensch damit umgeht. Wie also seine Sinne zusammenspielen, wenn er beispielsweise den Start eines Flugzeugs bewältigen muss.

Seit einem halben Jahr steht dieser Seilroboter, zu dessen Programmangebot auch sehr sanfte Bewegungen nah an der menschlichen Wahrnehmungsschwelle gehören, für die Forschung zur Verfügung. Wenn ein Proband mitfährt, trägt er ein „Head Mounted Display“, eine Datenbrille für virtuelle Realität (VR), die ihn je nach Experiment in das passende Szenario versetzt.

Schwebeflug im Helikopter

Als nun Dietmar Bär Mitte März einstieg, starteten die Wissenschaftler das VR-Programm eines Hubschraubercockpits; Bär blickte unter sich auf eine Gebirgslandschaft mit verschneiten Bergen und Bäumen. Durch einen Steuerungsknüppel konnte der Schauspieler die Bewegungen des Seilroboters selbst steuern – die Wissenschaftler gaben ihm dabei etwas Starthilfe, er musste also nicht selbst abheben.

Seine Aufgabe war es nun, den Seilroboter stabil zu halten und mit dem virtuellen Helikopter zu „hovern“, also zu schweben. Dabei wurde es Dietmar Bär nicht leicht gemacht: Es gab verschiedene Schwierigkeitsstufen, da die Forscher nach und nach an diversen Parametern schraubten. So konnten sie die Gravitation von „mondähnlich“ bis zu „erdähnlich“ ändern. Dies bewirkte eine langsamere oder schnellere Reaktion des Systems. „Eine Gravitation wie auf dem Mond lässt das ganze System sehr träge reagieren“, erklärt Philipp Miermeister, Forschungsingenieur in der Abteilung von Max-Planck-Direktor Heinrich Bülthoff.

Auch die Viskosität der Umgebung konnte geändert werden. Die Spanne reichte von honigähnlicher bis zu luftähnlicher Viskosität. Dies habe bei der Steuerung Auswirkungen auf die Stabilität des Helikopters, sagt Miermeister: „Die Bewegung ist gedämpfter, der Helikopter pendelt nicht so stark hin und her und kippt nicht so schnell weg.“

Auch im realen Leben seien für die Steuerung eines Helikopters ständige Ausgleichbewegungen notwendig, so Miermeister: „Sobald der Pilot die Hand vom Steuerknüppel nimmt, wird das System instabil und kommt ins Schleudern.“

Nach mehreren Minuten in Aktion waren die Wissenschaftler überrascht, wie sicher Bär im Schwebeflug navigierte; selbst unter erschwerten Bedingungen gelang es ihm, den Bewegungssimulator stabil zu halten. Und das, obwohl das Schwierigkeitslevel weiter erhöht wurde: In der virtuellen Welt kam Nebel auf, er verschleierte ihm die Sicht, und der Helikopter kam etwas ins Schlingern. Trotz allen Widrigkeiten setzte der „Tatort“-Kommissar am Ende sicher auf dem Boden auf.

Neugierig auf die Wissenschaft

Auch für die Wissenschaftler war der Dreh etwas Besonderes: Schließlich treffen, wenn sich Film und Forschung begegnen, zwei Welten aufeinander: Wissenschaftler sind es gewohnt, im Fachjargon zu reden, während Filmteams das Laienpublikum im Blick haben. Um die Brücke zu schlagen, war der Dreh langfristig vorbereitet worden, zudem wurden Kompromisse gemacht. „Wir haben die Flugsimulation etwas abgeändert und uns auf einzelne Aspekte konzentriert“, sagt Max-Planck-Direktor Heinrich Bülthoff. Gedreht wurde auch an mehreren Simulatoren, hinzu kamen Interviews mit den Forschern. „Generell wollten wir für die Sendung einen Eindruck geben, wie unsere Sinne zusammenarbeiten und wie Menschen schwierige Kontrollaufgaben lösen können, insbesondere wenn Informationen vom Auge und aus dem Gleichgewichtsorgan miteinander verrechnet werden“, sagt Bülthoff (siehe Interview).

Das Ergebnis war am 26. Mai ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen, als die Moderatoren Frank Elstner und Ranga Yogeshwar zur „Großen Show der Naturwunder“ einluden – als prominente Gäste dabei waren die Musicalsängerin Ute Lemper, die Moderatorin Andrea Kiewel, der Sänger Thomas Anders und natürlich Dietmar Bär. Der Beitrag aus Tübingen wurde auch eingespielt, zudem drehte sich eine der Quizfragen um Bärs Selbstversuch im Bewegungssimulator.

Der Kölner „Tatort“-Kommissar war vor Ort übrigens sehr interessiert an der Wissenschaft und nahm sich Zeit für Gespräche. So erfuhr man auch, dass er eine besondere Beziehung zu Tübingen hat, da er sein erstes Engagement als Schauspieler im dortigen Landestheater hatte, wo er dann für drei Jahre arbeitete.

CBO/JE

Weitere interessante Beiträge

Zur Redakteursansicht