Künstlerin an der Gen-Schere

Am 1. März wurden die Leibniz-Preise in Berlin vergeben. Neben zwei weiteren Max-Planck-Wissenschaftlern erhielt die Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier vom Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie die höchste wissenschaftliche Auszeichnung in Deutschland.

Die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier arbeitet seit 1. Oktober 2015 als Direktorin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin.

Die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier untersucht vor allem, wie bakterielle Pathogene mit ihrer Umwelt, einschließlich ihres menschlichen Wirts, interagieren. Im Rahmen dieser Studien entdeckte sie, dass sich das CRISPR-Cas9-System von Bakterien als extrem präzises Werkzeug einsetzen lässt, um genetisches Material zu bearbeiten und die Funktion von Genen zu untersuchen. Die neue Gentechnik-Methode kann unter anderem dazu genutzt werden, um neue Behandlungsmöglichkeiten für schwerwiegende Krankheiten des Menschen zu entwickeln.

Zwischen 2011 und 2012 entschlüsselte Charpentier mit ihrem Team an der Universität Umeå in Schweden die Schlüsselkomponenten und den Mechanismus des bakteriellen Immunsystems. Denn auch Bakterien werden krank: Einige Viren, sogenannte Bakteriophagen, können Bakterienzellen infizieren und ihr Erbgut ins Genom der Mikroben einschleusen. Als Schutz haben Bakterien deshalb eine Art molekulare Schere entwickelt, mit der sie fremdes Erbgut wieder herausschneiden können, das sogenannte CRISPR-Cas9-System.

Charpentier und ihr Team konnten zeigen, dass sich Gene mit diesem System gezielt verändern lassen. Die Technik wird als molekularbiologisches Werkzeug inzwischen weltweit eingesetzt. Auf diese Weise könnten künftig auch genetisch bedingte Erkrankungen wie zum Beispiel Cystische Fibrose oder Sichelzellenanämie behandelt werden.

„Im Zentrum meiner Forschung steht dabei das Verständnis der regulatorischen Prozesse bei von Bakterien ausgelösten Infektionskrankheiten. Ich sehe das als eine große Chance, um dieses Gebiet der Mikrobiologie in der Max-Planck-Gesellschaft zu stärken", erklärte Charpentier im Oktober 2015, als sie als Direktorin an das Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie kam.

Die Entdeckung des CRISPR-Cas9-Systems gilt als ein Meilenstein für die Molekularbiologie und hat Emmanuelle Charpentier bereits zahlreiche Auszeichnungen beschert, darunter den Breakthrough Prize in Life Sciences, den Ernst Jung-Preis, den Louis-Jeantet-Preis für Medizin sowie den schwedischen Göran-Gustafsson-Preis. Das Fachmagazin Science zählte die Gentechnik-Methode zu den Top Ten der wissenschaftlichen Leistungen 2015. Seine Entdeckerin sicherte sich damit einen Platz auf der Liste der weltweit einflussreichsten Persönlichkeiten des Time Magazine.

Am 1. März wurden neben Emmanuelle Charpentier noch eine weitere Max-Planck-Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet: Marina Rodnina vom Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und Benjamin List vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr.

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