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Michael Greiner

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Originalpublikation

Divya Mehta, Torsten Klengel, Karen N Conneely, Alicia K Smith, André Altmann, Thaddeus W Pace, Monika Rex-Haffner, Anne Loeschner, Mariya Gonik, Kristina B Mercer, Bekh Bradley, Bertram Müller-Myhsok, Kerry J Ressler, Elisabeth B Binder
Childhood maltreatment is associated with distinct genomic and epigenetic profiles in posttraumatic stress disorder
PNAS, May 29 2013

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Psychiatrische Diagnosen scheinen zu oft ungenau

Die erlittenen Traumata von Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung wirken sich unterschiedlich aus

29. April 2013

Behandlungen psychischer Störungen folgen bisher meist dem Schema, dass bei gleicher Diagnose und gleichen Symptomen verschiedene Patienten gleich behandelt werden. Ein internationales Forscherteam, unter Leitung von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, legt mit einer neuen Studie den Schluss nahe, dass dieses Konzept überdacht werden muss.

Erstmals ist es in einer genomweiten Studie an Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung gelungen, den Einfluss unterschiedlicher Traumata auf die Biologie der Erkrankung eindeutig darzustellen. Danach sind auf der Ebene der Genregulation und Epigenetik in erster Linie nicht die diagnostizierten Symptome entscheidend für die Biologie eines Patienten, sondern die sogenannten Umweltrisikofaktoren – wie etwa Zeitpunkt, Dauer, Intensität oder Art eines erlittenen Traumas. Die bisher unbeantwortete Frage, ob biologische Veränderungen bei Angststörungen wie Posttraumatischer Belastungsstörung, diese individuellen Umweltfaktoren abbilden oder nicht, konnte damit erstmals beantwortet werden.

Den Einfluss unterschiedlicher Umweltfaktoren untersuchten die Forscher am Beispiel der Auswirkungen von Missbrauch und Misshandlung in der Kindheit bei Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung. Dazu analysierten sie periphere Blutzellen von 169 männlichen und weiblichen Personen im Durchschnittsalter von 45 Jahren und verglichen sie miteinander. Alle Personen waren stark traumatisiert und stammten aus der amerikanischen Stadt Atlanta. Eingeteilt wurden sie nach ihrer Vorprägung in drei Gruppen: eine Gruppe, die zwar traumatisiert, aber nicht an Posttraumatischer Belastungsstörung erkrankt war sowie zwei weitere Gruppen, die an den Symptomen einer Belastungsstörung litten und sich dadurch unterschieden, dass eine der beiden über Missbrauch und Misshandlung in der Kindheit berichtete, die andere nicht.

Um die Veränderungen der Genregulation darzustellen, schauten sich die Forscher sogenannte mRNA-Transkripten an – kurze, einsträngige Kopien der DNA-Sequenz, die Informationen für die Herstellung der Proteine und Enzyme codieren. Außerdem wurden die lang anhaltenden Veränderungen in der DNA gemessen, die sogenannten DNA-Methylierungen, die eine Art der epigenetischen Regulation des Stoffwechsels jeder Zelle darstellen. Überraschenderweise zeigten sich bei den zwei Gruppen mit einer Belastungsstörung im Vergleich zu den Kontrollgruppen, komplett unterschiedliche und nicht überlappende molekulare Muster. 98 Prozent der Transkripte waren Trauma-spezifisch verändert, je nach dem, ob die Person eine Misshandlung im Kindesalter erlitten hatte oder nicht.

„Es sieht danach aus, dass Patienten mit der gleichen Diagnose und den gleichen Symptomen aber unterschiedlichen Umweltbedingungen, klare messbare Unterschiede aufweisen“, erklärt Divya Mehta, Erstautorin der Studie. „Das zeigt sich auch bei den epigenetischen Markierungen, die von ihrem Umfang her 12 Mal so häufig in der Gruppe mit Kindesmisshandlung vorkommen.“

„Das Ergebnis bestätigt unseren Verdacht, dass die Biologie psychiatrischer Erkrankungen komplexer ist, als bisher oft angenommen“, kommentiert Elisabeth Binder, Leiterin der Studie. „Traumatische Ereignisse, die in früher Kindheit geschehen, schreiben sich über sehr lange Zeit in der Zelle fest. Nicht nur die Erkrankung an sich, sondern unser gesamtes Erleben bis zur Erkrankung, scheint eine große Rolle in der Biologie von Angststörungen und Depression zu spielen.“ Bei der Behandlung von Angststörungen und Depressionen solle dies berücksichtigt werden, betont Binder.

Für die zukünftige Entwicklung von Biomarkern sei das Studienergebnis ein wichtiger Schritt voran, hebt Erstautorin Mehta hervor: „Es gibt uns ein besseres Verständnis für die Risikofaktoren psychiatrischer Erkrankungen und hilft uns, individuelle Diagnose- und Behandlungsstrategien dafür zu entwickeln.“

MG/HR

 
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