Max Planck Center in Dänemark wird eingeweiht

Max Planck Center in Dänemark eingeweiht

Demografischer Wandel mit neuem Ansatz interdisziplinär erforscht

31. Januar 2013

Seit 1840 ist die Lebenserwartung in den jeweils rekordhaltenden Ländern um zweieinhalb Jahre pro Jahrzehnt gestiegen. Hält dieser Trend an, haben viele heute geborene Kinder gute Chancen, ihren 100. Geburtstag zu feiern. Das neue Max-Planck Odense Center on the Biodemography of Aging erforscht die mit diesem gewaltigen gesellschaftlichen Wandel verbundenen Fragen.
MPG-Präsident Peter Gruss in Odense Bild vergrößern
MPG-Präsident Peter Gruss in Odense

Die Max-Planck-Gesellschaft hat gemeinsam mit der Syddansk Universitet das Max-Planck Odense Center on the Biodemography of Aging gegründet. Führende Wissenschaftler erforschen dort in einem interdisziplinären Team, warum die Lebenserwartung steigt, sich der Gesundheitszustand im Alter immer mehr verbessert und welche Konsequenzen damit verbunden sind. „Ein längeres Leben bei guter Gesundheit bedeutet mehr Chancen für jeden einzelnen, stellt aber gleichzeitig Gesellschaft und Wirtschaft vor immense Herausforderungen. Um ihnen zu begegnen, müssen wir unser Wissen über das Altern wesentlich erweitern. Daher führt das neue Center herausragende Wissenschaftler aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen“, erläuterte Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Das neue Center wurde am 31. Januar 2013, begleitet von einem Symposium, in Odense feierlich eingeweiht.

Das noch relativ neue Arbeitsgebiet der Biodemografie untersucht die Zusammenhänge zwischen jenen Faktoren, die die Mortalität und die Fertilität einzelner Arten festlegen, wie etwa die genetische Disposition, Umwelteinflüsse, oder zufällige Variationen in den Geburts- und Sterberaten. Dabei werden Daten zu menschlichen und nicht-menschlichen Spezies erfasst, um mit Hilfe demografischer Modelle jene evolutionären Gesetzmäßigkeiten genauer zu bestimmen, die Alterung beschleunigen oder verlangsamen können. „Biodemografie bietet neue Ansätze, um Antworten auf wichtige Fragen zu finden, die sich Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen stellen. Zum Beispiel die Frage, wie es um unsere Gesundheit bestellt sein wird, wenn wir immer älter werden“, sagte James W. Vaupel, Direktor am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock und Leiter des neuen Centers in Odense. Direkter Partner bei der auf fünf Jahre angelegten Zusammenarbeit sind die Fakultäten der Gesundheits- und Naturwissenschaften der Syddansk Universitet. Als Grundfinanzierung sind jährlich zwei Millionen Euro vorgesehen, die jeweils zur Hälfte von beiden Partnern getragen wird.

Der interdisziplinäre Charakter des Forschungsfeldes führt dazu, dass an dem Center zukünftig Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Fachgebieten, etwa der Demografie, Evolutionsbiologie, Epidemiologie und Mathematik, in vier Forschungsbereichen zusammenarbeiten. Der Bereich Human Longevity beschäftigt sich mit der Entwicklung der Lebenserwartung, die Unit on Medical Demography fragt, inwieweit eine längere Lebenszeit auch mit einer Zunahme der Lebensjahre bei insgesamt verbesserter Gesundheit einhergeht und welche Faktoren die alters- und geschlechtsspezifische Sterblichkeit beeinflussen. Im Bereich Forecasting and Policy geht es unter anderem darum, zielgenauere Methoden zu erarbeiten, mit denen sich die Entwicklung von Gesundheit und Langlebigkeit besser vorhersagen lässt, damit Politik, Gesellschaft und Wirtschaft präzisere Maßnahmen entwickeln können. In einem vierten Bereich – der Unit on Evolutionary Biodemography – beschäftigen sich die Forscher mit Fragen zu grundlegenden Umweltparametern und evolutionären Selektionsmechanismen, die bei unterschiedlichen Arten die Alterung beeinflussen. Ziel ist es dabei auch, die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten in mathematischen Modellen dazustellen.

Die Einrichtung von Max Planck Centers ist Teil der Internationalisierungsstrategie der Max-Planck-Gesellschaft. Dort können die beteiligten Institute in wissenschaftlich vielversprechenden Bereichen ihre Zusammenarbeit mit herausragenden ausländischen Partnern institutionalisieren. Anders als die Max-Planck-Institute im Ausland sind sie als Kooperationsprojekt zwischen einer lokalen Forschungseinrichtung oder Universität und einem Max-Planck-Institut in Deutschland angelegt. Das Max-Planck Odense Center on the Biodemography of Aging ist das erste Max Planck Center in Skandinavien.

 
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