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Pressebeauftragter

Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden

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Eine Biologievorlesung hat Eugene W. Myers nie besucht. Trotzdem hat er auf diesem Gebiet Karriere gemacht und mit einem Computerprogramm maßgeblich zur Entschlüsselung des menschlichen Erbguts beigetragen. Seit Kurzem ist der Bioinformatiker Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik und am Zentrum für Systembiologie in Dresden.

Text: Elke Maier

Er hat an der Sequenzierung des menschlichen Genoms entscheidend mitgewirkt: Eugene W. Myers, neuer Direktor am Dresdner Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik. Bild vergrößern
Er hat an der Sequenzierung des menschlichen Genoms entscheidend mitgewirkt: Eugene W. Myers, neuer Direktor am Dresdner Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik. [weniger]

Eugene W. Myers sitzt konzentriert vor dem Bildschirm, die Brille auf die Stirn geschoben. Eine Mail muss noch verschickt werden, dann ist Myers ganz für seinen Besuch da. Sein schlichtes Büro liegt im zweiten Stock des Dresdner Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik. Die Nachricht, die er eben tippt, ist für Klaus Tschira in Heidelberg bestimmt. Gemeinsam mit der Klaus Tschira Stiftung und der Max-Planck-Förderstiftung hat die Max-Planck-Gesellschaft das neue Zentrum für Systembiologie ins Leben gerufen, an dem Eugene – „Gene“ – W. Myers seit einem halben Jahr Direktor ist. Das Zentrum ist ein Gemeinschaftsprojekt der Dresdner Max-Planck-Institute für molekulare Zellbiologie und Genetik sowie für Physik komplexer Systeme. Es soll Methoden entwickeln, die es erlauben, die vielschichtigen Abläufe in der belebten Natur besser zu verstehen.

Jeans, weißes Hemd, dazu ein schwarzes Jackett, grau melierte, gewellte Haare und dunkle Augen: Äußerlich erinnert Gene Myers ein wenig an den Hollywood-Schauspieler Richard Gere. Berühmt ist er auch – nicht auf der Leinwand, aber in der Bioinformatik. Der US-Amerikaner ist einer der Pioniere in dieser Disziplin. Er hat die Entschlüsselung des menschlichen Genoms um die Jahrtausendwende herum entscheidend vorangebracht. Die Software BLAST, die er 1990 mitentwickelte, benutzen Forscher in aller Welt, um DNA-Sequenzen miteinander zu vergleichen. Er wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Max-Planck-Forschungspreis 2004; außerdem hat ihn das Magazin Genome Technology zum einflussreichsten Bioinformatiker ernannt.

Von der Sequenzanalyse zur Mikroskopie

Gene Myers ist leidenschaftlicher Kaffeetrinker. Folgerichtig schlägt er die Cafeteria im Foyer des Instituts vor, wo er sich einen Cappuccino holt und an einem der metallenen Bistrotische Platz nimmt. In das Gesagte streut er hin und wieder deutsche Ausdrücke ein und betont es durch eine lebhafte Gestik, besonders dann, wenn er von etwas begeistert ist. Und das ist er oft – wenn er etwa erklärt, wie er, der sich jahrelang mit der Sequenzanalyse beschäftigt hatte, zur Mikroskopie gekommen ist. „Das war 2003 bei einem Besuch am Max-Planck-Institut“, sagt er und nippt an seinem Cappuccino. „Tony Hyman zeigte mir Filmaufnahmen einer sich teilenden Zelle. Ich konnte genau beobachten, wie sich der Spindelapparat ausbildete und die Chromosomenhälften gleichmäßig auf die beiden Tochterzellen verteilte. Ich fand das faszinierend“, schwärmt er. „Man konnte das Wachstum der röhrenförmigen Spindelproteine sehen, jeden einzelnen Mikrotubulus. Ich wusste bis dahin gar nicht, was man mit einem Mikroskop alles sehen kann!“ Solche Aufnahmen sind noch nicht so lange möglich. „Erst seit ungefähr zehn Jahren sind wir in der Lage, jedes beliebige Protein in einer Zelle mithilfe von Fluoreszenzfarbstoffen sichtbar zu machen“, sagt Myers. Die Wissenschaftler können damit im Mikroskop live verfolgen, was in einer lebenden Zelle passiert.

Für Gene Myers, der damals an der University of California in Berkeley arbeitete, war der Film der Dresdner Forscher ein Schlüsselerlebnis. Bis dahin hatte er sich vor allem mit dem Buchstabencode des Genoms beschäftigt und Computerprogramme für den Vergleich von Gensequenzen entwickelt. Von nun an richtete er seinen Fokus auf das, was in diesem Code festgeschrieben ist. „Ich will wissen, wie das Erbgut die vielfältigen Formen des Lebens hervorbringt“, sagt er. „Wie bestimmen etwa die Gene, wie das Gehirn der Fruchtfliege Drosophila verschaltet ist und wie es funktioniert?“

 
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