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In Göttingen entsteht der Photonics Inkubator

In Göttingen entsteht der Photonics Inkubator

Aktuelle Entwicklungen der Lasertechnologie und der Mikroskopie werden in Ausgründungsunternehmen vermarktet

13. Dezember 2012

Neue Erkenntnisse aus der Photonik-Forschung werden künftig leichter in die Anwendung finden. Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, David McAllister, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, und Johanna Wanka, niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, haben in Hannover den Photonics Inkubator (PI) vorgestellt. Diese neue Tochterfirma der Max-Planck-Innovation GmbH, der Transfergesellschaft der Max-Planck-Gesellschaft, wird Projekte etwa aus der Lasertechnologie und der Mikroskopie technologisch so weit entwickeln und organisatorisch begleiten, dass sie von Ausgründungsunternehmen vermarktet werden können. Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Life Science Inkubator GmbH und die Max-Planck-Innovation GmbH (MI) werden den Photonics Inkubator 2013 gemeinsam am Laser-Laboratorium Göttingen etablieren.
Auf dem Weg zur Marktreife: Der Photonics Inkubator könnte unter anderem neue Entwicklungen in der hochauflösenden STED-Mikroskopie, die Stefan Hell am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie erfunden hat und deren Strahlengänge hier zu sehen sind, so weit vorantreiben, dass Ausgründungsunternehmen sie vermarkten können. Bild vergrößern
Auf dem Weg zur Marktreife: Der Photonics Inkubator könnte unter anderem neue Entwicklungen in der hochauflösenden STED-Mikroskopie, die Stefan Hell am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie erfunden hat und deren Strahlengänge hier zu sehen sind, so weit vorantreiben, dass Ausgründungsunternehmen sie vermarkten können. [weniger]

„In Deutschland gibt es eine Innovationslücke zwischen der Grundlagenforschung und der technologischen Anwendung“, sagt Peter Gruss. „Die Max-Planck-Innovation folgt als Transfertochter der Max-Planck-Gesellschaft der Mission, diese Lücke zu schließen. Mit dem Inkubator-Konzept, das sich beim Life-Science Inkubator am Bonner Forschungszentrum Caesar bereits bewährt hat, hat sie eine hervorragende Möglichkeit geschaffen, Erkenntnisse der Grundlagenforschung in Ausgründungsunternehmen zur Anwendung zu bringen.“

Und diesen bewährten Ansatz wird MI nun auch in der Photonik verfolgen. Dieses Gebiet umfasst im weiteren Sinne alle Entwicklungen in der nicht klassischen Optik wie etwa die Lasertechnologie oder innovative Formen der Mikroskopie. Die am Göttinger PI zur Inkubation anstehenden Projekte aus universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sollen sich schwerpunktmäßig Anwendungen dieser Technologie in den Lebenswissenschaften wie etwa der medizinischen Diagnostik widmen. Denkbar ist aber auch die Inkubation von Photonik-Projekten mit anderen Anwendungen, zum Beispiel der Sprengstoff-Detektion.

Niedersachsen bietet eindeutige Standortvorteile für den Photonics Inkubator

„Photonik ist innovativ und gehört zu Niedersachsen. Der Inkubator wird die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts noch besser zur Anwendung bringen. Das schafft Arbeitsplätze und erleichtert unseren Alltag“, sagt der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister. So sei der Laser im realen Leben angekommen, ob in der Kommunikation, der Unterhaltungselektronik oder der Medizintechnik. „Wir reden nicht mehr von Science-Fiction, sondern von einer aufstrebenden photonischen Wirtschaft“, betont der Ministerpräsident.

Niedersachsen bzw. Göttingen empfehlen sich als Standort für den Photonik Inkubator zum einen, weil es dort im Bereich der Lasertechnologie mit dem Laser-Laboratorium Göttingen und dem ausgründungsstarken Laserzentrum Hannover zwei herausragende Akteure gibt. Zum anderen steht das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und insbesondere die Abteilung NanoBiophotonik von Stefan Hell für die Entwicklung neuer hochauflösender Mikroskopieverfahren (STED – Stimulated Emission Depletion) und ihrer Anwendung in den Lebenswissenschaften. Schließlich ist auch die Industrie in dieser Branche mit vielen Akteuren im lokalen Measurement Valley in Göttingen stark vertreten.

„In über 25 Jahren haben sich das Laser-Laboratorium Göttingen und das Laserzentrum Hannover einen Spitzenplatz in der Laserforschung erarbeitet“, sagt Johanna Wanka, die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur. „Jetzt wollen wir den Wissenstransfer weiter verbessern und die Forschungsergebnisse noch schneller an den Markt bringen.“

Die Ausgründungsaktivität in der Photonik-Branche ist bislang zu gering

Die Photonik-Branche insgesamt setze 2011 weltweit 350 Milliarden Euro um und erzielt derzeit eine jährliche Wachstumsrate von acht Prozent. Der weltweite Markt allein für Produkte der Lasertechnologie setzt jährlich 100 Milliarden Euro um. Der deutsche Anteil daran beläuft sich auf neun Prozent, in manchen Teilbereichen wie der Produktionstechnik (Laserschweißen, -schneiden und -bohren etc.), der Bildverarbeitung und Medizintechnik liegt der deutsche Marktanteil sogar zwischen 17 und 40 Prozent. Fast 7 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland im Bereich der optischen Technologie. Zudem sind viele Branchen wie die Automobilindustrie und die Chemie auf innovative Produkte der Lasertechnologie angewiesen, um ihre eigene Stellung im Weltmarkt zu behaupten. Vor diesem Hintergrund hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung 2011 die Hightech Strategie „Photonik Forschung Deutschland – Licht mit Zukunft“ ins Leben gerufen und unterstützt Forschung und Entwicklung in diesem Bereich in den nächsten Jahren mit gut 100 Millionen Euro.

Obwohl die Photonik an der Wirtschaft und mithin am Wohlstand Deutschlands einen großen Anteil hat, gibt es auf diesem Gebiet eine noch zu geringe Ausgründungsaktivität aus den universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Dort setzt der Photonics Inkubator an und verfolgt dabei das neuartige Konzept, unter anderem auch Unternehmensausgründungen ohne treibenden Gründer zu ermöglichen („Gründen ohne Gründer“). In dieser Hinsicht betritt der PI im Vergleich zum Life-Science Inkubator Neuland. Für den Photonics Inkubator stellt das Land 5,4 Millionen Euro bereit, vom Bund kommen weitere 3,3 Millionen Euro sowie 5 Millionen Euro für einzelne Gründungsprojekte hinzu. Weitere Mittel, um einzelne Projekte zu fördern, werden private Investoren beisteuern.

Perspektivisch sind neben dem Standort Göttingen weitere Photonics-Standorte geplant, besonders interessant wären in dieser Hinsicht Aachen oder Bonn in NRW bzw. Jena in Thüringen.

PH

 
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