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Angela Overmeyer

Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, Jena

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Originalpublikation

Krieger J, Grandy R, Drew MM, Erland S, Stensmyr MC, Harzsch S, Hansson BS (2012)
Giant robber crabs monitored from space: GPS-based telemetric studies on Christmas Island (Indian Ocean)
PLoS ONE 7(11): e49809. doi:10.1371/journal.pone.0049809

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Forscher beobachten Krabben auf der Weihnachtsinsel mit GPS-Satelliten

Wissenschaftler gewinnen grundlegende Einblicke in das Verhalten der Landkrabbe Birgus latro

15. November 2012

Wissenschaftler aus Jena und Greifswald haben über längere Zeit die Wanderungen von Landkrabben auf der Weihnachtsinsel mit Hilfe von Satelliten beobachtet. Es ist das erste Mal, dass auf diese Art das Verhalten wirbelloser Tiere untersucht wurde. In dem gemeinsamen Projekt des Zoologischen Institutes der Universität Greifswald und des Max-Planck-Institutes für chemische Ökologie in Jena wurde ein GPS-basiertes Telemetrie System eingesetzt.
Jakob Krieger hält einen Palmendieb, der mit einem GPS-Gerät und einem Sender ausgestattet wurde. Bild vergrößern
Jakob Krieger hält einen Palmendieb, der mit einem GPS-Gerät und einem Sender ausgestattet wurde.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand ein an Land lebendes Krebstier, der Palmendieb Birgus latro, der auf tropischen Inseln des Indo-Pazifiks vorkommt. Die Tiere erreichen ein Alter von wahrscheinlich weit über 60 Jahren und sind mit einem Gewicht von bis zu vier Kilogramm die größten landlebenden Gliederfüßer (Arthropoda). Auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean gibt es eine noch weitgehend ungestörte Population von mehreren Hunderttausend Tieren dieser Art.

Zwischen 2008 und 2011 wurden 55 männliche Tiere mit GPS Empfängern bestückt, von denen die gespeicherten Daten dann drahtlos heruntergeladen und ausgewertet werden konnten. Diese lieferten mehrere Tausend GPS-Positionen und mehr als 1500 Aktivitäts-Tagesprofile der Krabben. Einige Krebse konnten bis zu drei Monate lang verfolgt werden. Die Tiere konnten sich während der gesamten Untersuchungszeit uneingeschränkt und frei in ihrem Lebensraum bewegen. Es wurde beobachtet, dass die Krebse oft längere Zeit ihrem Standort treu blieben und nur kleinere Exkursionen unternahmen. Es konnten aber auch weitere Wanderungen zwischen Küste und dem rund drei Kilometer entfernten Regenwald im Inselinneren nachgewiesen werden. Diese ausgedehnten Ausflüge stehen vermutlich im Zusammenhang mit der Fortpflanzung, der Aufnahme von Salzen durch das Trinken von Meerwasser und dem Nahrungserwerb.

Auf ihren Wanderungen scheinen die Tiere alt bekannten, individuellen Routen zu folgen. In Experimenten, in denen die Tiere bis zu einem Kilometer weit an andere Standorte verfrachtet wurden, zeigte sich, dass sie innerhalb von wenigen Stunden gezielt wieder an den Ausgangsort zurück wandern. Insgesamt belegen diese Untersuchungen bemerkenswerte Orientierungsleistungen dieser Tiere. Die automatisierte Beobachtung mit einem GPS-System erlaubte detaillierte neue Einblicke in das Verhalten der Landkrabben dank einer hohen zeitlichen Auflösung bei den Messungen und aufgrund des bisher unerreicht langen Beobachtungszeitraumes.

Die GPS Module wurden durch die e-obs GmbH (digitale Telemetrie) in München in Kleinserie hergestellt. Die Geräte können so programmiert werden, dass bei einer Aufzeichnung von GPS Positionen im Abstand von einer Stunde über mehrere Monate lang Daten erhoben und gespeichert werden. Das Modul enthält außerdem einen Beschleunigungsmesser (Accelerometer), der Bewegungen in x, y und z-Richtung und somit die Aktivität der Tiere aufzeichnen kann. Die Daten wurden dann drahtlos, also ohne die Tiere zu stören, über einen Radiolink mit einer Reichweite von ca. 200 Metern durch die Beobachter etwa einmal pro Woche geladen. Die Module senden außerdem Radioimpulse aus, die es ermöglichen, die Tiere mittels Richtantennen zu lokalisieren. Ähnliche Module wurden kürzlich auch genutzt, um die Wanderungen von Zugvögeln zu registrieren. Die immer weiter voran schreitende Miniaturisierung der Elektronik und besonders der Batterien zur Energieversorgung sollte es ermöglichen, diese Methode zukünftig auch bei kleinen Tierarten erfolgreich einzusetzen.

 
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