Faires Verfahren statt Vorverurteilung

Faires Verfahren statt Vorverurteilung

Zu den Plagiatsvorwürfen gegen Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan erklärt der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Prof. Dr. Peter Gruss:

17. Oktober 2012

Annette Schavan setzt als Bundesministerin für Bildung und Forschung seit 2005 wesentliche Impulse zur Stärkung des deutschen Wissenschaftssystems. Der gegen sie erhobene Vorwurf des wissenschaftlichen Fehlverhaltens bei der Anfertigung ihrer Promotion muss sorgfältig geprüft werden. Indiskretionen innerhalb des laufenden Verfahrens beschädigen dessen Integrität und erschüttern das Vertrauen in die beteiligten Personen und Institutionen.

Vorwürfe des wissenschaftlichen Fehlverhaltens bei der Anfertigung der Promotion müssen sehr ernst genommen und deshalb sorgfältig geprüft werden. Die Regeln für eine solche Überprüfung müssen strikt eingehalten werden, um die Objektivität des Verfahrens und die unabhängige Urteilsbildung der Entscheidungsgremien zu gewährleisten. Daher wäre es inakzeptabel, wenn – wie in der Presse kolportiert – ein Gutachter im Verfahren zugleich Vorsitzender des Promotionsausschusses  ist. In diesem Fall würde der Vorsitzende über sein eigenes Gutachten urteilen müssen, was mit einer unvoreingenommenen Urteilsbildung unvereinbar ist.

Unverzeihlich ist allemal die Verletzung der Vertraulichkeit des Gutachtens. Mit der Veröffentlichung in der Presse wird ein Richtigkeitsanspruch des Gutachtens impliziert, der erst im Promotionsausschuss festgestellt werden muss. Die damit in der Öffentlichkeit erzeugte Vorverurteilung belastet nicht nur die Unabhängigkeit des Ausschusses, sondern beschädigt im Besonderen Frau Ministerin Schavan. Als öffentliche Person ist es für sie besonders schwerwiegend, dass sie zum laufenden Verfahren eigentlich keine Stellungnahme abgeben sollte.

Ich appelliere nachdrücklich an alle Beteiligten, das Verfahren an der Universität Düsseldorf zu einem geordneten Abschluss zu bringen. Dies gebietet der Respekt vor den Universitätsgremien und der Ministerin. Das bisherige Verfahren ist der deutschen Wissenschaft nicht würdig.

 
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