Dr. Jakob Müller
Abt. Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik
Max-Planck-Institut für Ornithologie, SeewiesenTelefon: +49 8157 932-312
E-Mail: mueller@orn.mpg.de
Prof. Dr. Bart Kempenaers
Abt. Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik
Max-Planck-Institut für Ornithologie, SeewiesenTelefon: +49 8157 932-334
E-Mail: b.kempenaers@orn.mpg.de
9. Februar 2010
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Im Jahr 2007 haben Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen bei Kohlmeisen ein Gen gefunden, das mit individuellen Unterschieden im Erkundungsverhalten der Tiere zusammenhängt (siehe "Charakter-Gen" macht Meisen neugierig). Vögel mit einer bestimmten Variante des so genannten "Dopamin Rezeptor D4 Gens" (DRD4-Gen) zeigten ein größeres Neugier- und Erkundungsverhalten als Individuen mit anderen Genvarianten. Entdeckt und getestet wurde diese Assoziation an Vögeln, die im Labor aufgezogen wurden.
Nun hat eine große internationale Gruppe von Wissenschaftlern um Bart Kempenaers, Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie, den Test mit erwachsenen Wildvögeln wiederholt. Forschungsgruppen vom "Centre for Terrestrial Ecology" in Heteren (Niederlande), den Universitäten von Antwerpen (Belgien) und Groningen (Niederlande), und dem "Edward Grey Institute of Field Ornithology" in Oxford (England) haben das Explorationsverhalten von insgesamt vier Kohlmeisen-Populationen in Belgien, den Niederlanden und England auf ähnliche Art und Weise gemessen. Sie werteten ihre Daten gemeinsam aus, um die Allgemeingültigkeit der Verbindung zwischen der Genvariation und des Erkundungsverhalten zu testen. "So weit wir wissen, ist das für frei lebende Vögel die umfangreichste Studie von Genvarianten, die persönlichkeitsbezogenen Verhaltensunterschieden unterliegen, und die erste Studie, die verschiedene Wildpopulationen miteinander vergleicht", sagt Peter Korsten, Erstautor und früherer Mitarbeiter der Abteilung Kempenaers.
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Zu ihrer Überraschung haben die Wissenschaftler die Verbindung zwischen Gen und Verhalten in einer Population gefunden, nicht aber in den drei anderen. "Es war wichtig, die Verbindung zwischen den DRD4-Varianten und dem Erkundungsverhalten in der ursprünglich untersuchten Population zu bestätigen" sagt Kempenaers, aber er fügt hinzu: "Wir verstehen noch nicht die Unterschiede zwischen den Populationen." Das Ergebnis spiegelt jedoch die Resultate ähnlicher Forschung über Zusammenhänge zwischen Genen und Persönlichkeit beim Menschen wider: Über 30 Studien bestätigen bisher, dass das DRD4-Gen mit dem Erkundungsverhalten beim Menschen assoziiert ist, aber auch, dass große Unterschiede zwischen Populationen beobachtet wurden. Zahlreiche Studien finden gar keinen Effekt. "Vielleicht bringt die künftige Untersuchung von Kohlmeisen-Populationen auch Erklärungen für die unterschiedlichen Ergebnisse beim Menschen", sagt Peter Korsten. Der Unterschied zwischen den Populationen ist vielleicht nicht so überraschend, wenn man berücksichtigt, dass eine einzelne Genvariante nur eine relativ kleine Wirkung auf das Verhalten hat. Er könnte auch durch den starken Einfluss der Umwelt oder durch den Effekt von anderen - noch unbekannten - Genen erklärt werden.