4. Dezember 2009
Die Wissenschaftler setzten 30 Teams mit jeweils sechs Studenten an ein interaktives Computerspiel (Public Goods Game). Es ging darum, Geld von einem persönlichen Konto (40 Euro) für den Klimaschutz zu spenden. Das gemeinsame Klimaschutzziel war erreicht, wenn eine Gruppe in zehn Spielrunden anonym insgesamt 120 Euro gesammelt hatte. Der Anreiz: Bekam ein Team die notwendige Summe zusammen, erhielt jeder Mitspieler das Restgeld von seinem persönlichen Konto ausgezahlt. Wurde das Spendenziel nicht erreicht, waren das Spiel und damit auch das persönliche Guthaben verloren. "Jeder einzelne kann nun darauf spekulieren, dass die anderen in seiner Gruppe genug investieren", sagt Manfred Milinski, Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön. "Er kann sich zurückhalten und hat am Ende mehr Geld auf seinem Konto". Aber dies birgt wiederum das Risiko, dass das kollektive Ziel nicht erreicht wird und der Gewinn somit mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbleibt.
Die Forscher simulierten dabei drei Szenarien: ein Verlustwahrscheinlichkeit von 90, 50 und 10 Prozent, das Restgeld nicht ausgezahlt zu bekommen. Im Gegensatz zu einem Verlustrisiko von 50 Prozent oder gar 10 Prozent, wäre es bei hohem Risiko rational, pro Spielrunde ausreichend Geld einzuzahlen. Doch selbst bei 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit, schaffte es nur die Hälfte der Gruppen die vereinbarten 120 Euro. In fast jeder Gruppe gab es einzelne, die ausscherten, und nichts einbezahlen. Die Verluste konnten nur selten von Altruisten kompensiert werden, die mehr als die nötige Summe bereitstellten. Bei 50 Prozent oder gar nur 10 Prozent, , der wohl "gefühlten" Wahrscheinlichkeit, blieben alle Gruppen weit unter ihrem Spendenziel.
Das Resultat stimmt für die Verhandlungen im Kopenhagen wenig optimistisch: "Es wird deutlich, dass man die Menschen und Nationen noch von den zu erwarteten, dramatischen Auswirkungen des Klimawandels überzeugen und vor allem an ihre eigenen Interessen appellieren muss", sagt Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Nur wenn sie sichere persönliche Nachteile fürchten, engagieren sie sich beim gemeinsamen Klimaschutz. "Größere Gruppen hätten sicher noch mehr Probleme" - vor allem die Milliardenpopulation, die am globalen "Klimaspiel" teilnimmt.