Überschrift

Dr. Dalia Amor Conde

Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock
Telefon:+49 381 2081-267

Alexander Scheuerlein

Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock
Telefon:+49 38 1208-1212
<p>Indem sie Tiere bedrohter Populationen züchten, können Zoos einen größeren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.</p>

Artenschutz: MPI-Forscher fordern stärkere Rolle der Zoos

17. März 2011

Indem sie Tiere bedrohter Populationen züchten, können Zoos einen größeren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.

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Video (englisch)

BaSTA - analyzing mortality in wild animals

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Ökologie

Volkszählung im Zoo

Demografische Daten von Tierarten in Zoos und in freier Wildbahn sollen helfen, bedrohte Arten zu schützen

16. Mai 2012

Artenschutz ist zwar in aller Munde, aber über die zu bewahrenden Arten ist häufig erschreckend wenig bekannt. Damit bedrohte Tierarten wirkungsvoller geschützt werden können, setzt das Artenschutz-Team um Dalia Amor Conde im Arbeitsbereich Evolutionäre Biodemografie unter der Leitung von James Vaupel und Alexander Scheuerlein vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock spezielle Methoden ein, um wichtige Daten über das Leben gefährdeter Arten zu gewinnen.

Text: Klaus Wilhelm

Der Jaguar ist nach Tiger und Löwe die drittgrößte Raubkatze der Erde und die größte Katze Amerikas. Sein Verbreitungsgebiet, das einmal vom Südwesten der USA bis nach Argentinien reichte, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten um mehr als die Hälfte verringert. Bild vergrößern
Der Jaguar ist nach Tiger und Löwe die drittgrößte Raubkatze der Erde und die größte Katze Amerikas. Sein Verbreitungsgebiet, das einmal vom Südwesten der USA bis nach Argentinien reichte, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten um mehr als die Hälfte verringert. [weniger]

Der Jaguar hat den Köder geschluckt. Jetzt kommt die Stunde der Hunde – im Morgengrauen, im Dienste der Wissenschaft und zum Schutze der Raubkatzen. Tony Rivera, ein versierter früherer Jaguarjäger, lässt seine Hundemeute von der Leine, welche die Fährte des Jaguars quer durch den dichten Maya-Regenwald des südmexikanischen Bundesstaats Yucatán aufgenommen hat. Fernando Colchero hetzt mit einem Assistenten hinter den keuchenden Vierbeinern her. Seit Jahren untersuchen er und seine Kollegin Dalia Conde das Verhalten der charismatischen Raubtiere in Yucatán, Guatemala und Belize.

Normalerweise nehmen verfolgte Jaguare schlicht Reißaus. Aber nicht dieses Mal! Statt auf den nächsten Baum zu flüchten, entschließt sich das Tier zum Angriff. Mit einem Satz springt der Jaguar direkt auf einen der Hunde. Der kämpft um sein Leben, bis sein Bellen erstirbt. Zur Überraschung aller lässt der Jaguar daraufhin von seinem Opfer ab und verschwindet im Gestrüpp. „Wir dachten, der Hund ist tot“, erzählt Colchero heute. Der junge Mann und sein Begleiter laufen daraufhin der Katze hinterher, die plötzlich wieder aus der grünen Masse der Vegetation hervorschießt und vor ihren Verfolgern steht. „Der wollte auf uns los“, sagt Colchero, „der Adrenalin-Ausstoß in meinem Körper war unglaublich.“

Damit die Forscher einen Jaguar mit Peilsendern orten können, müssen sie ihn mit einem Narkosepfeil betäuben. Anschließend vermessen sie das Tier und legen ihm ein Sendehalsband an. Bild vergrößern
Damit die Forscher einen Jaguar mit Peilsendern orten können, müssen sie ihn mit einem Narkosepfeil betäuben. Anschließend vermessen sie das Tier und legen ihm ein Sendehalsband an. [weniger]

Der Begleiter schlägt mit der Machete um sich. Derweil schreit Colchero auf den Jaguar ein, der daraufhin tatsächlich zögert. In diesem Moment taucht der Rest des Forschungsteams auf und betäubt das aufgebrachte Tier mit einem Pfeil. „Der angegriffene Hund wurde gar nicht getötet, der hat sich nur tot gestellt“, sagt der gebürtige Mexikaner. „Es war ein Weibchen. Weibchen beißen Hunde nicht tot, Männchen sehr wohl.“ Der Jaguar bekommt ein Halsband mit einem GPS-Gerät, das fortan verrät, wie er sich in seinem Lebensraum bewegt. Derlei Daten aus dem Kooperationsprojekt des Max-Planck-Instituts und der mexikanischen Nichtregierungsorganisation Jaguar Conservancy sind für die künftige Forschung in Rostock und für den Schutz der Tiere überlebenswichtig.

„Das war ein aufreibendes Projekt“, bestätigt Dalia Amor Conde, Colcheros Gefährtin beruflich und privat. „Einmal“, so die junge Biologin, „sind wir im Wald in Guatemala von Drogendealern gekidnappt worden.“ Die Sache ging glücklicherweise gut aus. Die beiden blicken vom Besprechungsraum im Rostocker Max-Planck-Institut direkt auf einen Ausläufer der Ostsee, auf eine Szenerie so ganz anders als in der Dschungelhitze. Kühl, ruhig, pittoresk. Mit dabei sind auch Owen Jones und Alexander Scheuerlein. Sie zählen zum Kern der Abteilung Evolutionäre Biodemografie. Die Biologen, Mathematiker und Statistiker haben hier etwas völlig Neues im Sinn: die Methoden der Demografie auf tierische Populationen zu übertragen.

 
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