Position

Was können wir tun, um diese Klischees zu durchbrechen? Selbsterkenntnis ist sicher auch hier der erste Schritt zur Besserung. Das heißt, wir müssen aktiv Frauen fördern, begleiten und ermutigen. Coaching und Mentoring-Programme haben sich als wirksam erwiesen. Weiblichen Postdocs bieten wir spezielle Führungskräfte-Trainings an. Gleichzeitig ist es wichtig, dass herausragende Wissenschaftlerinnen sichtbarer werden. Datenbanken wie das AcademiaNet der Robert-Bosch-Stiftung sind dafür ein guter Ansatz. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass Frauen eher eine Chance bekommen, wenn sie von Wissenschaftlerinnen beurteilt werden. Daher achten wir darauf, dass in jedem Evaluierungs- und Berufungsgremium mindestens ein Mitglied weiblich ist.

Bei all diesen Aktivitäten lohnt es sich, auch einen Blick ins Ausland zu werfen. Ein interessantes Beispiel sind die USA, wo die Gleichberechtigung von Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen bereits seit bald zwanzig Jahren ein zentrales Thema ist. In der vergangenen Dekade haben sich nach Angaben der National Science Foundation die Anteile von Wissenschaftlerinnen in den höchsten Positionen um etwa einen Prozentpunkt jährlich erhöht. So stieg die Frauenquote in der „senior faculty“ von 1997 bis 2008 von 17 auf 27 Prozent. Auffällig ist allerdings, dass auch in Fächern, in denen Frauen traditionell gut vertreten sind, etwa in den Social Sciences und den Life Sciences, der weibliche Anteil weiterhin nicht über einem Drittel liegt.

Insgesamt scheint es schwierig, den Anteil von Frauen in Spitzenpositionen über diese Marke zu heben – und zwar auch außerhalb der Wissenschaft und in einem Umfeld, das Frauen besonders fördert. Das haben kürzlich auch Zahlen aus den Berliner Ministerien deutlich gemacht: Selbst im Bundesfamilienministerium sind nicht mehr als 29,4 % der Staatssekretäre, Abteilungsleiter und Unterabteilungsleiter weiblich.

Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass die Max-Planck-Gesellschaft ihre Ziele realistisch steckt. Verglichen mit anderen deutschen Forschungsorganisationen steht sie immer noch gut da. Aber ein Frauenanteil von nicht einmal neun Prozent unter unseren Direktoren kann nicht zufriedenstellend sein. Deshalb hat der Senat in seiner Märzsitzung eine Selbstverpflichtung zur Steigerung von Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen beschlossen. Innerhalb der kommenden fünf Jahre soll der Anteil von Frauen in den TVöD-Entgeltgruppen E13 bis E15Ü sowie bei den W2- und W3-Stellen zusammen um jährlich einen Prozentpunkt steigen. 2017 sollte ein Drittel der genannten TVöD-Stellen weiblich besetzt sein, sowie ein Viertel in W2/W3. Schon zwischen 2005 und 2010 haben wir mit einer solchen Selbstverpflichtung gute Erfahrungen gemacht.

Das Ziel wirkt auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär. Man muss sich aber vor Augen führen, dass die Fluktuation in einem Fünfjahreszeitraum begrenzt ist. Gerade die Direktorenposten sind langfristig besetzt, sodass wir den Frauenanteil hier nur nach und nach erhöhen können. Dazu kommt: Fünf oder gar acht Prozentpunkte sind in absoluten Zahlen ein merklicher Zuwachs. Die Steigerung der W2- und W3-Frauenanteile von 2005 bis 2010 hatte konkret zur Folge, dass sich die Anzahl der Wissenschaftlerinnen dort mehr als verdoppelt hat. Insgesamt konnten wir die Zahl der Frauen auf den genannten Stellen um 53 Prozent steigern. Auf diese Weise sind Wissenschaftlerinnen an den verantwortlichen Positionen unserer Institute spürbar präsenter geworden. Mit der neuen Selbstverpflichtung haben wir uns vorgenommen, die Zahl der Direktorinnen noch einmal um 60 Prozent zu steigern, die der Forschungsgruppenleiterinnen (W2) und der führenden Wissenschaftlerinnen im TVöD-Bereich um rund ein Fünftel.

Wir können es uns einfach nicht leisten, die Begabung herausragender Wissenschaftlerinnen zu verschenken. Gerade in der Max-Planck-Gesellschaft brauchen wir die Ausnahmetalente, wir brauchen die kreativen Querdenkerinnen.

 
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