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Prof. Dr. Stefan H. E. Kaufmann

Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin
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Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin  haben einen verbesserten Impfstoff entwickelt, der seit 2008 in  klinischen Studien am Menschen getestet wird. Seit kurzem wird die  Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoff-Kandidaten in Südafrika in  einer Phase-II-Studie an Neugeborenen getestet.

Tuberkulose-Impfstoff wird in Phase-II-Studie getestet

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin haben einen verbesserten Impfstoff entwickelt, der seit 2008 in klinischen Studien am Menschen getestet wird. Seit kurzem wird die Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoff-Kandidaten in Südafrika in einer Phase-II-Studie an Neugeborenen getestet. [mehr]

Interview

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Warum breiten sich Infektionen wie Tuberkulose rasant aus? Wie kann die Wissenschaft darauf regieren? Ein Interview mit Stefan H. E. Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie

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Im Schlepptau der Immunschwäche-Krankheit Aids ist in vielen Gebieten Afrikas auch die Tuberkulose zurückgekehrt. Immer häufiger treten dort resistente Tuberkulose-Erreger auf, gegen die kein Medikament mehr wirkt. Stefan Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin arbeitet deshalb mit Hochdruck an einem neuen Impfstoff. Eine Max-Planck-Forschungsgruppe, die erste ihrer Art in Afrika, soll dabei helfen, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schneller in die klinische Praxis zu übertragen.

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„Wir brauchen mehr Grundlagenforschung in Afrika“

Die Max-Planck-Gesellschaft richtet zusammen mit dem Howard Hughes Medical Institute eine Forschungsgruppe in Durban, Südafrika, ein

22. März 2012

Zum ersten Mal gründet die Max-Planck-Gesellschaft eine Max-Planck-Forschungsgruppe in Afrika. Die neue Forschungsgruppe des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie soll 2012 am Nationalen Forschungsinstitut für Tuberkulose und HIV in Durban, Südafrika, ihre Arbeit aufnehmen. Stefan H. E. Kaufmann, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut beschreibt, warum es wichtig ist, in Afrika Grundlagenforschung zu Infektionskrankheiten zu betreiben.
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Stefan H. E. Kaufmann

Warum gründet die Max-Planck-Gesellschaft eine Forschungsgruppe in Südafrika?

Stefan Kaufmann: Mit der Einrichtung einer Max-Planck-Forschungsgruppe wollen wir die Grundlagenforschung zu HIV und Tuberkulose in Afrika fördern. Die Wissenschaftler profitieren dabei von der räumlichen Nähe zu den Zentren der Infektion. Erkenntnisse aus Labor und Klinik können sich so künftig gegenseitig befruchten. Denn bislang fanden in Afrika vor allem klinische Studien statt. Darin sollte die Wirksamkeit von Medikamenten gegen dort weit verbreitete Infektionskrankheiten untersucht werden. In Südafrika und anderen Ländern Afrikas sind nämlich zwei der gefährlichsten Infektionen eine teuflische Liaison eingegangen: Die hohe Zahl an Aids- Patienten hat auch der Tuberkulose eine Renaissance ermöglicht. Durch die Schwächung ihres Immunsystems sind HIV-Patienten besonders anfällig gegenüber den Tuberkulose-Erregern.

Weshalb fiel Ihre Wahl auf Durban?

Ein wichtiges Kriterium war, dass dort ein neues Forschungsinstitut entsteht, das sich ausschließlich der Erforschung von HIV und Tuberkulose widmen wird. Das KwaZulu Natal Research Institute for Tuberculosis and HIV ist ein Projekt der Universität von KwaZulu Natal und dem Howard Hughes Medical Institute in den USA. Die Max- Planck-Forschungsgruppe soll an diesem Institut angesiedelt sein und dort exzellente Arbeitsbedingungen vorfinden. Außerdem besitzt Durban verschiedene gut ausgerüstete Kliniken, in denen auch Patienten mit einer Form der Tuberkulose versorgt werden, die gegen die gängigen Medikamente resistent ist.

Was soll die Forschungsgruppe untersuchen?

Sie soll Grundlagenforschung zu HIV oder Tuberkulose betreiben, und das auf höchstem wissenschaftlichem Niveau.

Wann wird die Forschungsgruppe ihre Arbeit aufnehmen?

Im Moment läuft das Bewerbungs- und Auswahlverfahren. Wir hoffen, dass die Gruppe bis Ende 2012 startklar ist. Dann soll auch das neue Institut fertiggestellt sein.

Der einzige zurzeit verfügbare Tuberkulose- Impfstoff ist über 90 Jahre alt. Was macht die Entwicklung von Impfstoffen gegen Tuberkulose so schwierig?

Die Schwierigkeit besteht darin, einen anderen Arm der Immunabwehr zu aktivieren, nämlich die zelluläre Immunantwort. Wirksame Impfstoffe kurbeln die Produktion von Proteinen an, sogenannten Antikörpern, die an Erreger binden und sie dann abtöten. Der Tuberkulose-Erreger ist aber ein Bakterium, das sich innerhalb von Körperzellen verbirgt und deshalb von Antikörpern nicht erreicht werden kann. Wir wollen deshalb die zelluläre Immunantwort des Körpers stimulieren, denn sie kann die Erreger auch in den Zellen aufspüren und unschädlich machen. Allerdings wird diese vom Körper stärker reguliert. Erschwerend kommt hinzu, dass wir bei der Impfstoffentwicklung besser als die Natur sein müssen. Denn der Körper kann die Bakterien ja durchaus für lange Zeit in Schach halten – nur loswerden kann er sie nicht mehr.

Wie könnte die Entwicklung neuer Impfstoffe und Medikamente beschleunigt werden?

Ein ganz wichtiger Punkt ist die bessere Vernetzung von Grundlagenforschung und klinischen Studien. Im Moment gibt es da kaum Berührungspunkte. Das bislang starre Schema von vorklinischer und klinischer Forschung muss also aufgebrochen werden. Zeigt beispielsweise ein Wirkstoff beim Patienten unerwartete Effekte, muss das möglichst rasch wieder in die Grundlagenforschung einfließen.

Wie lange wird es noch dauern, bis ein neuer Impfstoff gegen Tuberkulose auf dem Markt ist?

Unser eigener Impfstoffkandidat befindet sich gerade in Stellenbosch, Südafrika, in Phase II der klinischen Entwicklung. Insgesamt werden im Moment zwölf Impfstoffkandidaten klinisch getestet. Wenn alle Tests erfolgreich verlaufen, könnte der erste 2016 zum Einsatz kommen.

Interview: Harald Rösch

 
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