Jonathan Smallwood
Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, LeipzigTelefon: +49 341 9940-2694
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Peter Zekert
Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, LeipzigTelefon: +49 341 9940-2404
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20. März 2012
Das Arbeitsgedächtnis oder auch Kurzzeitgedächtnis ist ein Speicher, der Informationen zum schnellen Abrufen bereithält. Anders als das Langzeitgedächtnis hat es eine begrenzte Kapazität. Es sorgt zum Beispiel dafür, dass wir Texte lesen können und nicht am Satzende den Satzanfang vergessen haben, dass wir uns Termine für eine Weile merken können, auch wenn zwischendurch die Katze gefüttert werden muss oder die Wäsche aufgehängt wird. Seine Kapazität scheint auch dafür zuständig zu sein, so das Ergebnis der aktuellen Studie, ob man mehr oder wenig in Gedanken verloren sein kann, während man Routineaufgaben erfüllt.
„Unsere aktuelle Untersuchung deutet darauf hin, dass das Arbeitsgedächtnis die Menschen in ihren alltäglichen Planungen unterstützt. Ob unter der Dusche oder auf dem Weg zur Arbeit – fast immer schweifen die Gedanken zu den anstehenden Problemen ab, die so ganz nebenbei durchdacht werden können“, erklärt Jonathan Smallwood. Der Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie und warum unsere Gedanken immer wieder eigene Wege gehen. Gemeinsam mit amerikanischen Forschern aus Madison, Daniel Levinson und Richard Davidson, hat er nun den Zusammenhang von Arbeitsgedächtnis und abschweifenden Gedanken nachgewiesen.
Um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, wurden Versuchspersonen mit einfachen Aufgaben betraut: Sie mussten entweder einen Knopf drücken, sobald ein bestimmter Buchstabe auf dem Bildschirm auftauchte, oder sie sollten im Takt ihres Atems klopfen. Währenddessen wurden sie regelmäßig befragt, ob ihre Gedanken gerade bei ihrer Aufgabe oder bei anderen Dingen waren. „Wir haben absichtlich Aufgaben gestellt, die nicht die ganze Aufmerksamkeit der Testpersonen kosten“, erklärt Smallwood. „Nur so können wir sehen, ob die ungenutzten Kapazitäten anderweitig genutzt werden.“ Am Ende des Versuchs wurde die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses der Teilnehmer anhand ihres Erinnerungsvermögens an einzelne Buchstaben gemessen, die ihnen gemischt mit einfachen Matheaufgaben präsentiert worden waren.
Die Ergebnisse zeigen erstmals einen klaren Zusammenhang zwischen Arbeitsgedächtnis und freiem Gedankenlauf: Die Versuchspersonen mit größerer Kapazität des mentalen Arbeitsspeichers ließen ihren Gedanken während der Routineaufgaben häufiger freien Lauf – und erfüllten die Aufgaben dennoch einwandfrei.
Nicht immer verläuft das Zusammenspiel von Arbeitsgedächtnis und freien Gedanken allerdings zufriedenstellend. „Wer die Gedanken schweifen lässt“ meint Levinson, „der muss wissen, dass er damit Ressourcen verbraucht.“ So kann es dazu kommen, dass man beispielsweise am Ende einer Lektüre nicht weiß, was man eigentlich gelesen hat. Den Forschern zufolge ist man jedoch dem Arbeitsgedächtnis und seiner Kapazitätennutzung nicht völlig ausgeliefert. Letztendlich bestimmt der Mensch, wie er seine Ressourcen einsetzt, indem er die Prioritäten selber setzt. Sollten Sie also jetzt nicht wissen, was Sie gerade gelesen haben, versuchen Sie es einfach noch einmal. Wenn Sie wirklich verstehen wollen, was in diesem Text steht, dann sollte es funktionieren. Über die Aufmerksamkeit, die Sie einer Aufgabe widmen, so die Forscher, können Sie ihr Arbeitsgedächtnis beeinflussen.
KN/HR