Sandra Jacob
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12. Januar 2007
Obwohl der Schädel bereits vor einem halben Jahrhundert gefunden wurde, konnte seine tatsächliche Bedeutung erst jetzt erkannt werden. Mittels einer neuen Datierungsmethode, die von Teammitglied Richard Bailey und seinen Kollegen von der Oxford University entwickelt worden war, hatten die Forscher untersucht, wie viel radioaktive Strahlung von den Sandkörnern, die den Hofmeyr-Schädel ausfüllten, absorbiert worden war. So konnten sie das Alter des Schädels auf etwa 36.000 Jahre datieren. Damit schließt der Fund eine wesentliche Lücke bei den im subsaharischen Afrika gefundenen menschlichen Fossilien, die aus der Zeit von vor etwa 70.000 bis 15.000 Jahren stammen. Für das afrikanische Gebiet wird diese Zeitperiode als "Later Stone Age" bezeichnet - auf Europa bezogen sprechen Archäologen von der Zeit des Jungpaläolithikums , Typisch für diese Zeit im südlich der Sahara gelegenen Afrika sind ausgeklügelte Werkzeuge und Kunstwerke aus Stein und Knochen. Zeitgleich erscheint der anatomisch moderne Mensch erstmalig in Europa und Westasien.
Um mögliche Ähnlichkeiten des Hofmeyr-Schädels mit anderen Schädeln feststellen zu können, nahm Teammitglied Katerina Harvati vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie dreidimensionale Ausmessungen des Schädels vor, mit deren Hilfe man auch moderne menschliche Populationen entsprechend ihrer geographischen Verteilung und genetischen Verwandtschaft voneinander unterscheiden kann. Sie verglich den Hofmeyr-Schädel mit etwa gleich alten Schädeln aus dem Europa des oberen Paläolithikums und mit heute in Eurasien und im subsaharischen Afrika lebenden Menschen, darunter den Khoe-San (Buschmänner). Da auch in der jüngeren archäologischen Geschichte Südafrikas Khoe-San-Schädel als Funde auftreten, erwarteten die Wissenschaftler, dass sie eine große Ähnlichkeit mit dem ebenfalls aus Südafrika stammenden Hofmeyr-Schädel aufweisen sollten. Stattdessen stellten sie fest, dass der Hofmeyr-Schädel sich stark von den Schädeln heute lebender subsaharischer Afrikaner, einschließlich der Khoe-San, unterscheidet. Er ist hingegen den europäischen Funden aus dem oberen Paläolithikum sehr ähnlich.
Die Paläoanthropologie ist für ihre kontroversen Debatten bekannt und eine davon, die bereits seit Jahren andauert, dreht sich um die evolutionären Ursprünge des modernen Menschen. Eine Reihe von genetischen Untersuchungen, insbesondere die von mitochondrialer DNA heute lebender Menschen, weist darauf hin, dass sich der moderne Mensch im subsaharischen Teil Afrikas entwickelte und von dort aus vor etwa 65.000 bis 25.000 Jahren aufbrach und die "Alte Welt" besiedelte. Andere genetische Untersuchungen, hauptsächlich die von Zellkern-DNA, widersprechen dieser Theorie. Sie legen nahe, dass andere nicht-afrikanische Gruppen, wie zum Beispiel die Neandertaler, einen bedeutenden Beitrag zum Erbgut der modernen Menschen in Eurasien geleistet haben. Bisher konnten die beiden konkurrierenden Modelle zur Evolution des Menschen nicht durch paläontologische Funde getestet werden, da Fossilien des entsprechenden Alters aus dem subsaharischen Afrika bisher gefehlt hatten.
Der Hofmeyr-Schädel ändert diese Situation. Die überraschende Ähnlichkeit zwischen einem fossilen Schädel aus dem südlichsten Teil Afrikas und etwa gleich alter Schädel aus Europa bestätigt die auf genetischen Untersuchungen fußende "Out of Africa"-Theorie. Diese besagt, dass Menschen, die denen ähnlich waren, die im oberen Paläolithikum in Eurasien lebten, auch vor etwa 36.000 Jahren im subsaharischen Teil Afrikas gelebt haben müssten. Der Schädel aus Südafrika ist nun der erste fossile Beweis, der diese Theorie unterstützt.