Science Gallery Talk

Werden wir Cyborgs?

Wie weit dringt die Technik in unser Gehirn?

29. Februar 2012

Tiefenhirnstimulation gegen Parkinson, Cochlea-Implantate für Gehörlose: Sogenannte Gehirn-Computer-Schnittstellen sind im klinischen Alltag angekommen. Doch wie geht die Entwicklung weiter? Wie weit dringt die Technik in unser Gehirn? Werden wir am Ende zu Cyborgs? Beim SCIENCE GALLERY TALK stehen Experten aus den Geistes- und Neurowissen-schaften Rede und Antwort, Interviewfilme ergänzen den Diskurs  und das Publikum wird  zum Moderator. Es lenkt per Laserpointer die Themen und melde sich per SMS oder selbst am Mikrofon.

Das Gehirn ist unser komplexestes Organ. Es besteht aus Milliarden Neuronen, die über Trillionen Synapsen verbunden sind. Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Verhalten sind das Resultat der koordinierten Aktivität von Neuronen. Diese Komplexität wollen Wissenschaftler verstehen. Wie z.B. entsteht der Wille zu einer Handlung? Bekannt ist, dass elektrische Hirnsignale entscheidend sind. Künftig könnte der Handlungsimpuls des Willens ausreichen, etwa einen Roboterarm zu bewegen, wenn Computer-Schnittstellen direkt in das Gehirn eingebaut werden, wo der Wille entsteht. Elektronische Computerbauteile, Ersatzteile für das Gehirn, sind für Moritz Grosse-Wentrup vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme schon jetzt in greifbare Nähe gerückt. Computerchips könnten geschädigte Gehirnareale etwa nach einem Schlaganfall überbrücken und den Patienten die Bewegung von Beinen und Armen wieder ermöglichen.

Doch was passiert, wenn es tatsächlich gelingt, menschliche Willenskraft künstlich zu erzeugen? Das Gehirn ist die organische Grundlage unseres Selbstverständnisses als Mensch. Bewusstsein, Erinnerung, Moral, Autonomie haben hier ihre organische Entsprechung. Jens Clausen, Philosoph und Biologe am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Tübingen, fragt nach den ethischen und gesellschaftlichen Implikationen des Einsatzes von Gehirn-Computer-Schnittstellen. Wie steht es um Personenstatus, Verantwortungsfähigkeit und Identität der behandelten Patienten? Nicht zuletzt fordert das Verschmelzen von Mensch und Maschine die Frage heraus: Was ist der Mensch?

Die Veranstaltung basiert auf dem Interviewbuch „Werden wir ewig leben? – Gespräche über die Zukunft von Mensch und Technologie“ von Tobias Hülswitt und Roman Brinzanik, Suhrkamp-Verlag 2010, und Filmclips von Gunther Kreis.

Die Max Planck Science Gallery ist vor und nach der Veranstaltung geöffnet.

TERMIN                                                                                         29.2.2012, 19 Uhr

ORT   Leibniz-Saal                                                                                           Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften                      Markgrafenstr. 38 │ 10117 Berlin-Mitte

EINTRITT FREI

Anmeldung bitte bis 26.2.2012 bei sciencegallery@gv.mpg.de

In Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und dem Suhrkamp-Verlag

 
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