Open Access und innovatives Informationsmanagement für die Forschung

Open Access und innovatives Informationsmanagement für die Forschung

Max-Planck-Gesellschaft und Fachinformationszentrum Karlsruhe entwickeln "eSciDoc", eine neuartige Plattform für vernetztes wissenschaftliches Arbeiten

7. September 2004

Ein fünfjähriges Projekt zum Aufbau eines integrierten Informations-, Kommunikations- und Publikationssystems für die Forschung haben die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und das Fachinformationszentrum (FIZ) Karlsruhe im Rahmen der nationalen eScience-Initiative gestartet. Das Pilotprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt 6,1 Millionen Euro gefördert.

Mit der Berliner Erklärung zu Open Access vom 23. Oktober 2003 [1] hat sich die Max-Planck-Gesellschaft die Nutzung und Ausgestaltung des Internets zur umfassenden und interaktiven Repräsentation wissenschaftlicher Erkenntnisse in einem globalen, offenen Wissensnetz auf die Fahnen geschrieben und eine internationale Allianz von Forschungs- und Kulturinstitutionen für die Unterstützung dieses Ziels gewonnen. Das geplante Pilotprojekt unter dem Arbeitstitel "eSciDoc" stellt einen wichtigen Schritt zur Umsetzung dieser Vision dar. Frau Bundesforschungsministerin Bulmahn begrüßt die Initiative der MPG zu diesem Pilotprojekt: "Damit ist eine Basis für das wissenschaftliche Arbeiten der Zukunft gelegt."

Ziel von Open Access ist insbesondere, das wissenschaftliche Arbeiten effektiver zu machen, indem es die Möglichkeiten des vernetzten Arbeitens, einer unabhängigen Datenanalyse und des Informationsaustausches ohne disziplinäre, finanzielle oder organisatorische Einschränkungen für den einzelnen Wissenschaftler verfügbar macht. Grundlage dafür ist die Bereitstellung aller relevanten Daten im Internet in einer standardisierten, offenen Form, die eine automatische Bearbeitung zulässt.

Wichtige Voraussetzung für den barrierefreien Zugang zu Forschungsergebnissen ist der Aufbau einer nachhaltigen, wissenschaftsfreundlichen Infrastruktur, die den interaktiven Umgang, die Selbstorganisation der wissenschaftlichen Disziplinen und Communities sowie die Nachnutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse unterstützt. Doch die dazu erforderlichen organisatorischen und technischen Voraussetzungen bestehen dazu erst in Ansätzen. Diese müssen durch die Entwicklung von Standards sowie die Bereitstellung von Infrastruktur für den Betrieb und die Sicherung der Inhalte nachhaltig unterstützt und ausgebaut werden.

Mit dem FIZ Karlsruhe hat die MPG einen strategischen Partner aus dem Bereich des professionellen wissenschaftlichen Fachinformationswesens gewonnen, mit dem sie in ihrer Rolle als Gesellschafter eng verbunden ist und durch den die Entwicklung und der Betrieb einer solchen Informations-, Kommunikations- und Publikationsplattform auch über das Ende der BMBF-Förderung im Sommer 2009 hinaus gewährleistet ist.

Erster Schritt in dem Projekt ist die Erhebung und Analyse der unterschiedlichen Bedarfe und vielfältigen Praktiken der wissenschaftlichen Kommunikation in den verschiedenen Forschungsgruppen der insgesamt mehr als 80 Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft. Diese Bestandsaufnahme soll im Frühjahr 2005 abgeschlossen sein. Angestrebt wird auch eine enge Kooperation mit verwandten nationalen und internationalen Initiativen und Projekten: Dazu gehören das gleichfalls vom BMBF geförderte KOPAL-Projekt zur Langzeitarchivierung digitaler Informationen und die d-Grid-Initiative, die die Entwicklung von sogenannten Grid-Diensten vorantreibt, mit der wissenschaftliche Anwendungen unterstützt werden, die auf hochleistungsfähigen, verteilten Rechnerressourcen aufbauen.

Softwaretechnische Entwicklungsergebnisse des Projektes sollen als Open Source auch anderen wissenschaftlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt, neue Services als Dienstleistungen durch das FIZ Karlsruhe zur Nachnutzung angeboten werden.

Die Federführung für das Projekt liegt beim Heinz Nixdorf Zentrum für Informationsmanagement der MPG, das 2001 mit großzügiger Förderung durch die Heinz Nixdorf Stiftung gegründet wurde , und das bereits das institutionelle Repository der MPG, den MPG-eDoc-Server (www.edoc.mpg.de) in Zusammenarbeit mit den Instituten der MPG entwickelt und eingeführt hat. Die Projektleitung übernehmen gemeinsam Dipl. Phys. Theresa Velden (MPG) und Dr. Leni Helmes (FIZ Karlsruhe). Auf seiner Homepage wird das Heinz Nixdorf Zentrum für Informationsmanagement fortlaufend über den Fortgang des Projektes berichten.