Dr. Barbara Meyer
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24. November 2004
Wenn es künftig möglich wird, eine Korrelation zwischen dem jeweiligen Genotyp eines Patienten und der Wirksamkeit seiner Medikamente herzustellen, könnten Arzneimittel wesentlich erfolgreicher und effektiver als heute eingesetzt werden. So wird heute bei etwa 20 bis 30 Prozent der an Depression leidenden Patienten mit Antidepressiva kein zufriedenstellender Behandlungserfolg erzielt. Zusätzlich tritt die Wirkung oft erst nach sechs bis acht Wochen ein, wobei die Patienten zum Teil erhebliche Nebenwirkungen ertragen müssen.
Von daher ist die Entdeckung der Münchner Max-Planck-Forscher von besonderer Bedeutung. Welcher ursächliche Zusammenhang zwischen der Funktion des FKPB-5-Gens und der Wirkung von Antidepressiva besteht, ist allerdings noch nicht vollständig geklärt. Biologische Aufgabe dieses Gens ist es, die dreidimensionale Faltung anderer Eiweißstoffe zu unterstützen und deren Funktion damit maßgeblich zu beeinflussen. Auf diese Weise steuert FKBP-5 im Organismus die Empfindlichkeit des Glukocortikoid-Rezeptors, der eine zentrale Stellung in der Körperreaktion auf Stress einnimmt. Ist seine Empfindlichkeit beispielsweise verringert, wird die Körperstressreaktion nur verzögert bzw. eingeschränkt zurückgefahren.
Depressive Patienten zeigen starke Veränderungen ihrer hormonellen Stressreaktion. Die Wirkung von Antidepressiva basiert nachweisbar auf einer Rückstellung der chronifizierten Stressreaktion. Die TT-Variante des FKBP-5-Gens aktiviert also möglicherweise weitere Regulationswege des Stresshormonsystems, welche von Antidepressiva dann schneller angesprochen werden können.
Die Ergebnisse der aktuellen Studie haben neben der großen Bedeutung für klinische und grundlagenorientierte Forschung, auch direkte Konsequenzen für den Patienten: Damit ist es in Zukunft möglich, die zeitlichen Wirkung von Antidepressiva vorherzusagen und die Therapie bei einer Depression effizienter zu planen - ein erster Anfang für eine individuell abgestimmte Behandlung depressiver Patienten.
Für die pharmazeutische Industrie bedeuten diese Ergebnisse neue Herausforderungen, aber auch Chancen für die Markteinführung neuer Medikamente. Zukünftig wird man Patienten- und Kontrollgruppen zuerst auf ihre FKBP-5-Genvarianten hin analysieren müssen, damit die nachgewiesene rasche oder späte Wirkung des neuen Medikaments nicht lediglich auf ein unausgewogenes Verhältnis der verschiedenen FKBP-5-Genvarianten in der Patientengruppe zurückzuführen ist. In der Grundlagenforschung eröffnen die neuen Erkenntnisse zu FKBP-5 neue Ansätze, um die molekularen Vorgänge besser zu verstehen, die der Wirkung von Antidepressiva zugrunde liegen.