Prof. Eduard Arzt
Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, StuttgartTelefon: +49 711 689-3411
Fax: +49 711 689-3412
E-Mail: arzt@mf.mpg.de
Dr. Stanislav Gorb
Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, StuttgartTelefon: +49 711 689-3411
Fax: +49 711 689-3412
E-Mail: gorb@mf.mpg.de
Dr. Ralph Spolenak
Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, StuttgartTelefon: +49 711 689-3416
Fax: +49 711 689-3412
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23. September 2003
Viele Lebewesen, die im Stande sind, ihr eigenes Gewicht zu halten, wenn sie an der Decke hängen, vertrauen auf sehr feine Hafthärchen. Stanislav Gorb, der als Biologe an dem materialwissenschaftlich ausgerichteten Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart arbeitet, hat diese Härchen mit unterschiedlichen Mikroskopie-Techniken bei Käfern, Fliegen, Spinnen und sogar Geckos untersucht. Die Quintessenz seiner Untersuchungen war: Je größer (schwerer) eine Tierart ist, desto feiner sind seine Haftstrukturen. Vom Käfer, dessen Hafthärchen nur ungefähr zehn Mikrometer im Durchmesser messen, also nur einem Zehntel des menschlichen Haares, bis hin zum Gecko, dessen Härchen noch einmal um den Faktor Hundert kleiner sind, findet man in der Natur die ausgeklügeltsten Haftsysteme. Der Gecko ist sogar schon ein Beispiel für Nanotechnologie in der Natur.
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Um nun von der Natur lernen zu können, muss man die der Haftung zugrunde liegenden Mechanismen verstehen. Die Teamarbeit zwischen dem Biologen Stanislav Gorb und den Materialforschern Ralph Spolenak und Eduard Arzt als Materialforschern ergab dafür die richtige Kombination: Es stellte sich nämlich heraus, dass sich das Haftungsverhalten der Tiere mit der Klassische Kontaktmechanik, mit der man eigentlich die Haftung von Kugeln auf glatten Oberflächen beschreibt und die auf den so genannten Van-der-Waals Kräften beruht, erklären lässt. Da die Haftkraft des Einzelkontakts mit dem Umfang skaliert, führt die Aufspaltung größerer Einzelkontakte in immer mehr Subkontakte dazu, dass die Effizienz des Kontaktsystems kontinuierlich steigt. Zwar nimmt die Haftkraft des Einzelkontakts ab, wenn man ihn verkleinert, doch dieser Effekt wird durch die wachsende Zahl an Haftkontakten bei weitem kompensiert. Die Haftfähigkeit von Lebewesen kann somit über fünf Größenordnungen im Gewichtsbereich von zehn Mikrogramm bis einhundert Gramm quantitativ beschrieben werden.
Diese Forschungsergebnisse sind von großer technologischer Relevanz: Sie zeigen, wie man durch feine Kontakthärchen kleberfreie Haftung erzielen kann. Hierbei kann der Mensch die Natur am Beispiel des Geckos sogar noch übertreffen, da das natürliche Limit für die dünnsten Haare (Durchmesser: ca. 200 Nanometer) technologisch heute schon unterschritten werden kann. "Wollte hingegen ein Mensch an der Decke laufen", meint Ralph Spolenak, "müssten sein Hände und Füße mit Haftstrukturen bedeckt sein, deren einzelne Härchen maximal 10 bis 20 Nanometer im Durchmesser haben dürften."
Für technische Anwendungen sind der Phantasie im Prinzip keine Grenzen gesetzt: Die Möglichkeiten reichen vom Kletterroboter über Haftbänder zum aufhängen von Bildern bis hin zu Anwendungen in Industrierobotern. Doch im Gegensatz zu konventionellen Klebebändern würden die neuen Haftstrukturen nicht mehr verschmutzen, und im Vergleich zu bisherigen Klettverschlüssen benötigen sie keinen Haftpartner mehr, denn sie haften auf allen Oberflächen von allein.
Patentlösungen: Lernen von den Fliegen
LZ: 00:6:20
Autorin: Anne Hoffmann, Berlin
Fliegen laufen Wände hoch, Spinnen sitzen an der Fensterscheibe, Geckos krabbeln die Zimmerdecke entlang: Was hält sie dort fest? Forscher am Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart haben herausgefunden, was viele Tiere buchstäblich die Wände hochgehen lässt. Langfristiges Ziel der Stuttgarter Forscher: Sie wollen ein Verfahren finden, wie man Bauteile ohne Klebstoff fest miteinander verbinden, aber trotzdem leicht wieder lösen kann. Das könnte die Zukunft der Konstruktionstechnik revolutionieren, vom Flugzeugbau bis zur Mikrotechnik. Ihre Ergebnisse haben die Max-Planck-Forscher jetzt zum Patent angemeldet.
Der Klettverschluss der Zukunft
LZ: 00:04:00
Autor: Jörg Moll, Berlin
Der Film taucht ein in die mikroskopisch kleine Welt der Insekten. Libellen bedienen sich einer Art Klettverschluss, um ihren Kopf am Körper zu fixieren, bei Rosenkäfern sind die Deckflügel auf diese Weise am Rücken befestigt. Die Tiere können diesen Klettverschluss Tausende Male benutzen, ohne dass er sich abnutzt. Im Film wird erläutert, wie diese technische Leistung der Insekten Materialforscher inspirierte. So werden wir diesen immer perfekt schließenden und niemals verfilzenden Mikroklettverschlüssen wahrscheinlich schon bald in unserem Alltag begegnen.