23. Juni 2003
Prof. Dr. Jürgen Renn, Direktor am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, hat heute von der Kulturstiftung des Bundes den Zuschlag für ein Wissenschaftsfestival zum Einstein-Jahr 2005 in Berlin und Brandenburg erhalten. Das Vorhaben, gemeinsam initiiert mit Susan Neiman, der Direktorin des Einstein-Forums Potsdam, Dieter Simon, dem Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Gert Streidt, dem Gründungsbeauftragten des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, umfasst im Kern eine Ausstellung über Albert Einstein sowie eine Reihe von Veranstaltungen. Dieses Projekt wird von der Hebräischen Universität Jerusalem, an der sich das Albert-Einstein-Archiv befindet, durch die Bereitstellung von Originaldokumenten Albert Einsteins unterstützt. Ziel ist vor allem, im Rahmen des Einstein-Jahres und des Weltjahres der Physik das schwierige Thema Relativitätstheorie 100 Jahre nach ihrer Entstehung in Deutschland für eine breite Öffentlichkeit verständlich zu machen.
Jürgen Renn zu den Zielen des Vorhabens: "Wir wollen uns nicht darauf beschränken, die außergewöhnlichen wissenschaftlichen Erfolge Einsteins hervorzuheben. Wir werden vielmehr versuchen, anhand der Biographie und des Umfeldes von Albert Einstein jenes Spannungsverhältnis zwischen Erkenntnis-Realität und Wissenschaftsmythos ins öffentliche Bewusstsein zu rufen, das an seinem Leben zwischen Verfolgung und Heroisierung in einzigartiger Weise deutlich wird. In Albert Einstein spiegelt sich die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts."
Das Jahr 2005, in dem das hundertjährige Jubiläum von Einsteins Relativitätstheorie und sein 50. Todestag begangen werden, wurde von der UNESCO zum Jahr der Physik erklärt und gibt weltweit Anlass zu vielfältigen Aktivitäten. Mit der positiven Entscheidung der Kulturstiftung des Bundes wurde nun auch ein gewichtiger Beitrag der Bundesrepublik Deutschland auf den Weg gebracht.
Ziele der Einstein-Ausstellung
Die Ausstellung soll die wissenschaftlichen Leistungen von Einstein und ihre Bedeutung für die moderne Physik in ihrem kulturellen und gesellschaftlichen Kontext ebenso wie Einsteins Schlüsselfunktion für die Moderne darstellen. Obwohl mit Einstein ein genialer Wissenschaftler in den Mittelpunkt der Ausstellung rückt, wird sie keine Heroengeschichte erzählen. Vielmehr wird es darum gehen, eine Vielzahl von Fragen aufzuwerfen, die durch die Mythologisierung von Einstein zum prototypischen Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts bisher eher verdeckt werden. Die Ausstellung soll insbesondere die historischen Wurzeln einer wissenschaftlichen Revolution aufzeigen, die unsere Vorstellungen von Raum und Zeit wie den Begriff der Materie grundlegend und mit Konsequenzen, die weit über die Wissenschaft hinausreichen, verändert hat. Darüber hinaus ist das gesellschaftliche Spannungsfeld zu beleuchten, in dem Wissenschaft und Forschung spätestens seit dem frühen 20. Jahrhundert steht. Auf diese Weise soll die Einstein-Ausstellung Anlass zum Nachdenken sowohl über Wissenschaftsgeschichte als Teil der Kulturgeschichte als auch über die ethischen und politischen Herausforderungen von Wissenschaft sein.
Schwerpunkte der Ausstellung
Die Einstein-Ausstellung konzentriert sich auf:
Ansatz der Ausstellung
Die Ausstellung soll nicht nur verständlich und anschaulich sein und damit gerade auch den interessierten Laien ohne einschlägige Vorkenntnisse ansprechen, sondern sie soll dem Besucher auch Gelegenheit für eigene Entdeckungen bieten. Um dieses Ziel zu erreichen, ist neben der Nachstellung wichtiger Experimente auch der Einsatz moderner Medien und insbesondere auch von Computersimulationen vorgesehen, mit denen man die abstrakte Begrifflichkeit der Relativitätstheorie anschaulicher machen kann. Darüber hinaus wird die Ausstellung bisher unveröffentlichte Dokumente zur Rezeption der Relativitätstheorie zum ersten mal öffentlich zugänglich machen und damit Anstöße sowohl für die wissenschaftliche Forschung als auch für die öffentliche Diskussion geben.
Ab Donnerstag, 26. Juni 2003, können zusätzliche Informationen zu diesem Projekt von einer speziellen Einstein-Website unter http://living-einstein.mpiwg-berlin.mpg.de
abgerufen werden.