Ansprechpartner

Dr. Hannelore Hämmerle
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching
Telefon: +49 89 30000-3980
E-Mail: pr@mpa-garching.mpg.de

Prof. Dr. Reinhard Genzel
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching
Telefon: +49 89 30000-3280
E-Mail: genzel@mpe.mpg.de

Dr. Stefan Gillessen
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching
Telefon: +49 89 30000-3839
E-Mail: Stefan.gillessen@mpe.mpg.de

Originalveröffentlichung

S.Gillessen, R.Genzel, T.Fritz, E.Quataert, C.Alig, A.Burkert, J.Cuadra, F.Eisenhauer, O.Pfuhl, K.Dodds-Eden, C.Gammie & T.Ott
A gas cloud on its way toward the super-massive black hole in the Galactic Centre
Nature online, 15. Dezember 2011

Film

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Interviews

Ein Film, der die Entdeckung erklärt – mit Interviews von Stefan Gillessen und Reinhard Genzel (auf Englisch).

Film

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Simulation

Diese Simulation zeigt die Gaswolke auf ihrer Bahn um das galaktische Zentrum. Aufgrund der enormen Gravitation des Schwarzen Lochs wird die Wolke bereits jetzt entlang ihrer Bewegungsrichtung auseinander gezogen; in etwa zwei Jahren wird sie durch Gezeitenkräfte und Turbulenzen komplett zerrissen werden.

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Zoom

Ein Zoom in das galaktische Zentrum bis hin zur Beobachtung der Gaswolke.

  Astrophysik

Schwarzes Loch macht fette Beute

Astronomen entdecken eine Gaswolke, die demnächst in das Objekt Sagittarius A* stürzt

14. Dezember 2011

Noch darbt das schwarze Loch im Herzen der Milchstraße. Doch mit der Diät könnte es bald vorbei sein: Eine Gaswolke ist dem Massemonster zu nahe gekommen und wird in den nächsten Jahren in seinem Schlund verschwinden. Die Fütterung des schwarzen Lochs – Sagittarius A* genannt – spielt sich vor den Augen der Astronomen ab, die dann eine deutliche Zunahme der Röntgenstrahlung registrieren sollten. Schon jetzt sehen sie, wie die extreme Anziehungskraft des schwarzen Lochs die Gaswolke in die Länge zieht. Entdeckt hat die Wolke ein internationales Team unter Leitung von Wissenschaftlern aus dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik.
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Blick ins Herz der Milchstraße: In Richtung des Sternbilds Schütze (Sagittarius) verbirgt sich das zentrale schwarze Loch.

© ESO

In einer klaren Nacht zieht sich ein diffuses Band über das Firmament: die Milchstraße. Sie ist Teil der Galaxis – jenes Systems aus Gas, Staub und mindestens 200 Milliarden Sternen, dem auch unsere Sonne angehört. In Richtung des Sternbilds Schütze (lateinisch: Sagittarius) erblicken wir besonders viele Sterne. Dort, verborgen hinter kosmischen Wolken, liegt das Zentrum der Galaxis. Und dort beobachten Astronomen die starke Radioquelle Sagittarius A*. Dahinter, so vermuten sie, verbirgt sich ein schwarzes Loch.

Mit einer Entfernung von rund 26000 Lichtjahren ist Sagittarius A* als einziges supermassereiches schwarzes Loch nahe genug für Detailstudien. Langfristige Beobachtungen der Sternbahnen rund um dieses Gravitationsmonster haben ergeben, dass es ungefähr 4,3 Millionen Sonnenmassen besitzt. Die meiste Zeit verhält es sich still und zeigt nur gelegentlich kleine Strahlungsausbrüche. Zwar können schwarze Löcher an sich keine Strahlung aussenden; die Emission entsteht aber, wenn Materie auf den Ereignishorizont zu fällt, sich dabei aufheizt und potenzielle Energie freisetzt.

Die sehr scharfen Bilder und detaillierten Beobachtungen des galaktischen Zentrums mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) zeigen eine Gaswolke, die in die unmittelbare Nähe des schwarzen Lochs gerät. Die Astronomen fanden heraus, dass die Umlaufbahn der Wolke sehr exzentrisch ist. Im Jahr 2013 wird sie dem schwarzen Loch mit einem Abstand von 40 Milliarden Kilometern am nächsten sein – astronomisch gesehen ein Katzensprung.

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Auf dem Weg in den Schwerkraftschlund: Das Bild zeigt die Gaswolke (rot) sowie die Bahnen der Sterne (blau) um das schwarze Loch im Herzen der Milchstraße.

© ESO/MPE/Marc Schartmann

„Nur zwei Sterne sind dem schwarzen Loch seit dem Beginn unserer Beobachtungen im Jahr 1992 so nahe gekommen“, sagt Max-Planck-Forscher Stefan Gillessen, Erstautor der Veröffentlichung in der Zeitschrift Nature. „Aber im Unterschied zu diesen Sternen – die bei den Vorbeiflügen keinen Schaden genommen haben – wird die Gaswolke komplett zerrissen werden, wenn die Gezeitenkräfte rund um das schwarze Loch an ihr zerren.“ Dadurch sollte sich der Zustrom an Gas auf das schwarze Loch deutlich erhöhen und damit auch die Strahlung, die von ihm ausgeht.

Die Gaswolke bildet sich auf allen langwelligen Infrarotbildern seit 2002 ab und zeigt seit drei Jahren bereits erste Auflösungserscheinungen. Je näher die Wolke dem schwarzen Loch kommt – aktuell bewegt sie sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 2350 Kilometern pro Sekunde darauf zu –, umso mehr wird sie mit dem heißen Gas in der Umgebung der Gravitationsfalle wechselwirken und schließlich durch Turbulenzen zerstört werden.