Prof. Dr. Daniela Jacob
Atmosphäre im Erdsystem
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Dr. Annette Kirk
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Am Himalaja ist die Situation anders. Kumars Kollege am Hamburger Max- Planck-Institut, Fahad Saeed, kennt die Daten für sein Heimatland Pakistan. „Etwa 70 bis 80 Prozent der Wassermassen, die den Indus herabströmen, stammen aus den Gletschern des Hochgebirges“, sagt der Forscher, der die westliche Himalajaregion analysiert. Kumar konzentriert sich auf das zentrale Hochland.
Kein Gletscher ist so wie der andere
Für Indien existieren diese Daten noch nicht. Erste Abschätzungen will Pankaj Kumar bis zum kommenden Jahr liefern, wenn das HighNoon-Projekt endet. „Wichtig ist für uns die Größe der Gletscherflächen und ihre Mächtigkeit“, sagt Kumar. „Natürlich kann man die Dicke nur schwer bestimmen, aber uns reichen bereits mathematische Näherungen.“
Eingefleischte Glaziologen würden sich angesichts solcher Vereinfachungen die Haare raufen, denn Gletscher ist nicht gleich Gletscher. Die Eismassen unterscheiden sich in ihrer Struktur, ihrer Dichte. Manche sind stark zerklüftet, andere ruhen dicht und schwer auf dem Fels. Für das REMO aber genügt es zunächst, die Dicke der Pakete ungefähr abzuschätzen. Hinzu kommt das Reflexionsvermögen des Gletschers, die Albedo. Dunkle Eismassen heizen sich stärker auf, schmelzen stärker und liefern mehr Wasser. Gleißend helle Schneeflächen auf dem Eispanzer werfen die Sonnenstrahlung
zurück wie ein Spiegel.
Damit sind Masse und Albedo wichtige Faktoren, um die Zukunft der Gletscher vorauszuahnen. Mit im High-Noon-Team sind indische Hydrologen, die mithilfe dieser Daten berechnen, wie viel Wasser aus dem Hochgebirge abfließt – eine Größe, die für die Menschen am Ganges lebenswichtig ist.
HighNoon hat auch das Ziel herauszufinden, wie sich die Bevölkerung auf mögliche Veränderungen einstellen kann. Indische Agrarwissenschaftler und andere Experten sprechen mit den Menschen vor Ort. In den vergangenen Wochen haben sie sich erstmals in den Dörfern und Städten entlang des Ganges mit Lokalpolitikern und Bauern getroffen – im nördlichen Distrikt Udam Singh Nagar, quasi am Fuße des Hochgebirges, im zentralen Gangesflachland rund um die heilige Stadt Allahabad und am unteren Ganges im Distrikt West Midnapur.
"Simulationen sind immer mit Unsicherheiten behaftet"
„Natürlich sind Klimasimulationen immer mit Unsicherheiten behaftet“, sagt HighNoon-Projektleiter Eddy Moors von der niederländischen Universität Wageningen. „Wir müssen also Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels finden, die in gewisser Weise flexibel sind.“ Dazu gehört möglicherweise der Bau kleiner und billiger Staudämme oder Sickerbecken aus natürlichen Baustoffen, die bei Monsunregen das Wasser speichern. Damit könnte man vielerorts das sinkende Grundwasser wieder auffüllen. In anderen Fällen könnten Bauern ihre Landwirtschaft auf robustere Pflanzen umstellen oder auf andere Bewässerungstechniken umsteigen.