Prof. Dr. Daniela Jacob
Atmosphäre im Erdsystem
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Dr. Annette Kirk
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23. September 2011
Text: Tim Schröder
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Schwül und heiß ist die Luft, wenn sie im Juni nach Nordost zieht. Tausende Kilometer ist sie über den Indischen Ozean gezogen, hat sich mit Wasserdampf vollgesogen. Mit ihren regenschweren, fetten Bäuchen schleppen sich die Wolken dahin. Es braucht nicht viel, damit sie aufreißen, ein Hindernis, ein paar Berge. Sobald sie den Südwest-Zipfel Indiens erreichen, sich an den Bergen von Kerala scheuern, emporgezwungen werden, platzt der Regen los, wochenlang. Der Monsun ist da.
Der Monsun erweckt die Natur zu neuem Leben
Das bleigraue Wolkenmeer umschifft die Bergflanken und breitet sich schließlich über ganz Indien bis zum Himalaja aus. Der Regen fällt auf ausgedörrte Böden, füllt Bäche und Flüsse. Rinnsäle schwellen zu Strömen an. Das Wasser überflutet Wege, Wiesen, Dörfer. Menschen waten im knietiefen Wasser. Autos rollen mit kleiner Bugwelle die überschwemmten Straßen entlang. Doch für die Inder ist das keine Katastrophe. Montelang war es trocken. Mit dem Monsun erwacht das Leben. Der Monsun bringt das Nass für ein ganzes Jahr: Trinkwasser, Wasser für Äcker und Plantagen. So ist es seit Jahrhunderten.
1,2 Milliarden Menschen leben heute in Indien. Die Bevölkerung wächst und damit auch die Menge an Lebensmitteln, die der Subkontinent produzieren muss, um alle Menschen zu ernähren. Zugleich wächst die Angst, dass der Klimawandel das Wechselspiel aus Trockenzeit und Monsun-Regengüssen in wenigen Jahrzehnten aus dem Takt bringen könnte. Was, wenn der Regen zu spät kommt? Was, wenn Niederschläge ganz ausbleiben?
Wenn der Weltklimarat, das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), menetekelt, dass die globale Durchschnittstemperatur künftig um mehr als zwei Grad Celsius ansteigen könnte, dann sagt das eigentlich gar nichts. Denn die Auswirkungen des Klimawandels machen sich regional bemerkbar, auf dem Land, an den Küsten, in Städten. Der Wandel hat viele Gesichter. Das globale Raster ist zu grob, um abschätzen zu können, was alles im Kleinen passieren wird.
Pankaj Kumar ist einer von denen, die im und am Kleinen forschen. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Climate-Service-Centers und des Max-Planck-
Instituts für Meteorologie in Hamburg will herausfinden, wie es mit dem indischen
Wasserhaushalt künftig bestellt sein wird. Kumar nutzt dazu das sogenannte Regionalmodell REMO, ein aufwendiges Computerprogramm, das über Jahre an dem Hamburger Institut von der Meteorologin Daniela Jacob und ihrem Team entwickelt wurde. Kumar ist einer der wenigen indischen Forscher in Jacobs Arbeitsgruppe. Das REMO ist eine Art Lupe, die das Zukunftsklima kleinräumig abschätzt. Es zoomt in die Regionen, in Täler, Bergwälder, in Großstädte.