Dr. Margrit Pernau
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, BerlinTelefon: +49 30 82406-463
E-Mail: pernau@mpib-berlin.mpg.de
Margrit Pernau ist hier bei einem ihrer Schwerpunkte: Schon in ihrer Habilitationsschrift hat sie die Entstehung eines muslimischen Bürgertums im Delhi des 19. Jahrhunderts untersucht. Natürlich hatte sie als Historikerin die Entwicklung in Deutschland im Hinterkopf – und wie deutsche und europäische Historiker um die Definition des „Bürgertums“ für den westeuropäischen Kulturraum lange Jahre gerungen haben. Doch sie hat in ihrer Arbeit dem indischen Kontext nicht die gängigen historischen Bürgertumsmodelle übergestülpt, sondern die historische Entwicklung in Delhi in ihrer Eigenständigkeit und Unterschiedlichkeit betrachtet.
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„Die Rolle, die der Säkularisierung – der Rückzug der Religion aus dem öffentlichen Raum und die Entstehung politischer und zivilgesellschaftlicher Strukturen – bei der Entstehung eines Bürgertums in Kontinentaleuropa zukam, hat im indischen Kontext teilweise die religiöse Reformbewegung übernommen“, lautet ihre Analyse. Pernaus forschungsmethodischer Ansatz sei herausragend, befand der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und zeichnete sie mit seinem Habilitationspreis aus.
Dass sich Margrit Pernau Indien als Thema ausgesucht hat, hat eine Vorgeschichte, die in ihre eigene Kindheit zurückreicht. Von ihrem fünften bis achten Lebensjahr hat sie in Delhi gelebt, eine der vielen beruflichen Stationen ihres Vaters. Als Wissenschaftlerin ist sie wiedergekommen, für einen langen Forschungsaufenthalt von fast sieben Jahren und immer wieder für kürzere Quellenrecherchen. Jetzt beschäftigt sie sich von Berlin aus mit dem indischen Kulturraum. Und beackert mit der Emotionsgeschichtsschreibung zugleich ein relativ neues Feld innerhalb der Geschichtswissenschaften. „Gefühle – das könnte eine Grundkategorie in der historischen Forschung werden“, glaubt sie denn auch.
Vielleicht macht der Begriff eine ähnliche wissenschaftliche Karriere wie die Kategorie „Geschlecht“ (oder gängiger auf Englisch gender). Die Historikerin Pernau hält das für möglich: „Vieles erinnert mich an die Diskussionen, die wir in den 1970er-Jahren über die Bedeutung des Geschlechts für die Geschichtswissenschaft geführt haben. Da fingen Historikerinnen an, explizit Frauengeschichte zu schreiben – zusätzlich zur bis dahin üblichen Geschichtsschreibung, in der Frauen marginalisiert worden waren.“