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Megacitys locken mit der Aussicht auf Arbeit und ein Leben in  städtischer Infrastruktur. Doch sie belasten ihre Bewohner auch mit  hoher Luftverschmutzung. Bhola Ram Gurjar analysiert mit  einer indischen Partnergruppe des Max-Planck-Instituts für Chemie in  Mainz die Schadstoffbelastungen und wie stark diese die Gesundheit der  Bewohner beeinträchtigen.

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Indiens  Lebenserwartung, wichtiger Indikator für die Entwicklung des Landes,  schwächelt: Der zunächst steile Anstieg ist inzwischen besorgniserregend  ausgebremst, einzelne Regionen unterscheiden sich um bis zu 10  Lebensjahre und mehr.

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Gefühle sind universell – könnte man meinen. Doch Wissenschaftler um Margrit Pernau am Berliner Max-Planck- Institut für Bildungsforschung bezweifeln das. Am Beispiel Indien untersucht die Gruppe, wie sehr das kulturelle Umfeld Emotionen im Laufe der Geschichte geprägt hat.

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Kulturwissenschaften

Gesundheit ist mit Fortschritt verknüpft

„Daneben hat die indische Regierung zusätzlich die traditionellen medizinischen Traditionen und Wissenssysteme in die staatliche Gesundheitspolitik integriert“, sagt die Ethnologin. So wurden Ayurveda, Yoga, Unani, Siddha, Homöopathie und Naturheilkunde standardisiert und der staatlichen Ausbildung, Forschung und Gesundheitsversorgung einverleibt. Gabriele Alex: „Auch gibt es mehr private Ärzte als noch vor 20 Jahren. Als ich 1998 in Madukottai meine erste Forschung begann, war dort nur ein Mediziner ansässig – und dieser war kein echter Arzt, sondern ein sogenannter quack doctor, der bei einem biomedizinischen Arzt viele Jahre als Gehilfe gearbeitet und sich dann nach einigen Jahren selbstständig gemacht hatte.“

Privates Krankenhaus im Bundesstaat Tamil Nadu. Bild vergrößern
Privates Krankenhaus im Bundesstaat Tamil Nadu.

Elf Jahre später zählte sie in dem Dorf drei private Ärzte, ein staatliches Gesundheitszentrum, in dem an Wochentagen in den Morgenstunden ein Arzt, eine Krankenschwester und eine Laborantin zur Verfügung standen, und ein Primary Health Subcentre mit einer Apotheke, einem Entbindungs- und einem Untersuchungsraum.

Diese Verbesserung des biomedizinischen Angebots auch in den ländlichen Regionen sei das Resultat der entwicklungspolitischen Programme der indischen Regierung. „Gesundheit gilt in diesem Diskurs als ein wichtiges Thema und wird direkt mit wirtschaftlichem Wachstum und Fortschritt verknüpft“, so die Forscherin. Im Rahmen ihrer Studie stellte sie die Frage, ob durch den verbesserten Zugang zu öffentlichen biomedizinischen Gesundheitseinrichtungen die anderen traditionellen Heilsysteme tatsächlich abgelöst werden. Dafür spräche, dass das staatliche Angebot mit keinen oder nur geringen Kosten verbunden sei.

„Doch gibt es trotz des staatlichen Interesses an Themen der Gesundheitsversorgung dazu kaum Studien“, sagt Alex. „Stattdessen wird weiterhin angenommen, dass ein entsprechend gutes Angebot auch zur Frequentierung desselben führt.“ Für ihre Studie wählte sie neben den Vagri die Mutturaja und die Paraiyar als Repräsentanten der traditionell unteren Kasten, wobei die Mutturaja und die Paraiyar von der Landwirtschaft leben. Hingegen sind die Vagri, die nicht als Wanderheiler oder Betreiber von Heiler-shops praktizieren, wie ihre Vorväter als fliegende Händler unterwegs und verkaufen am Straßenrand Schönheitsartikel. Andere leben von der Jagd und dem Aufstellen von Kleintierfallen.

Heil-Altar in Tamil Nadu. Bild vergrößern
Heil-Altar in Tamil Nadu.

„Vagri-Heiler sind bekannt für ihre spezielle Volksmedizin und für Wundermittel gegen das Alter sowie gegen Impotenz und Unfruchtbarkeit“, so Alex. Ihr medizinisches Repertoire umfasst Öle für die äußerliche Anwendung sowie Pulver und Pasten, wobei die verwendeten Heilpflanzen zumeist volksmedizinische Standardmedikamente sind. Bei ihren Besuchen in den Heilershops hat sie außerdem gesehen, wie diese volksmedizinischen Praktiker sehr spezielle Ingredienzien in Tiegel und Töpfe rührten und rieben. „Sie verwenden aber auch tierischen Fette, Schlangen und Fleisch als medizinische Mittel, was sie von den anderen volksmedizinischen Heilern unterscheidet.“

Zu den weiteren Spezialitäten der Vagri gehören Wahrsagerei und Schutzmedizin, wobei manchmal ungewöhnliche Dinge zum Einsatz kommen. „Zum Beispiel verkaufen sie Amulette, die das Fuchshorn enthalten“, beschreibt die Wissenschaftlerin eine weitere Spezialität der Heilkunst. „Dieses kleine Horn soll angeblich vom Schädel des Fuchses stammen und verleiht seinem Träger die Potenz und Kraft des Tieres.“

Auch bei den hinduistischen Paraiyar in Madukottai sind die cami für rituelle Heilung zuständig. Alex: „Dabei bevorzugen die Angehörigen dieser Kaste vor allem die Gottheiten, denen Tiere geopfert werden und die eine gewisse Wildheit und Gefährlichkeit besitzen wie Kaliamman und Karuppa oder auch Muni, die sowohl Gottheit als auch Geist ist.“ Diese Wesen seien sowohl für die Verursachung von Krankheiten zuständig als auch für ihre Heilung. Und so komme den rituellen Spezialisten der Paraiyar auch eine Heilerrolle zu.

 
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