Ansprechpartner

Silvia Leek

Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Telefon: +49 381 2081-143
Fax: +49 381 2081-443

Publikationsreferenz

Saikia, N., Jasilionis, D., Ram, F., Shkolnikov, V. M. (2011)
Population Studies, Vol.65(1), pp. 73-89

Aktuelles

Partnerschaft mit Perspektive

Wissenschaft braucht die Wirtschaft, so wie die Wirtschaft die Wissenschaft braucht. Das Beispiel Indien zeigt einmal mehr, das wirtschaftlicher Erfolg vor allem auf Investitionen in Bildung und Forschung fußt. Von Peter Gruss [mehr]

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Sozialwissenschaften

Demografie der Ungleichheit

21. September 2011

Indiens Lebenserwartung, wichtiger Indikator für die Entwicklung des Landes, schwächelt: Der zunächst steile Anstieg ist inzwischen besorgniserregend ausgebremst, einzelne Regionen unterscheiden sich um bis zu 10 Lebensjahre und mehr. Dies bestätigt jetzt eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung. Indiens Demografie zeichnet frappierende Ungleichheit – wie das Land selbst.
Abb. 1 Nandita Saika Bild vergrößern
Abb. 1 Nandita Saika

Autor: Björn Schwentker

Zum Glück ist Nandita Saikia hartnäckig. Wer mit der jungen Bevölkerungswissenschaft­lerin von der Universität Delhi über Indiens Demografie reden will, scheitert zunächst am Telefon: Keine Verbindung, die Leitung unterbricht, rauscht, piept. Dabei ist ihr Forschungsinstitut, das Population Research Centre am Institute of Economic Growth technisch am Puls der Zeit: Die E-Mails der Inderin treffen im Sekundentakt ein, bis eine Kommunikations-Lösung gefunden ist. Per Privathandy hält die Leitung. In Saikias Stimme schwingt Sorge mit: „Indien hat noch einen langen Weg vor sich“.

Die Entwicklung ihres Landes liegt der Demografin am Herzen. Zusammen mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock (Vladimir M. Shkolnikov and Domantas Jasilionis) und Faujdar Ram vom International Institute for Population Sciences in Mumbai hat sie bisher unerreicht zuverlässiges Zahlen für die indische Lebenserwartung berechnet – und damit einen der wichtigsten Indikatoren für den Entwicklungsstand des Subkontinents.

Die Ergebnisse, veröffentlicht im Wissenschaftsmagazin „Population Studies“ zeichnen ein zwiespältiges Bild: Die Lebenserwartung stieg zwar zwischen 1970 und 2004 beträchtlich – ein untrügliches Zeichen dafür, dass der rasante wirtschaftliche Fortschritt die Lebens- und Gesundheitsstandards in Indien generell verbessert hat. Doch dann flachte die Kurve Mitte der 90er-Jahre plötzlich ab (Abb. 2). In einigen Staaten stagniert die Sterblichkeit sogar. Ein Vorbote für die ökonomische Entwicklung des Riesenlandes?

Abb. 2: Abnehmender Erfolg: Seit den 90er-Jahren flacht der Anstieg der befristeten Lebenserwartung (BLE) in Indien ab. Männer leben - außer in den Städten - länger als Frauen, Menschen in den Städten länger als Menschen auf dem Land. (Die BLE misst nur die Überlebenswahrscheinlichkeit zwischen 0 und 60 Jahren. Die komplette Lebenserwartung ab Geburt liegt darüber, ist aber nicht verlässlich messbar.) Bild vergrößern
Abb. 2: Abnehmender Erfolg: Seit den 90er-Jahren flacht der Anstieg der befristeten Lebenserwartung (BLE) in Indien ab. Männer leben - außer in den Städten - länger als Frauen, Menschen in den Städten länger als Menschen auf dem Land. (Die BLE misst nur die Überlebenswahrscheinlichkeit zwischen 0 und 60 Jahren. Die komplette Lebenserwartung ab Geburt liegt darüber, ist aber nicht verlässlich messbar.) [weniger]

Fragen werfen auch die Details auf, die das deutsch-indische Wissenschaftlerteam in seinen Daten entdeckte: Die berechnete Lebenserwartung schwankt von Staat zu Staat innerhalb Indiens massiv, es gibt Differenzen von über zehn Jahren. Eine große Kluft gafft zwischen Stadt- und Landbevölkerung und – wenngleich nicht ganz so groß - zwischen Männern und Frauen. Das Irritierende daran:  Im überwiegenden Rest der Welt leben Frauen viel länger als Männer. In Indien ist es anders herum, wie die nun kalkulierten Werte belegen. Ein Unikum?

 
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