Silvia Leek
Max-Planck-Institut für demografische Forschung, RostockTelefon: +49 381 2081-143
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E-Mail: leek@demogr.mpg.de
21. September 2011
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Autor: Björn Schwentker
Zum Glück ist Nandita Saikia hartnäckig. Wer mit der jungen Bevölkerungswissenschaftlerin von der Universität Delhi über Indiens Demografie reden will, scheitert zunächst am Telefon: Keine Verbindung, die Leitung unterbricht, rauscht, piept. Dabei ist ihr Forschungsinstitut, das Population Research Centre am Institute of Economic Growth technisch am Puls der Zeit: Die E-Mails der Inderin treffen im Sekundentakt ein, bis eine Kommunikations-Lösung gefunden ist. Per Privathandy hält die Leitung. In Saikias Stimme schwingt Sorge mit: „Indien hat noch einen langen Weg vor sich“.
Die Entwicklung ihres Landes liegt der Demografin am Herzen. Zusammen mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock (Vladimir M. Shkolnikov and Domantas Jasilionis) und Faujdar Ram vom International Institute for Population Sciences in Mumbai hat sie bisher unerreicht zuverlässiges Zahlen für die indische Lebenserwartung berechnet – und damit einen der wichtigsten Indikatoren für den Entwicklungsstand des Subkontinents.
Die Ergebnisse, veröffentlicht im Wissenschaftsmagazin „Population Studies“ zeichnen ein zwiespältiges Bild: Die Lebenserwartung stieg zwar zwischen 1970 und 2004 beträchtlich – ein untrügliches Zeichen dafür, dass der rasante wirtschaftliche Fortschritt die Lebens- und Gesundheitsstandards in Indien generell verbessert hat. Doch dann flachte die Kurve Mitte der 90er-Jahre plötzlich ab (Abb. 2). In einigen Staaten stagniert die Sterblichkeit sogar. Ein Vorbote für die ökonomische Entwicklung des Riesenlandes?
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Fragen werfen auch die Details auf, die das deutsch-indische Wissenschaftlerteam in seinen Daten entdeckte: Die berechnete Lebenserwartung schwankt von Staat zu Staat innerhalb Indiens massiv, es gibt Differenzen von über zehn Jahren. Eine große Kluft gafft zwischen Stadt- und Landbevölkerung und – wenngleich nicht ganz so groß - zwischen Männern und Frauen. Das Irritierende daran: Im überwiegenden Rest der Welt leben Frauen viel länger als Männer. In Indien ist es anders herum, wie die nun kalkulierten Werte belegen. Ein Unikum?